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Anfang des Jahres arbeiteten noch viele Anwender mit der Version 3.5 des beliebten Internet-Browsers. Nach Version 4.0 im März folgte im Juni bereits 5.0. Für den 16. August ist bereits die Auslieferung von Firefox 6.0 angekündigt. Die Versionen 7 und 8 sollen bis Dezember folgen.
Aktuelle Entwicklungen am Browser-Markt
Nachdem über Jahre gerade die Version 3.6 erreicht worden war, scheint es derzeit so, als wollten die Entwickler sich selbst überholen. Außer, dass von Mozilla für das laufende Jahr ein straffer Zeitplan vorgelegt wurde, haben die Offiziellen nichts über die Hintergründe der jüngsten Versionsoffensive verlauten lassen. Fast entsteht der Eindruck, die freiwillige, weltweite Helferschar hätte plötzlich zu viel Zeit, um ihr Wissen in die laufenden Verbesserungen dieses Softwareprojektes einzubringen. Ein wenig wahrscheinlicher Gedanke.
Während die Mitbewerber von Firefox auf dem Browser-Markt zum Teil schon zweistellige Versionsnummern aufweisen, dümpelte der beliebte Feuerfuchs bis Anfang des Jahres noch im niedrigen einstelligen Bereich herum. Opera liegt bereits bei der Versionsnummer 11 und auch der Ableger von Google Chrome steht bei 14.0, obwohl viel später als Firefox gestartet. Während Firefox in seinen Vorversionen Phoenix und Firebird bereits 2002 das Licht der Welt erblickte, wurde Chrome gerade im September 2008 aus der Taufe gehoben. Auch Microsofts Internet Explorer hat in der jüngsten Ausgabe die 9 im Namen. Es scheint, als solle dem unbedarften Anwender mit einer höheren Zahl ein fortschrittlicheres und besseres Produkt suggeriert werden.
Was steckt hinter den Versionsnummern?
Das Geschehen lohnt einen intensiveren Blick auf das Thema Versionsnummern. Mit der Nummerierung bei Software ist das so eine Sache. Es gibt keine allgemein gültige Vorschrift, an die sich alle halten. Im Allgemeinen sollen die aufsteigenden Zahlen verschiedene Entwicklungsschritte anzeigen. In der täglichen Praxis hat sich dabei herauskristallisiert, dass von links nach rechts an erster Stelle die Hauptversionsnummer steht und dieser Nebenversionsnummer, Revisionsnummer sowie Buildnummer folgen. Die Hauptversionsnummer symbolisiert dabei gravierende Änderungen am Programm, während Nebenversionsnummern für praktische Verbesserungen der Anwendung stehen. Behobene Fehler werden über Revisionsnummern dokumentiert. Buildnummern stehen für kleine Entwicklungsfortschritte. Oft tauchen die letzten beiden in der öffentlichen Kommunikation für den klassischen Anwender gar nicht auf.
Gerade bei Open Source-Software ist zu beobachten, um eine solche handelt es sich bei Firefox, dass die Hauptversionsnummern bei niedrigen Zahlen verharren. Ein Rückschluss auf die Qualität der Software wäre hier jedoch sträflich. Hintergrund ist vielmehr, dass die Entwickler noch nicht bei den selbst gesteckten Entwicklungszielen angekommen sind. Die Erfahrung zeigt, viele Open Source-Programme mit niedrigen Versionsnummern liefern ganz exzellente Ergebnisse ab. Ob man sich das Bildbearbeitungsprogramm Gimp 2.6, das Büropaket Open Office 3.3, oder, bis Anfang Januar 2011, den beliebten Browser Firefox 3.5 betrachtet, ist völlig egal. Ein jedes dieser kostenfreien Programme steht nicht nur in vielen Download-Listen auf den Spitzenplätzen, sondern steht ihren kommerziellen Kollegen, weder in Qualität noch in Funktionalität, in nichts nach.
Bei der Einführung werden die Hauptversionen noch der Reife nach unterschieden. Während die Alphaphase für ein frühes Entwicklungsstadium mit einem eingeschränkten Testerkreis steht, dürfen in den Betaphasen schon deutlich mehr Nutzer in die zukünftigen Produktneuerungen hineinschnuppern und diese auspropieren. So wie aktuell beim Firefox 6.0 Beta 2. Wer mit dem Testen und gelegentlichen Abstürzen eines Programmes nichts zu tun haben will, sollte lieber auf die endgültig freigegebene Version warten. Das Candidate Release, schließlich wird nur noch kleine Abweichungen von der finalen, veröffentlichten Variante, dem eigentlichen Release, aufweisen.
Zusammenarbeit zwischen Google und Mozilla
Ein Aspekt aus dem Hintergrund könnte bei dem derzeitigen Geschwindigkeitsrausch von Mozilla eine wesentliche Rolle spielen. Zuletzt im Jahre 2008 war zwischen Google und der Mozilla Foundation eine Vereinbarung getroffen worden, nach der sich Mozilla verpflichtete, Google als Standardsuchmaschine in den hauseigenen Browser Firefox einzubinden. Dieser Vertrag wird nach unterschiedlichen Quellen sehr lukrativ entlohnt. Konrad Lischka schreibt in seinem 2007 veröffentlichen Artikel bei Spiegel Online „Firefox Stiftung sitzt auf Millionen Vermögen“ davon, dass 85 Prozent der Einnahmen der Mozilla Foundation von Google stammen. Auch wenn sich die Zahlen auf den Geschäftsbericht des Jahres 2006 beziehen, gibt es wenig Grund zu der Annahme, dass sich hier wesentliches geändert hat. Mit exakten, aktuellen Angaben zeigt sich Mozilla hier geizig. Nachdem Google mit Chrome seit 2008 eine eigene Entwicklung unter's Volk gebracht hat, stellt sich die Frage, welchen Nutzen der beinahe Monopolist im Segment der Suchmaschinen auf Dauer von einer weiteren Zusammenarbeit hätte.
Tendenzen in der Entwicklung der Marktanteile
Seit der Einführung seines Browsers kann sich der Suchmaschienengigant weltweit über stetig steigende Marktanteile freuen, während Firefox in einer überschaubaren Bandbreite seit einigen Jahren stagniert und Microsofts Internet Explorer zwar kontinuierlich an Boden verliert, aber nach wie vor als Platzhirsch auftreten kann.
Ob der im November 2011 auslaufende Vertrag noch einmal verlängert wird, wird nicht nur von der Marktentwicklung von Google Chrome abhängen. Viel entscheidender dürfte sein, welche Strategie die Google Chefetage im Kampf um mehr Marktanteile einzuschlagen gedenkt. Geht es in erster Linie um eine Ausweitung der Marktanteile zu Lasten des großen Rivalen Microsoft mit seinem Internet Explorer, erscheint eine vorläufige Fortsetzung der Kooperation mit Mozilla wahrscheinlich. Andernfalls könnte der Geldstrom, für die Entwicklung von Firefox, Thunderbird und weiteren Software-Projekten von Mozilla bald versiegen.
Man wird sehen, was die Zukunft nach dem Ende der derzeitigen Zusammenarbeit im November diesen Jahres bringen wird. Bis dahin sollen auf jeden Fall noch drei Versionen von Firefox unters Volk gebracht werden. Seit Mitte Juli steht die Version Beta 2 von Firefox 6.0 zum Download auf Deutsch bereit und verspricht einige interessante Neuerungen für die finale Version.
Quelle: mozilla.org
