Fische in Gefahr: Die Hitzewelle macht den Flüssen zu schaffen

Die Temperatur des Neckars (bei Lauffen) steigt - Alexander Litke / pixelio.de
Die Temperatur des Neckars (bei Lauffen) steigt - Alexander Litke / pixelio.de
An Rhein und Neckar rückt die kritische Marke von 28 Grad Wassertemperatur näher. Land und Kommunen sind für den Ernstfall gerüstet.

Die Hitze macht nicht nur Mensch und Tier sondern auch den Flüssen. Werden Flüsse zu warm, dann kippt das Klima und es wird für die Fische im wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährlich. Ab einer Wassertemperatur von 28 Grad Celsius beginnt es kritisch zu werden. Messungen am Rhein und Neckar haben Mitte Juli 2010 bereits 25 Grad aufgewiesen. Tendenz steigend. "Die Lage ist angespannt, aber noch nicht dramatisch", gab Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner in Stuttgart bekannt. Die Situation könnte sich aber schon in den nächsten Tagen weiter zuspitzen. Es ist also Obacht geboten.

Mit der steigenden Temperatur sinkt der Sauerstoffgehalt der Flüsse. Sinkt das Sauerstoffvolumen unter 3,5 Milligramm pro Liter Wasser, dann wird automatisch Alarm ausgelöst. Dann muss der Mensch eingreifen um ein mögliches Fischsterben abzuwehren. Das geschieht durch zusätzliche Belüftung. Am Neckar wurde das nun schon an drei Stellen gemacht, weil stellenweise Werte von weniger als vier Milligramm Sauerstoff gemessen wurden. Im Heilbronner Stadtteil Horkheim, in Kochendorf (Landkreis Heilbronn) und in Guttenbach wird die Durchlaufkraft des Neckars durch Turbinen vermindert. Das hat zur Folge, dass mehr Wasser über die Wehre läuft. So wird gewährleistet, dass das Wasser zusätzlichen Sauerstoff aus der Luft aufnehmen kann.

Eine ähnlich brenzlige Situation gab es 2003, jenem Sommer, der bisher als Jahrhundertsommer gehandelt wurde. Damals hatte sich das Thermometer mehrere Wochen bei mehr als 33 Grad Celcius eingependelt. In Heilbronn wurde mit 37,8 Grad Celsius die höchste Temperatur überhaupt gemessen. Damals mussten entlang des Neckars und des Rheins die Kraftwerke heruntergefahren werden, um die Flüsse durch die Einleitung des erwärmten Kühlwassers nicht noch zusätzlich aufzuheizen. Der Wasserstand war damals sehr niedrig. Das ist in diesem Sommer (noch) nicht der Fall. Laut Umweltministerium gibt es diesbezüglich keinen Anlass zur Sorge, da die Flüsse sich dank der teilweise starken Niederschläge und Gewitter im Frühjahr genügend Wasser mit sich führten.

Als kritisch wird hingegen die Wassertemperatur gesehen. Sofern die Hitze anhalte, so Tanja Gönner, könne es für die Fische gefährlich werden. Doch der Deutsche Wetterdienst habe eine leichte Abkühlung vorhergesagt. "Wir beobachten die weitere Entwicklung deshalb sehr sorgfältig", so Gönner. Zuständig ist dafür die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg. Sie wertet an etwa 30 Messstellen entlang der Flüsse den jenweiligen Sauerstoffgehalt, zusätzlich wird an 300 Stellen der Wasserstand regelmäßig kontrolliert. Das engmaschige Messnetz erlaube es, zeitnah auf Veränderungen reagieren zu können, so die Umweltministerin.

Krisenmanagementpläne: Auf den Ernstfall vorbereitet

Im Nachgang des Jahrhundertsommers 2003 wurde im Umweltministerium in Kooperation mit den Energieversorgern, Städten und Gemeinden an Rhein und Neckar Krisenmanagementpläne entwickelt. Die greifen, sobald eine Wassertemperatur von 28 Grad Celsius erreicht wird. Dann sind die Energieversorger gefordert und müssen ihre Kohle- und Kernkraftwerke vom Netz nehmen. Sofern ökologisch vertretbar, werden jedoch auch Ausnahmen zugelassen. Immer dann, wenn die Stromnetzstabilität in Gefahr gerät. Der Krisenmanagementplan sieht hier in Absprache mit dem Wirtschaftsministerium und den Energieversorger ein "Mindestkraftwerkskonzept" vor, das einem möglichen Zusammenbruch der Stromversorgung vorbeugen soll und gleichzeitig negative ökologische Auswirkungen begrenzt.

In den kommenden Jahren könnten die Krisenmanagementpläne nach Einschätzung der Umweltministerin durchaus noch öfter zum Einsatz kommen. Als Folge des Klimawandels werde die Zahl der heißen Tage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad weiter zunehmen.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg

Bildnachweis: Alexander Litke / pixelio.de

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