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Fische schwimmen in unserer Sprache

Fisch und Mensch, widersprüchliche Beziehung - Gerhard Ott
Fisch und Mensch, widersprüchliche Beziehung - Gerhard Ott
Von der Bibel, über Volksmund und Literatur. Es kommen immer wieder Fische in Zitaten, Redensarten und Sprichwörtern vor.

Das Verhältnis Mensch schwankt zwischen Abscheu und liebevoller Hingabe. Schauen wir einmal Philosophen, Dichtern und dem Volk aufs Maul.

Fisch als Symbol von Tod oder Fruchtbarkeit

In vielen Religionen ist der Fisch Sinnbild des Todes und der Fruchtbarkeit zugleich. Furchtbar und fruchtbar. So waren syro-phönikischen Gottheiten des Todes und des Lebens Fische geweiht. Dagon oder Dagan (hebräisch für Fisch), ein westsemitischer Fruchtbarkeitsgott wurde bisweilen als Fisch dargestellt. Der indische Wischnuglaube kennt die Wiedergeburt Wischnus in einem Fisch, um so Manu, den Vater aller Menschen, vor der Sintflut zu retten.

Symbol der Fruchtbarkeit ist der Fisch wegen der Vermehrungsfreudigkeit einiger Arten. Ein Lengfisch-Weibchen (Gattung Molva) vermag immerhin bis zu 28 Millionen Eier zu laichen. Ein potenter Karpfenmann stößt bei einer Paarung mehrere zehntausend Spermien ins Wasser aus. Biblisch ist die Speisung der Fünftausend durch Jesus, von der der Evangelist Markus zu berichten weiß: „Er aber sprach zu ihnen: Wie viel Brote habt ihr? Gehet und sehet! Und da sie erkundet hatten, sprachen sie: fünf und zwei Fische.“ (Markus 6, 38). Mit nur zwei fruchtbaren Fischen und fünf Gerstenbroten wurden fünftausend Hungernde genährt. Jedoch: Nur „Frische Fische sind gute Fische“, weiß der Volksmund andererseits über die gefährliche Todesnähe bei Genuss von verdorbenem Eiweiß zu berichten. „Faule Fische“ sind seit dem Matthäus-Evangelium (13, 48) sogar zur Metapher von Lügen und Vorspiegelungen im zwischenmenschlichen Leben geworden.

Fit und lebenstrotzend wiederum sind die Fische in Goethes Ballade „Der Fischer“ von 1778: „Ach wüsstest du, wie's Fischlein ist, so wohlig auf dem Grund.“ Der Volksmund machte daraus: „Gesund wie ein Fisch im Wasser.“ Das stimmt leider nicht immer. Der Slogan der Umweltschutz-Organisation Greenpeace „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“ hat spätestens seit der Katastrophe „Bhopal am Rhein“ bittere Aktualität erhalten. Zugleich ist dies ein Sinnspruch im politischen Leben überhaupt geworden.

Fische als Symbol für Schwäche oder Stärke

Die Hilfslosigkeit, mit denen man die Fische in Zusammenhang bringt, ist in der Bibel nachzulesen: so weiß der Mensch seine Zeit nicht, sondern wie die Fische gefangen werden mit dem verderblichen Netz ..., so werden auch die Menschen verstrickt zur bösen Zeit, wenn sie plötzlich über sie fällt“ heißt es beim Prediger Salomo (9,12). Die Redensart „im Trüben fischen“ schildert treffend einen Menschen, der hilflos etwas sucht und nicht Bescheid weiß. In der locker-flockigen Jugendsprache wurde daraus der „Blindfisch“; ein Mensch - zumeist erwachsen - der „Null Ahnung“ hat, worum es überhaupt geht.

Der Hinweis „Nicht Fisch, noch Fleisch“ verdeutlicht, jemand oder etwas sei farblos, fade, charakterlos, nichtssagend. Ähnlich: ein „kleiner Fisch“ für einen unbedeutenden Menschen. Mutig behauptet man, das seien doch „kleine Fische“ von leicht lösbaren Problemen. Jedoch: „Wer fischen will, scheue kein Wasser!“ (Voß; Luise, 1. Gesang) und beweise, dass er sich Großes zutraut. Und „Petri Fischzug“ (Lukas 5, 1-11) ist der Lohn für den denjenigen, der wagemutig ist.

Fisch als Symbol für Reichtum oder Ärger

Die Gunst des Glückes ist dem Manne nahe, der sich „einen Goldfisch angelt“, was ja nichts anderes heißt, als ein reiches Mädchen zu heiraten. Reich und weiblich: wenn das nicht doppelte Fruchtbarkeit ist! Allen Fischen zum Trotz, die ab und zu „zum Himmel stinken“. Zum Trotz auch dem Fisch, der wie der liebe Verwandtenbesuch am dritten Tage zu stinken beginnt, wie ein arabisches Sprichwort zu berichten weiß.

Fische in Kochtöpfen, Sprache und Wasser

Trotz des schönen Glanzes der Fische möchte der Dichter die Angst vorm Fisch am liebsten in bester Kannibalen-Manier in Form eines Fisches verspeisen: „Äß' lieber selbst 'nen guten Fisch, statt dass mich Fische fressen“ (Uhland, König Karls Meerfahrt). Feiner klingen da Kochrezepte: Fisch muss dreimal schwimmen. In Wasser, Schmalz und Wein. Der Volksmund spricht allgemeiner: „Fische wollen schwimmen“ und zitiert damit falsch. „Pisces natare oportet“ steht in Petronius Arbiters Satiren 39, was heißt: Die Fische müssen schwimmen.

Sie tun es. Nicht nur im Wasser, sondern auch in unserer Sprache.

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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