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Fischer von Erlach, Architekt des barocken Salzburg

Salzburger Kollegienkirche - Irene Ehart
Salzburger Kollegienkirche - Irene Ehart
Das Werk des genialen Barockarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach trägt wesentlich dazu bei, dass Salzburg den Beinamen „Rom des Nordens" erhielt.

Salzburgs Stadtbild ist geprägt von heiterer Barockarchitektur. Nicht nur der Salzburger Dom, errichtet von Santino Solari, sowie die frühbarocken Bauten Kajetanerkirche und St. Erhard von Giovanni Gaspare Zuccalli, sind Beispiele italienischer Baukunst. Auch der Architekt des Salzburger Hochbarock, Johann Bernhard Fischer von Erlach, erhielt seine Ausbildung in Italien.

Fischer von Erlach erhielt seine Ausbildung in Rom

Johann Bernhard Fischer erblickte 1656 in Graz das Licht der Welt. Den Adelstitel „von Erlach“ wurde ihm erst 1696 auf Grund seiner genialen Leistungen als Bildhauer und Architekt verliehen. Während seiner Studienjahre in Rom lernte Fischer die antike sowie die zeitgenössische barocke Architektur kennen. Großen Einfluss auf sein späteres Schaffen nahm zweifellos seine Bekanntschaft mit dem Genie Gianlorenzo Bernini .

Erzbischof Graf Thun, Fischers wichtigster Auftraggeber

Johann Ernst Graf Thun rief den erfolgreichen jungen Baumeister Fischer nach Salzburg. Ab dem Jahr 1694 wurde er Fischers wichtigster Auftraggeber. Mit kleineren Auftragswerken begann ein für beide höchst erfolgreiches Jahrzehnt, das dem systematischen Ausbau Salzburgs als barocke Fürstenstadt gewidmet war. 1693/94 gestaltete Fischer das Prunkportal des Hofmarstalls - heute Teil des "Großen Festspielhauses" – ebenso wie die daneben situierte Pferdeschwemme. Im Nordosten der damaligen Stadt plante Fischer das Hoyos-Stöckl, ein kleines Lustgebäude im Park des später errichteten Schloss Klessheim.

Priesterseminar und Kirchenbauten

Dem Ausbau des Priesterseminars mit Dreifaltigkeitskirche folgten die Bauten des Johannesspitals mit Kirche und der Ausbau der Wallfahrtskirche Maria Kirchenthal bei Lofer. Zwischenzeitlich erhielt Fischer auch Aufträge vom kaiserlichen Hof in Wien und von weiteren Auftraggebern, wie den Grafen Thun in Prag. Zu dieser Zeit rühmte sich Fischer, dass er „14 große Werke unter Handten „ habe. Weitere bedeutende Bauwerke in Salzburg folgten: die Kollegienkirche, Kirche und Kloster der Ursulinen, Schloss Klessheim. Auch der Hochaltar der spätgotischen Franziskanerkirche wurde, weil baufällig geworden, durch Fischer neu gestaltet.

Salzburger Kollegienkirche

Schon 1620 hatten die Benediktiner in Salzburg eine Universität gegründet. Der Neubau einer dazugehörigen Kirche verzögerte sich immer wieder. Endlich konnte sich Graf Thun durchsetzen und beauftragte Fischer mit der Realisierung. Am 6. Mai 1696 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Kirche wurde 1707 eingeweiht, jedoch deren Inneres erst in den nachfolgenden Jahren fertiggestellt. Der Grundriss zeigt ein kreuzförmiges Langhaus mit Vierungskuppel und vier ovale Seitenkapellen für die Schutzheiligen der vier Fakultäten. Die steilen Proportionen im Inneren (Höhe : Breite nahezu 4 : 1) sind ebenso außergewöhnlich wie der sparsame Umgang mit Bemalung. Das kurze Querhaus und die schmale Kuppel befinden sich exakt in der Mitte des Langhauses, Eingangs- und Chorbereich entsprechen einander in der Gliederung. Über dem Hochalter schwebt, vom Licht des darüber befindlichen Fensters umflutet, die Gestalt der Maria Immaculata. Umgeben ist sie von einer Engelschar, ausgeführt aus Stuck in strahlendem Weiß. Fischers wirksamste Stilmittel sind Gliederung, Proportion und Lichtführung. Durch die ovalen oder bogenförmigen Fenster strömt das Licht in den eindrucksvollen Raum.

Charakteristische Fassade der Salzburger Kollegienkirche

Die Frontseite der Kollegienkirche weist den für Fischer typischen Stil auf und setzt einen unübersehbaren Akzent in der Salzburger Altstadt. Der geschwungene Mittelteil ist durch schmale Rücklagen mit den beiden Türme verbunden. So ergibt sich das Nebeneinander dreier Baukörper, ein für Fischers Baustil charakteristisches Bild. Die richtungsweisende Architektur beeinflusste Kirchenbauten im angrenzenden Ausland (beispielsweise Einsiedeln in der Schweiz und Ottobeuren in Süddeutschland).

Renovierung der Kollegienkirche schreitet voran

Die Kollegienkirche blickt auf eine zeitweise sehr zweckentfremdete Verwendung zurück. Unter anderem wurde sie als Heumagazin für die die Truppen Napoleons benutzt. Hugo von Hofmannsthal brachte 1922 hier sein Werk "Das Salzburger Große Welttheater" zur Uraufführung. Als 1964 die Salzburger Universität neu gegründet wurde, erlangte die Kollegienkirche wieder ihre ursprüngliche Bestimmung zurück. Die Renovierung dieses bedeutenden Barockjuwels stand lange Zeit an, ist jedoch mittlerweile unter großer Salzburger wie auch internationaler Beteiligung ein gutes Stück vorangekommen. Die Barockstadt Salzburg hat den Status eines UNESCO Weltkulturerbes und damit eine besondere Verpflichtung seine Kunstschätze zu erhalten.

Literatur: Johann Bernhard Fischer von Erlach, H. Lorenz, Verlag für Architektur, 1992, Zürich

Irene Ehart , Irene Ehart

Irene Ehart - Geboren im Salzkammergut und seit vielen Jahren in Salzburg lebend möchte ich meinen Lesern die bezaubernde Vielfalt von Landschaft, ...

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