Er kocht. Das ist auch gut so, denn es ist sein Job. Zwei Kameras sind dabei auf Steffen Sonnenwald gerichtet. „Wo ist denn da die Logik?", fragt jemand hinter den Kameras. „Mann, die Sendung hat doch gar keine Logik", antwortet der Koch.
Tag 2 des Drehs für die Fernsehsendung „Fish'n'fun", die auf dem Dmax (Motto: „Für die tollsten Menschen der Welt: Männer") ausgestrahlt wird. Drehort ist der Angelpark von Boris Wagner. Das Konzept der Sendung sieht so aus: Zwei Angel-Teams, das eine besetzt mit Profis, das andere mit Amateuren, treten gegeneinander an, fangen um die Wette und verspeisen hinterher ihre Beute – spannend. „Ein Wettbewerb ist das nicht!", merkt Mirella Pappalardo aus dem Off an; das verbietet schließlich das Gesetz. Pappalardo wendet sich ab, schaut hektisch um sich, tut geschäftig. Fast so, als ob sie innerhalb der nächsten zehn Minuten eine Neuauflage von Ben Hur mit 100-Millionen-Euro-Budget zu stemmen hätte. Moderator August-Walter „Auwa" Thiemann schaut derweil bei den Experten vorbei, ködert zwischendurch selbst mal mit Maden, Twistern oder Nymphen, bringt den Ahnungslosen Tipps mit und ist sich dabei für keine Floskel zu Schade: „Junge, Junge" oder „Mannomann" fallen des Öfteren; wenn Auwa nicht gerade an seiner Zigarettenschachtel herumnestelt. Sprüche und Zigarette haben eins gemeinsam: Sie lösen sich ziemlich schnell in Rauch auf.
Nesteln an der Zigarettenpackung
Ein 15-köpfiges Team ist am Dienstagabend in Goddelsheim angereist. Kameramann und Tontechniker zusammen mit einem Co-Autor (!) und den beiden Hauptdarstellern der Unterhaltungssendung, Moderator Aua, pardon, Auwa, und Koch Sonnenwald. Das Nordlicht und der Oberbayer wuseln als Duo vor der Kamera herum, geben Tipps zum Angeln oder zum Zubereiten einer Delikatesse. Aus den gefangenen Regenbogenforellen in Goddelsheim zaubert der Meister der Messer dann zum Beispiel „Charlotten-Pinienkern-Blutwurst-Kaiserschmarrn mit Forelle in Kräuterkruste". Spontan passiert gar nichts, auch wenn dieses Gefühl beim Zuschauer erweckt werden soll. „Mhmm, lecker" muss Auwa dreimal in die Kamera sagen und jedes Mal freundlich und spontan lächeln.
Die Anfänger an der Angel freuen sich, in diesem Fall sind das Rene van der Veek, Christoph Schäfer und Carsten Wittkorp. Die Ippinghäuser haben sich „aus einer Bierlaune heraus" beworben, und wurden genommen. Angelparkinhaber Wagner kannte Auwa – da war der Deal perfekt. Nun fangen die drei um die Wette, was sie ja eigentlich nicht tun: zwei zu 60 steht es lange Zeit, oder eben auch nicht.
Beäugt wird das ganze von einer kleinen Schar Fans. Da steht zum Beispiel Dieter Schröder aus Brilon, seiner Aussage nach Journalist für ein Angelmagazin. Seinem Verhalten nach ist er begeisterter Angler. Hier steht eine große Familie am See, die sich freut, sich zu sehen. Jeder hilft jedem, der Journalist gibt den Anfängern Tipps, der Shimano-Fotograf (ja, Shimano stellt auch Angelzubehör her) hilft Auwa mit dem Käscher.
Biolek ist schuld
Biolek ist schuld. Der erste „Mhmm lecker"-Mann hat das Kochen ins deutsche Fernsehen gebracht. Dann kamen Tim Mälzer und Co. und machten das Zubereiten von Speisen hip. „Fish'n'fun" ist die nächste Stufe. Seit 2. September 2006 ist die Produktion wie ein Hochwasser nicht mehr aufzuhalten, Raubfischexperten und Brandungsangelweltmeister tummeln sich dort seitdem wie der Karpfen im Teich. Auwa, der in den Siebzigern mal heiß gehandelter DJ und Moderator des ARD-Musikladens war, kommt bei einem Teil der rund 1,6 Millionen Angler in Deutschland gut an – oder wird skeptisch beäugt. Zumindest sind er und seine Sendung Gesprächsthema. Von der Müritz bis ins Sauerland, von Ägypten bis Kenia drillen sie, was das Zeug hält. Doch egal wie sie die Angel drehen und wenden, die Frage bleibt: wie fernsehtauglich ist der Sport Angeln eigentlich? Bei der Suche nach der Balance zwischen gepflegter (also gut gemachter) Langeweile und Angeln im MTV-Stil hat sich Dmax für ein Mittelding entschieden: hyperaktive und betont lässige Moderatoren jenseits der 40 quatschen, was das Zeug hält. Ein Tipp zu Kohlefaserruten, zum Spurfischen oder zur Bisserkennung zwischendurch, das ist die ganze Substanz der Sendung, die Anfänger kurzweilig unter- und semiprofessionelle Angler nicht lange bei der Stange hält. Das ist weder Fisch noch Fleisch.
Die abgedrehte Folge wird voraussichtlich am Samstag, den 30. August, ab 19.15 Uhr auf Dmax ausgestrahlt.
