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Flattr - Internet-Revolution per Micropayment?

Flattr-Button auf Website - S. Arif
Flattr-Button auf Website - S. Arif
Ein faires Bezahlsystem? Micropayment via Flattr heißt der neueste Trend im Internet. Theorien zum Social Payment Service Flattr & Kachingle.

Wer sich an dieser Stelle verwirrt fragt, von welchem Bezahlsystem eigentlich die Rede ist, kann sich in dem Artikel "Was ist Flattr?" erst einmal über die grundlegende Funktionsweise dieses Social Payment Service informieren lassen.

Internet-Revolution mit Social Micropayment: Flattr ist nicht allein

Auch wenn man es wegen dem anhaltenden Flattr-Hype in Deutschland kaum mitbekommt, es gibt neben dem Micro-Bezahlsystem Flattr auch noch einen durchaus vitalen Konkurrenten namens Kachingle. Der Sitz dieses Social Payment Systems, das unter anderem scheinar auch mit deutscher Beteiligung entwickelt wird, ist in den USA. Die Erfinderin Cynthia Typaldos hatte die Grundidee zu Kachingle schon im Jahr 2003.

Flattr und Kachingle - ernstzunehmende Alternativen zu Google AdWords & Co.?

Vorausgesetzt, dass sich Bezahlsysteme wie Flattr und Kachingle wirklich im Internet durchsetzen und funktionieren, könnte man sich im Grunde unabhängig von den allgegenwärtigen Googel-Anzeigen oder anderen Bannern machen. Das Internet ist ja ein riesiger Markt für die Werbebranche. Täglich sind hier Milliarden von Usern unterwegs - alles potentielle Kunden. Viele Webseitenbetreiber oder Portale setzen auf frei zugängliche Inhalte und finanzieren sich über solche Anzeigen. Sollte sich das Micropayment-System etablieren, wäre dies natürlich eine gute Einnahmequelle für Autoren, Journalisten oder andere Webseiten- und Blogbetreiber, die sich mühsam ihr Brot bzw. ihre Pageviews im hartumkämpften Internet verdienen.

Aber um hierauf langfristig aufbauen zu können, müsste eine sehr viel breitere Schicht an Internet-Nutzern bei solchen Social-Payment-Diensten registriert sein. Derzeit ist hier vor allem eine mit einem latenten "Nerd"-Schild versehene und sehr technikaffine Internet-Elite unterwegs. Dies schlägt sich leider zum Teil auch noch an den bei Flattr eingestellten Inhalten nieder.

Website-Content: Setzt sich Qualität gegen Quantität durch?

Falls sich solche Bezahlsysteme also - egal ob nun aus Schweden oder den USA - durchsetzen, liegt der Vorteil für die Netzwelt jedenfalls klar auf der Hand: - die Qualität würde hoffentlich steigen. Die Theorie: Nur Content, der wirklich qualitativ hochwertig und interessant ist, also einen Mehrwert für die Lesser bietet, wird von diesen auch honoriert. In Zeiten wo das geschrieben Wort und andere Inhalte im Internet teilweise unterhalb von einstelligen Centbeträgen verramscht werden, ein schöner Gedanke für professionelle Texter und Blogger.

Lohnt sich Flattr überhaupt?

Es lohnt sich also durchaus, sich jetzt schon mit Micropayment auseinanderzusetzen, sich einzulesen oder zu registrieren. Man kann nicht viel verlieren, außer einigen Euros - und eventuell gewinnt man neben neuen Erfahrungen sogar Geld dazu. Ansonsten sollte man auf dem Boden der Tatsachen bleiben und darauf warten, dass sich der Hype, der sich derzeit um die sich etablierenden Social Micropayment-Dienste entwickelt, vielleicht etwas legt und man klarer sieht. Mehrere große Webseiten und Blogs, die Flattr auf ihrem Online-Angebot eingebunden hatten, haben ihre - erstaunlich erfolgreichen - Einnahmen öffentlich gemacht. So nahm die Taz Im Juni 2010 988,50 Euro ein. Das Blog netzpolitik.org generierte Einnahmen in Höhe von 576,53 Euro. Bei diesen berauschenden ersten Zahlen sollte man aber im Auge behalten, dass es sich um meinungsbildende und informierende Webseiten handelt, die schon immer sehr stark von Lesern frequentiert wurden.

Kritik an Flattr & Kachingle

Wer jetzt fröhlich die Buttons auf seiner Webseite oder seinem privaten Blog einbaut, sollte davor gewarnt sein, dass das Finanzamt ein Auge auf ihn werfen könnte. Denn sobald man versucht Einnahmen zu generieren, liegt eine gewerbliche Nutzung vor, die einen Rattenschwanz an weiteren Anforderungen hinter sich her zieht. Zudem werden langsam auch Datenschützer auf die ungenauen Datenschutzbestimmungen bei Flattr und die Nutzung der riesigen Datensammlungen aufmerksam. Bei aller Begeisterung und Sympathie für die neuen Bezahlsysteme sollte man also dennoch ab und an die rosa Brille ablegen und die neuen Dienste durchaus mit einem kritischen Blick bedenken.

Shermin Arif, Fotografin: T. Seifert

Shermin Arif - Shermin: eine deutsch-kurdische Mischung, in Leipzig geboren, aufgewachsen im tiefsten Ruhrgebiet und nach abgeschlossenem Studium ...

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