Fledermaus - Kurioses zum internationalen Tier des Jahres 2012

Wollfledermaus - Michael Schöner
Wollfledermaus - Michael Schöner
Das einzige flugfähige Säugetier bietet viele interessante Facetten. Die Fledermaus als Stickstofflieferant oder als Blutzucker-resistentes Säugetier.

Das Wissen um das Verhalten der verschiedenen Fledermausarten ist noch ein weites Feld. Für den Schutz und die Arterhaltung ist es unbedingt nötig, mehr über diese interessanten Tiere zu wissen. Zum internationalen Jahr 2011/2012 der Fledermaus werden vermehrt interessante Fakten bekannt gemacht.

In Hannover wurde nun erstmals ein Fledermaus-Zentrum eröffnet, ein zentrale Pflege- und Auswilderungsstation für die Flattertiere. Was macht die Fledermäuse so interssant? Lesen sie mehr:

Fledermäuse füttern Pflanzen mit ihrem Kot, wussten Sie das?

Kannenpflanzen (Nepenthes rafflesiana) und tropische Fledermäuse (Wollfledermaus) sind, zu beiderseitigem Nutzen, eine ungewöhnliche Partnerschaft eingegangen.

Damit man das besser versteht, ein paar Informationen zu den Kannenpflanzen: Fleischfressende Pflanzen, dazu zählen die Kannenpflanzen, ernähren sich im Normalfall so: Ein Teil der Blätter ist zu schlauchförmigen Fallen umgestaltet. Die Innenwände sind glatt und in die Kanne geratene Kleintiere, wie Insekten, verlieren den Halt, stürzen in die Tiefe der Kanne und kommen nicht mehr heraus. Am Boden der Kanne wartet der Verdauungssaft, der sie auflöst und aus ihren verwesenden Körpern den wertvollen Stickstoff freisetzt. Dieser gelangt in das Gewebe der Pflanze. Stickstoff ist lebenswichtig für die Pflanzen; sie brauchen ihn unter anderem als Baustein für das Blattgrün.

Forscher der Universität Würzburg haben bei Untersuchungen entdeckt, dass diese Art von Kannenpflanze (Nepenthes rafflesiana) aber den Kot von Fledermäusen als Stickstofflieferant nutzt. Die Beziehung zwischen der Fledermaus Kerivoula hardwickii und der Kannenpflanze Nepenthes rafflesiana hat Grafe zusammen mit den Würzburger Biologie-Studierenden Michael und Caroline Schöner entdeckt, mitbeteiligt waren weiterhin Forscher von den Universitäten Brunei Darussalam und Greifswald.

Die Wollfledermaus und die Kannenpflanze oder die Schöne und das Biest

Wie aber kommen die Fledermäuse auf die aberwitzige Idee ihre Notdurft gerade in einer fleischfressenden Pflanze zu verrichten? Hat die Wollfledermaus ebenfalls einen Nutzen davon oder gefährdet sie sich selbst? Setzt sie sich an den Kannenrand quasi als Abort-Häuschen?

In der Natur gibt es nichts, was nicht Sinn macht. Wie kommt also die Schöne, die kleine Fledermaus, zu ihrer innigen Beziehung zum Biest, der fleischfressenden Pflanze?

Die besondere Zusammenarbeit Kannenpflanze – Wollfledermaus

Die Größenverhältnisse stimmen. Die Kannen dieser Nepenthes-Art werden bis zu 25 Zentimeter lang und der Durchmesser liegt bei vier bis fünf Zentimetern. Die Kleine Wollfledermaus hingegen ist nur drei bis sechs Zentimeter groß und benutzt, kein Scherz, die todbringende Kanne der Pflanze als - Schlafplatz. Der Daumen einer Fledermaus hat eine Kralle, mit der die Fledermaus klettern und sich fest hängen kann. Zum Ruhen hängt sich eine Fledermaus typischerweise kopfunter an Mauervorsprünge oder Balken. In diesem Fall ist der Balken der Rand der Kannenpflanze. Meistens befindet sich ein einziges Tier in einer Kanne, hin und wieder auch ein Muttertier mit Säugling. Nachdem der Säugling am Bauchfell der Mutter oder am Rücken festgekrallt ist, besteht auch hier keine Gefahr des Abstürzens in den Kannenboden.

Quasi als Quartiergeld hinterlässt die Fledermaus der Pflanze ihren Kot. "Rund 34 Prozent des Stickstoffs, der sich in den Blättern der Pflanze befindet, stammt aus dem Fledermauskot", schätzen die Wissenschaftler.

Kot der Fledermäuse als Stickstoff-Quelle – Co-Evolution, ja oder nein?

„Die Kannen von Nepenthes rafflesiana sind ziemlich schlechte Fallen“, erklärt Dr. Ulmar Grafe. Denn sie bilden im Vergleich zu anderen Arten sehr wenig Verdauungsflüssigkeit und kaum Duftstoffe, die Insekten anlocken.“ Ob es sich hier also um eine sogenannte Co-Evolution von Fledermäusen und Kannenpflanzen handelt, wird durch die Würzburger Forscher weiter verfolgt. „Vermutlich haben zuerst die Fledermäuse die Kannen aufgesucht – als Notlösung, denn Schlafplätze sind begrenzt im Regenwald“, erklärt Grafe. Denkbar ist, dass daraufhin die Pflanzen nicht mehr ausschließlich auf Insekten angewiesen waren und deshalb die Produktion von Duftstoffen und Verdauungssaft reduziert haben.

Dass sich ein Säugetier mit einer fleischfressenden Pflanze zusammentut, war bisher nur in einem einzigen anderen Fall belegt: Die Kannenpflanze Nepenthes lowii lockt Spitzhörnchen an, die von ihrem Nektar trinken. Dabei sitzen die Tiere auf der Kanne und benutzen sie bisweilen ebenfalls als Toilette. Kannenpflanzen sind also keine Gourmets.

Quelle: „A novel resource-service mutualism between bats and pitcher plants”, Ulmar Grafe, Caroline R. Schöner, Gerald Kerth, Anissa Junaidi & Michael G. Schöner, Biology Letters (Januar 2011)

Nektar und sein Zuckergehalt: Warum erleiden Fledermäuse keinen Zuckerschock?

Kein anderes Säugetier der Welt kann Nahrung so schnell dem Körper verfügbar machen wie die Blumenfledermaus. Ihre einzige Energiequelle ist Zucker, den sie aus dem Nektar von Blüten gewinnt. Glossophaginae, auch als Blumen- oder Langzungenfledermäuse bezeichnet, sind eine Unterfamilie der Blattnasen (Phyllostomidae).

Blumenfledermäuse in den Tropen ernähren sich vorwiegend von Nektar, den sie mit ihren langen Zungen aus Blüten lecken. Der Nektar besteht oft zu mehr als zwanzig Prozent aus Zucker. Übermäßiger Zuckerkonsum gilt nicht nur für Menschen als ungesund: Ein zu hoher Blutzuckerspiegel kann Krankheiten (Diabetes) verursachen und allgemein die Lebenserwartung verkürzen. Die nur zehn Gramm schweren Blumenfledermäuse dagegen sind bei dieser „ungesunden“ Nahrung nicht nur topfit, sondern auch noch besonders langlebig. Sie können über zehn Jahre alt werden.

Bewegung gegen Zucker - ist das die Lösung des Problems?

Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung machten sich auf die Suche. Sie fütterten die Tiere mit Glukoselösungen. Der Blutzuckerspiegel stieg kurzzeitig stark an, aber durch reges Herumfliegen sank der Blutzuckerspiegel schließlich wieder auf normale Werte herab (unter 10 Millimol pro Liter Blut). Die Tiere regulieren offensichtlich ihren Blutzuckerspiegel über ihre körperliche Aktivität. Die hohe Aktivität der Fledermäuse wiederum ist auch für die Pflanzen positiv, weil dadurch die Fledermäuse mehr Pflanzen bestäuben und den Pollen über größere Distanzen tragen können.

Vergleichende Studien an anderen nektarfressende Tieren, wie den Kolibri, sollen weitere Erkenntnisse über die Regulation des Blutzuckers bringen und möglicherweise Aufschlüsse zum Entstehen von Diabetes.

Quelle: Detlev Kelm, Veröffentlichung in "Proceedings of the Royal Society B".

Entstanden sind die ersten Fledermausarten im Eozän vor 55 Millionen Jahren (siehe Fossil aus der Grube Messel).

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Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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