In den Industrie- und Schwellenländern hat längst eine enge Verzahnung des alltäglichen Lebens mit neuen Technologien stattgefunden. Der Mensch macht sich Hightech unter anderem in der Forschung, Entwicklung, Produktion und der sozialen Interaktion zunutze. Viele Anregungen finden Wissenschaftler dabei in der Natur mit ihren vielfältigen Arten und Lebensformen. Technische Finessen und Tricks einiger Tiere und Pflanzen dienen bei der Entwicklung oftmals als Vorlage für neue Innovationen und inspirierten Wissenschaftler und Techniker zu immer ausgefalleneren Ideen. Roboter sollen in Bewegungen und Interaktion dem Menschen immer ähnlicher werden und ihm in vielerlei Hinsicht zu Nutze sein. Einige Forscher aus dem Fachbereich der Robotik verfolgen zusätzlich das Ziel, die Maschinen vom Menschen unabhängig zu machen. Ein Kreislauf soll geschaffen werden, dass die Roboter selbst Energie produzieren, durch die sie sich auf eigene Faust immer weiter antreiben können. Handelt es sich dabei um bloße Zukunftsmusik oder ist die Wissenschaft bereits auf dem Weg zum Perpetuum Mobile?

Slugbot - Schneckenbekämpfer mit Greifarm

Bereits 1999 entwickelte ein Team um Ian Kelly an der Universität von West-England eine Maschine, die sich mit Hilfe von Schnecken selbst ernährt. Slugbot sollte die Schädlinge von den Pflanzen pflücken, um der damals grassierenden Plage Einhalt zu gebieten. Da Schnecken nachtaktiv sind, erhielt Slugbot mehrere Infrarot-Sensoren, mit deren Hilfe er die Tiere auch bei Nacht aufspüren konnte. Ausgestattet mit einem 1,80 Meter langen Greifarm und einem eingebauten GPS-System, um Hindernisse umfahren zu können, fing der Roboter die Schnecken und schmiss sie in einen Behälter. Dort vergoren die Weichtiere, wodurch Biogas produziert wurde, das wiederum den Roboter antrieb. Die nur cirka 45 Zentimeter große Maschine war in der Lage, an die 100 Schnecken pro Stunde einzusammeln, eine beachtliche Leistung. Da die Methanerzeugung allerdings viel zu langsam vonstatten ging, konzentrierten sich die Forscher auf andere Formen der Energiegewinnung und stießen auf die Zersetzung von Fliegen.

Eco Bot II - Helfende Hand für gefährliche Einsätze

2004 wurde an der University of the West of England (Bristol) ein Roboter entwickelt, der sich selbst Energie zuführen konnte. Mit Hilfe von Sensoren tastete sich die Maschine auch in unwegsamem Gelände voran, beispielsweise in Gegenden, die für den Menschen zu gefährlich sind. Für einen längeren Einsatz war es wichtig, dass der Roboter auch ohne Batterieantrieb vorankommen konnte. Zu diesem Zweck haben die Forscher um Chris Melhuish acht Brennstoffzellen in den Roboter eingebaut, in deren Innern Klärschlamm enthalten war. Der Schlamm sollte durch seinen Geruch Fliegen anlocken. Fielen die Insekten in den Behälter, wurden ihre Chitinpanzer durch Bakterien zersetzt. Die dabei frei werdenden Zuckermoleküle waren in der Lage, Strom zu produzieren, wodurch der Roboter weiter angetrieben wurde. Acht große Fliegen reichten aus, um den Eco Bot II fünf Tage lang in Schwung zu halten, seine Spitzenleistung betrug allerdings höchstens bis zu zehn Zentimeter Fortbewegungsradius pro Stunde. Bisher war es jedoch noch nicht gelungen, den Roboter wirklich autark agieren zu lassen, er musste mit toten Fliegen von Menschenhand gefüttert werden.

Carnivorous Domestic Entertainment Robots - fleischfressende Möbel

Die zwei britischen Designer James Auger vom Royal College of Art in London und sein Partner Jimmy Loizeau widmeten sich 2008 einem Aufsehen erregenden Experiment. Sie kreierten Roboter, die Design und Botanik symbiotisch miteinander vereinten. Ein wichtiges Ziel bestand darin, dass der Roboter sich nützlich macht, dabei aber völlig autark, also vom Menschen unabhängig agieren kann. Als Vorbild dienten den Künstlern unter anderem fleischfressende Pflanzen. Produktdesign, Biologie und Bildende Kunst wurden zu einem Gesamt-Kunstwerk verschmolzen. Zu sehen waren diese Hybriden zwischen Lebewesen und Maschinen im Rahmen des "transmediale Award 2010". Im Haus der Kulturen der Welt wurden die "Carnivorous Domestic Entertainment Robots" einem breiten Publikum vorgestellt, das oftmals mit einem Schaudern durch die Ausstellung lief.

Flypaper Robotic Clock - Insekten vertilgende Uhr

Ein langsam rotierender Riemen, der mit einer klebrigen Substanz bestrichen ist, lockt Fliegen und andere Insekten an. Diese können sich nicht lösen und werden mittels eines Spachtels am unteren Ende abgeschabt, so dass sie in einen kleinen Behälter fallen, der als Brennstoffzelle dient. Im Inneren des Gefäßes befindet sich eine mikrobische Flüssigkeit, in der die Insekten zersetzt werden, wodurch eine chemische Reaktion erzeugt wird. Freie Elektronen und Wasserstoff-Ionen entstehen, die genutzt werden können, um elektrische Geräte anzutreiben, in diesem Fall zum Antrieb des Bandes und der digitalen LCD-Uhr.

Coffee Table Robot - Tisch als Mausefalle

Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein normaler Tisch, aber dieses Möbelstück weist ein besonderes Merkmal auf, es fungiert zugleich als Mausefalle. Krümel, die nach dem Essen nicht entsorgt wurden, dienen als Köder für die Mäuse. Die Tiere klettern durch ein Loch in ein bestimmtes Tischbein, in dem sich unter anderem eine Falltür befindet. Mittels Sensor öffnet sich die Falltür, das Tier fällt durch die Öffnung in eine mikrobische Flüssigkeit. Ähnlich wie bei der Flypaper Robotic Clock wird die Maus in der Flüssigkeit verdaut, um einen energetischen Prozess frei zu setzen. Durch die gewonnene Energie werden der Sensor, die Falltür und eine LED-Anzeige betrieben.

Lampshade Robot - Tischleuchte als Insektenfalle

Diese Lampe strahlt in der Nacht ultraviolettes Licht aus, wodurch Insekten angelockt werden. Verirren sich die Tiere in das Innere des Lampenschirms, fallen sie in eine Treibstoffzelle und werden dort verdaut. Durch den Zersetzungsprozess wird Energie freigesetzt, die wiederum zum Antrieb der ultravioletten LEDs genutzt wird. Der Kreislauf setzt sich aufs Neue in Gang, sobald es dunkel wird.

In unseren Alltag haben diese Möbel und Roboter jedoch noch keinen Einzug gehalten. Es handelt sich dabei nur um Prototypen, die eher der Forschung und Diskussion dienen. In den vergangenen Jahren gab es denn auch kaum neue Objekte, die vorgestellt wurden. Mit "Chew-Chew", einem Roboter, der in der Lage ist, mit Hilfe von Escherichia-Coli-Bakterien Zucker in elektrische Energie umzuwandeln, fand die Präsentation von sich selbst ernährenden Robotern im Jahre 2000 vorerst denn auch ein Ende. Noch sind die Maschinen allgemein nicht in der Lage, genügend Energie zu erzeugen, um sich selbst dauerhaft ausreichend versorgen zu können.

Quellen: