Fleischkonsum und Gesundheit – wieviel Fleisch sollte man essen?

Darf´s a bisserl mehr sein? Fleisch und Gesundheit - Reiner Rosenwald/pixelio
Darf´s a bisserl mehr sein? Fleisch und Gesundheit - Reiner Rosenwald/pixelio
Ein Stück Lebenskraft oder schlicht totes Tier? Beim Fleisch scheiden sich die Geister. Fakten über Fleisch und Gesundheit sowie Folgen des Fleischkonsums.

Kaum lässt der Frühling sein blaues Band durch die Lüfte flattern, ziehen auch die Grillschwaden wieder über das Land. Der Deutsche verwandelt sich: Erst zaghaft, dann zunehmend euphorisch wagt er sich nach draußen an die frische Luft. Vergessen sind Wintermief und Stimmungstief: Man trifft sich. Allerorten brutzeln jetzt Steaks und Würstchen über dem Feuer, kühne Diätvorhaben werden mit einem kühlen Schluck Bier verabschiedet und lautes Gelächter durchbricht die Abenddämmerung.

Keine Frage: Das Grillen gehört für viele zum Frühling und Fleisch zu einer vollwertigen Mahlzeit. Doch wie verträgt sich die archaische Fleischorgie mit dem modernen Gesundheitswahn? Wie gesund ist Fleisch wirklich, und welche Folgen hat der steigende Fleischkonsum für unseren Planeten? Ein kritischer Blick auf das tägliche Fleisch.

Der Fleischkonsum in Deutschland

Fassen wir den Fleischkonsum zunächst in Zahlen: Laut Statistik verspeist jeder Bundesbürger über 60 Kilogramm reines Fleisch im Jahr. In den meisten Bilanzen werden allerdings Sehnen und Knochen hinzugezählt, das machte 2008 exakt 88,5 Kilogramm – gegenüber dem Vorjahr ein leicht abnehmender Konsum, der allerdings immer noch deutlich über dem von 2006 (84,8 Kilogramm) lag. Insgesamt steigt der Verbrauch: 1961 aß der Deutsche durchschnittlich nur 64 Kilogramm Fleischwaren. Die größten Fleischesser in Europa sind übrigens Dänemark und Spanien. Sie kann nur noch das Land der Extreme toppen: In den USA liegt der Fleischkonsum bei 123 Kilogramm pro Kopf (inklusive Säuglinge, Vegetarier und zahnlose Greise) und Jahr. Apropos Staaten – im letzten Jahr machte eine amerikanische Studie kräftig Furore.

Fleisch essen und Gesundheit - wieviel Fleisch ist gesund?

Über eine halbe Millionen Teilnehmer zwischen 50 und 71 Jahren, zehn Jahre Beobachtungszeit: Die Studie des Nationalen Gesundheitsinstituts der USA scheute keine Mühen und Kosten, Licht in die Ernährungsgewohnheiten ihrer Bürger zu bringen. Das Ergebnis: Ein hoher Konsum von rotem Fleisch (Schwein, Rind und Schaf) erhöht die Sterblichkeit durch Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen gegenüber einem niedrigen Konsum um mehr als 30 Prozent.

Nun kann man infrage stellen, inwieweit diese Ergebnisse auch in unseren Breitengraden Gültigkeit haben – schließlich unterscheiden sich die Koch- und Eßgewohnheiten hierzulande von denen jenseits des großen Teichs. Eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums kommt allerdings zu einem ähnlichen Schluss: Vegetarier besitzen gegenüber durchschnittlichen Fleischessern ein halb so großes Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte sowie ein um 25 (Frauen) bis 50 (Männer) Prozent geringeres Darmkrebsrisiko. Darüber hinaus erkranken sie seltener an Durchblutungsstörungen und Bluthochdruck. Fakt ist zudem, dass maßloser Fleischkonsum ein häufiger Auslöser für Krankheiten wie Übersäuerung, Gicht und Diabetes ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb lediglich 300-600 Gramm Fleisch, der Welt-Krebsforschungsfond maximal 300 Gramm rotes Fleisch in der Woche zu essen (derzeitiger Konsum: circa 1,5 Kilogramm/Woche!).

Der Nährwert von Fleisch - Eiweiß, Eisen und Co.

Beißt sich Fleisch nun mit einer gesunden Ernährung? Ja und nein. In Massen genossen ist Fleisch alles andere als gesund, in Maßen kann es zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen. In erster Linie liefert es Eiweiß und Eisen, darüber hinaus B-Vitamine, Vitamin A und D sowie Mineralien. Allerdings können alle diese Nährstoffe von Fleisch auch problemlos durch pflanzliche Lebensmittel aufgenommen werden – abgesehen von Vitamin D, das der Körper jedoch bei ausreichend Sonnenlicht selbst produziert, und Eisen: Vor allem Frauen sollten bei einer strengen vegetarischen Ernährung entsprechende Präparate zu sich nehmen. Negativ wirken sich die im Fleisch enthaltenen gesättigten Fettsäuren auf den Organismus aus.

Die ökologischen Folgen des globalen Fleischkonsums

Gravierend sind die ökologischen Folgen des Fleischkonsums: Sollte sich die von der Welternährungsorganisation FAO aufgestellte Prognose einer Verdoppelung der Fleischproduktion bis 2050 bewahrheiten, steuert die Menschheit auf ein ökologisches Desaster zu. Bereits jetzt trägt die globale Viehwirtschaft mit 18 Prozent der Treibhausgas-Emissionen mehr zum Klimawandel bei, als der gesamte Verkehr dieser Welt. Neben der Atmosphäre werden jedoch auch Böden und Gewässer massiv belastet: Durch Ammoniak aus der Gülle, durch Dünge- (Stickstoffe und Phosphate) und Pflanzenschutzmittel aus der Futterproduktion. Hinzu kommen die Vernichtung der letzten Regenwälder für Rinderherden und Sojafelder sowie der Verlust großer Flächen durch Bodenerosion.

Der Flächenverbrauch der Viehwirtschaft

Denn bevor all das Vieh wohl portioniert auf unseren Tellern landet, braucht es eine Menge Platz: Die weltweit 20 Milliarden Nutztiere beanspruchen ein Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche für den Futteranbau und ein Viertel der eisfreien Landfläche als Weiden. Dieser enorme Flächenverbrauch hat nicht nur aus ökologischer Sicht katastrophale Folgen – er steht auch einer ausreichenden Nahrungsproduktion entgegen.

Fleischkonsum und Welthunger

Gentechnik gegen den Welthunger? Blanker Hohn – die sich als Weltverbesserer darstellende "Grüne" Gentechnik füllt lediglich die Taschen großer Saatgutkonzerne, nicht die Mägen der Hungernden. In Wirklichkeit würden bereits ein bisschen mehr Verteilungsgerechtigkeit und etwas weniger Fleischgier die globale Ernährungssituation verbessern: Es ist genug für alle da. Zum einen könnte man auf der Fläche, die für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch benötigt wird, im selben Zeitraum 200 Kilogramm Tomaten oder 160 Kilogramm Kartoffeln ernten. Zum anderen landen bisher rund die Hälfte der weltweiten Getreideproduktion sowie 90 Prozent der Sojaproduktion in (überwiegend westlichen) Futtertrögen.

Wieviel Fleisch sollte man essen?

Fazit: Fleisch ist nicht per se ungesund, in regelmäßig größeren Mengen jedoch bedenklich. Davon abgesehen schadet es dem Klima und der Umwelt, verschärft die Nahrungsmittelknappheit und heizt dadurch den Welthunger an. Von der grausamen Praxis der Massentierhaltung mal ganz zu schweigen. Muss man deshalb ganz auf Fleisch verzichten? Nein. Es spricht allerdings auch nichts dagegen: Immerhin wurde von einem großen Vegetariersterben bisher noch nichts publik – im Gegenteil, viele Prominente und Sportler beweisen, dass man auch ohne Fleischdoping erfolgreich sein kann.

Damit zurück zur Titelfrage: Wieviel Fleisch sollte man essen? Die Antwort darauf bleibt jedem selbst überlassen. Als Carnivore sollte man seinen Fleischkonsum jedenfalls kritisch überdenken. Weniger ist mehr, und der gelegentliche Verzehr eines Stückes Biofleisch verspricht nicht nur mehr Qualität als das tägliche Billigfleisch, er kommt neben Tier und Natur auch der eigenen Gesundheit zugute.

Bildquelle: www.pixelio.de

© Reiner Rosenwald/Pixelio.de

© Kerstin Nimmerrichter/Pixelio.de

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Thomas Sedlmeyr, Thomas Sedlmeyr

Thomas Sedlmeyr - Studium der Deutschen Literaturwissenschaft, Geschichte und Ethnologie in Augsburg. Seit 2008 arbeite ich als freier Autor und ...

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