
- Schrotpatronen im Patronenlager einer Flinte - Volker Wollny
Eine Flinte verschießt Schrot und eine Büchse Kugeln. In der Alltagssprache wird das aber manchmal durcheinander gebracht und daher kann ein Journalist schon einmal schreiben, dass dem Jäger ein kapitaler Hirsch vor die Flinte gelaufen sei. Dem Laien fällt das meist nicht auf, aber vor Eingeweihten macht sich ein solcher Schreiberling lächerlich und zeigt, dass er schlecht recherchiert hat. Wie unterscheiden sich nun aber Flinte und Büchse? Und warum schießt man einen Hirsch nicht mit der ersteren?
Unterschiedliche Läufe bei Flinte und Büchse
Im Grunde ist der Unterschied ganz einfach zu erklären: Ein Flintenlauf ist im Prinzip ein ganz einfaches, innen glattes Rohr. Daraus verschießt man Schrot, also eine Portion mehr oder weniger kleiner Kugeln, die früher aus Blei, heute aus Umweltschutzgründen oft auch aus Weicheisen oder Wismut sind.
Ein moderner Flintenlauf ist nun oft nicht wirklich nur ein ganz einfaches Rohr, sondern er verengt sich an der Mündung. Das hat aber nichts mit dem Prinzip des glatten Laufes zu tun. Diese Verengung, die man als Choke oder Würgebohrung bezeichnet, soll das Verhalten der Schrotgarbe beeinflussen: Je nach der Ausführung des Chokes öffnet sich die Schrotgarbe nach dem Verlassen des Laufes schneller oder weniger schnell. Was für eine Würgebohrung man wählt, hängt von der Entfernung ab, auf die man schießen will.
Ein Büchsenlauf hingegen ist immer gezogen. Das bedeutet, dass in ihn Nuten eingearbeitet sind, die einen leichten Drall haben, etwa wie ein Gewinde mit einer sehr großen Steigung. Diese Nuten nennt man Züge, die dazwischen liegenden Teile der Laufinnenwand Felder. Aus solchen Läufen verschießt man Einzelgeschosse, die auch heute noch oft als Kugeln bezeichnet werden.In Wirklichkeit ist eine solche Kugel jedoch heutzutage ein angespitzter Zylinder.
Im Gegensatz zu einer „echten“ Kugel kann man ein solches Geschoss nicht aus einem glatten Lauf verschießen. Es würde auf seinem Flug ins Trudeln kommen und überall hin, nicht jedoch ins anvisierte Ziel fliegen.
Was die Züge eines Büchsenlaufes bewirken
Deswegen gibt es die Züge: Das Geschoss ist ein Kleinigkeit größer, als der Innendurchmesser des Laufes, das so genannte Feldkaliber. Deswegen muss es sich in die Züge einpressen, wenn es durch den Lauf getrieben wird. Der größere Durchmesser, das Zugkaliber, das Feldkaliber und der Geschossdurchmesser sind so bemessen, dass das Material, das verdrängt werden muss, damit die Kugel durch das Feldkaliber geht, genau in die Züge hineinpasst. Dadurch schließt das Geschoss im Lauf dicht ab und die Pulvergase treiben es hindurch, anstatt an ihm vorbei zu zischen.
Da die Züge aber den bereits erwähnten Drall haben, versetzen sie das Geschoss in Drehung, wenn es durch den Lauf gepresst wird. Diese Drehung stabilisiert die Lage des Geschosses. Als rotierender Körper stellt es nämlich einen Kreisel dar, der bekanntlich seine Lage nicht gerne verändert. So wird verhindert, dass das Geschoss sich unterwegs überschlägt und dadurch ungenau fliegt.
Was schießt man mit der Flinte und was mit der Büchse?
Mit einer Flinte schießt man auf kleine, in der Regel bewegliche Ziele wie auf Hasen, Kaninchen und Rebhühner. Da die Schrotgarbe recht groß ist, muss man sie damit nicht so genau treffen und erzielt trotzdem eine tödliche Wirkung Der Nachteil: Das klappt nur auf eine relativ kurze Entfernung 35, äusserstenfalls 50 Meter sind die größte Entfernung, auf die man mit Schrot schießen kann.
Mit der Büchse hingegen schießt man auf größere Ziele, die normalerweise still stehen. Man muss dabei aber genau treffen, um das Stück möglichst augenblicklich zu töten. Die Büchse dient der Jagd auf größeres Wild. Schalenwild, also solches Wild, das Hufe hat, darf man nur mit der Büchse schießen. Ein Jäger, dem also tatsächlich ein Hirsch vor die Flinte läuft, muss „den Finger.gerade lassen“, denn wenn er mit Schrot auf ihn schießen würde, würde er sich strafbar machen.
Zum Weiterlesen: Ausführlichere Artikelreihe über Jagdwaffen
