Flinte, Schrot und Flintenlaufgeschosse

Schrot-, FLG- und Büchsenpatrone - Volker Wollny
Schrot-, FLG- und Büchsenpatrone - Volker Wollny
Aus einer Flinte kann man nicht nur Schrot, sondern auch Flintenlaufgeschosse verschießen.

Wie im Artikel des Autors über „Büchse oder Flinte“ bereits erklärt, verschießt man aus einer Flinte vor allem Schrot. Man verwendet sie auf kurze Entfernungen und für kleines, sich meist bewegendes Wild, welches in der Jägersprache als Niederwild bezeichnet wird.

Rätselhafte Angaben bei Flintenkalibern

So wie bei Büchsen auch, gibt es bei Flinten unterschiedliche Kaliber, deren Bezeichnungen dem Laien Rätsel aufgeben: Je größer die Zahl ist, mit der ein Flintenkaliber bezeichnet wird, um so kleiner ist der Durchmesser des Laufes. Das liegt jedoch ganz einfach daran, dass hier hinterhältigerweise der Zähler und der Bruchstrich eines Bruches unterschlagen werden: Die Kaliberangabe ist in Wirklichkeit ein Bruch, der im Zähler eine Eins stehen hat. Das 12er Kaliber müsste also 1/12 heißen und das 16er 1/16. Und wie man aus der Schule weiß, wird ein Bruch kleiner, wenn die Zahl in seinem Nenner größer wird.

Tatsächlich bedeutet die Angabe „Kaliber 12“ bei einer Flinte, dass ihr Laufdurchmesser so groß ist, dass eine Bleikugel hineinpasst, welche 1/12 englisches Pfund wiegt. Man könnte zu einer solchen Flinte also auch „Zwölftelpfünder“ sagen. Analog dazu passt durch den Lauf einer 16er Flinte eine sechzehntelpfündige Bleikugel und durch den einer der sehr seltenen 10er Flinten eine zehntelfpfündige.

Offensichtlich stammt diese Art, das Kaliber anzugeben, noch aus der Zeit, als man runde Bleikugeln aus glatten Läufen verschoss. Aus solchen Läufen konnte man wahlweise Schrot oder Kugel verschießen, manchmal wurde auch mit beidem gleichzeitig gestopft, zum Beispiel wenn Jäger und Wilderer mit den Eisenwaren aufeinander losgingen. Mit der Erfindung der gezogenen Läufe teilten sich die Gewehre dann in Büchsen und Flinte auf, wobei letzterer eben bis heute die alte Art geblieben ist, das Kaliber anzugeben.

Schrotgrößen und Ladungsmengen

Je nachdem auf was für Wild man schießen will, kann man unter verschiedenen Schrotgrößen wählen.Die Gesamtmasse der Schrotladung in einer Schrotpatrone ist dabei bei einer Patronensorte immer die gleiche. Bei gröberem Schrot sind weniger Schrotkörner in der Patrone, bei feinerem mehr. Ganz grobes Schrot bezeichnet man übrigens als Posten.

Jagdpatronen enthalten mehr Schrot als Sportpatronen. Möglicherweise will man damit erreichen, dass der Rückstoß der Flinte nicht so groß ist, denn beim Flintensport gibt man viele Schüsse recht schnell hintereinander ab. Vielleicht auch, damit das Treffen der Tontaube – oder wie man heute sagt: Wurfscheibe – etwas schwieriger wird.

Manche Jäger nutzen das aus, wenn sie an jagdlichen Schießwettbewerben teilnehmen. Sie mogeln, indem sie statt Sportpatronen Jagdpatronen laden. Durch die größere Anzahl der Schrotkörner vergrößert sich dabei die Chance, die Tontaube zu treffen. Gute Kampfrichter merken das jedoch, denn der Schuss klingt anders, wenn eine Jagdpatrone statt einer für das sportliche Schießen im Lauf steckt.

Die Größe der Schrotkörner wird bei uns heutzutage in Millimeter angegeben. Früher hatten die einzelnen Größen Nummern, wobei es zu allem Überfluss auch noch ein deutsches und ein englisches System gab. Welche Schrotgröße man nun jeweils bei der Jagd wählt, hängt von der Wildart ab, auf die es gehen soll. „Härteres“, also widerstandsfähigeres Wild schießt man mit gröberem Schrot als „weiches“. Außerdem wählt man das Schrot bei Haarwild im Winter gröber als im Sommer, weil der Winterbalg dicker ist und besser schützt.

Flintenlaufgeschosse

Es kann nun passieren, dass man nur eine Flinte dabei hat und auf Wild stößt, das man mit der Kugel schießen muss. Für diesen Fall gibt es Flintenlaufgeschosse, kurz auch als FLG bezeichnet, die einen notdürftigen Kugelschuss aus der Flinte ermöglichen. Ein solches Flintelaufgeschoss ist nichts anderes als ein kalibergroßer Bleizylinder mit einer kleinen Spitze, an dem hinten ein Filzpfropfen angebracht ist.

Dieser Filzpfropfen dient vor allem dazu, das Flintenlaufgeschoss zu stabiliseren, da es ja nicht wie ein richtiges Büchengeschoss durch Drall stabilisiert wird. Durch den leichten Filz am hinteren Ende fliegt es wie ein Wurfpfeil immer seinem schwereren Ende nach. Das Flintenlaufgeschoss ist jedoch nur ein sehr, sehr dürftiger Ersatz für ein richtiges Büchsengeschoss und darf nur auf kurze Entfernungen verwendet werden.

Volker Wollny, Journalist, Autor und Blogger, Saskia Wollny

Volker Wollny - Tätig als Publizist und Freier Dozent, abgeschlossenes Studium als Ingenieur für Produktionstechnik, Gesellenbriefe im ...

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