
- Flocke und Raspi Kanisterspiel - Caren
Die Eisbärin Flocke wurde am 11. Dezember 2007 von der Eisbärin Vera (Vater Felix) im Nürnberger Zoo geboren. Vera war mit ihren 5 Jahren eine sehr junge Mutter. Einige Wochen kümmerte sich Vera vorbildlich um ihr Junges. Plötzlich wurde sie sehr unruhig. Man vermutet, dass sie von Außerhalb gestört wurde. Sie schleppte das Junge immer wieder aus der Wurfhöhle, ließ es auch wiederholt fallen. Nachdem wenige Tage zuvor auch die Jungen von Wilma, der zweiten Eisbärin, umgekommen waren, entschloss sich am 8. Jänner die Zooleitung der verstörten Vera das Junge weg zu nehmen, um ihm das Leben zu retten.
Handaufzucht Flocke
In Kontakt zu Thomas Dörflein und seinen Erfahrungen machte man sich an die Handaufzucht von Flocke. Da wurden, wie sonst unter Müttern üblich, Babybrei-Rezepte, Pflegeanweisungen, Tipps und Tricks ausgetauscht. Anders als der Zoo Berlin, von dessen Erfahrung mit Knut man dennoch profitierte, entschloss man sich das kleine Eisbärmädchen durch eine Gruppe von Pflegern betreuen zu lassen
Das Team waren die Pfleger Petra Fritz, die auch die ersten Nachtschichten übernahm, Harald Hager, Horst Maußner und Stefanie Krüger. Der Vorteil gegenüber Knut war, dass Flocke bereits die ersten Wochen mit Muttermilch versorgt worden war.
Am 9. April 2008 war Flocke erstmals für die Besucher in ihrem Gehege zu sehen, immer betreut von einem ihrer Pfleger. Ein besonders enges Verhältnis hatte sie zu Stefanie Krüger und Horst Maußner. Flocke wuchs wunderbar heran und musste sich notgedrungen auch von ihren Pflegern abnabeln. Was anfänglich nicht ohne viel Geschrei und Nuckelattacken abging.
Ähnlichkeiten Knut und Flocke
Nicht nur die Handaufzucht ist den beiden Eisbärkindern gemeinsam, auch die Begleitung durch das Fernsehen. Studio Franken und ebenso das Flocke-Blog hielten die Fans der kleinen Eisbärin immer auf dem Laufenden. Auch hier bildete sich eine treue Fangemeinde heraus. Auch hier erwies sich, dass man einem lieb gewonnenen Zootier auch über das erste Kindchenalter hinaus treu bleiben kann.
Rasputin - ein bäriger Gefährte für Flocke
Als Flocke ein Jahr alt war, hatte man einen gleichaltrigen Gefährten für sie gefunden. So trudelte im Dezember 2008 eines Tages ein kostbares Paket aus dem Moskauer Zoo in Nürnberg ein, Rasputin. Nach der ersten Schnupperphase durch die getrennten Gitter startete der Versuch der Zusammenführung. Am 7. Jänner 2009 stand die Feuerwehr parat um eine eventuelle Attacke von dem um einiges kräftigeren Eisbärenjungen abzuwehren, der das Spielen nicht nur mit seiner Mutter sondern auch mit seinem Bruder gewöhnt war. So ein tüchtiger Wasserstrahl aus einem Feuerwehrschlauch kühlt eben nicht nur Feuer, sondern auch mögliche Attacken. Aber Rasputin erwies sich als liebenswerter Bär.
Spielzeug für Eisbären
Rasputin, der das natürliche Areal in Flockes Gehege wunderbar fand, entwickelte sich zum Oberförster. Er bearbeitete die kleineren Bäume allerdings so stark, dass man sie schlussendlich mit einer Umzäunung vor ihm schützen musste. In den nächsten Wochen und Monaten wurde mit blauen Plastiktonnen, mit Kanistern, mit Bällen gespielt, dass es eine wahre Freude für die Besucher war. Der Gummireifen, mit dem besonders Raspi gerne spielte, erwies sich manchmal als tückisch, denn Rasputin fraß sich ein Speckbäuchlein an und blieb wiederholt darin stecken. Bei ihm wurde der Schwimmreifen um die Taille also wörtlich genommen.
Abschied und doch ein Happyend
Rasputin sollte eigentlich nur ein Jahr bei Flocke bleiben und dann weiter nach Madrid gehen. Doch die Pläne wurden geändert. Zum Wohle der Tiere entschied man sich die beiden Jungbären, die sich so wunderbar vertragen, zusammen zu lassen. So wird Rasputin zwar den Zoo Nürnberg im Februar verlassen, doch Flocke begleitet ihn. Gemeinsam gehen sie nach Marineland in Antibes, wo extra für die Eisbären ein den arktischen Temperaturen angepasster Bereich gebaut wird. Eine Solaranlage soll die nötige Energie zum Herabkühlen des Meerwassers aufbringen.
Ob die künstliche Kühlung allerdings so eins zu eins mit dem Schutzgedanken für die Umwelt verbindbar ist, darf ein wenig bezweifelt werden. Aber auch wir bieten in unseren Breiten Tropentieren die nötige Wärme in unseren kalten Wintern, also warum nicht einmal umgekehrt gedacht?
Resümee
Durch das Zusammenleben mit Rasputin hat sich Flocke von der Handaufzucht zu einem selbstbewussten Eisbär-Teenager entwickelt. Sie kann sich auch gut gegen den stärkeren Rasputin behaupten. Zwischen beiden Tieren herrscht großes Vertrauen. Inzwischen teilen sie sogar ihr Futter miteinander. Ein Eisbärenpärchen wächst hier heran, das Zooleuten wie Besuchern Freude macht.
Abschied aus Nürnberg
Der Abschied erfolgte am 22. April 2010. Flocke und Rasputin wurden vorab auf die Reise in der Kiste bestens vorbereitet. "Gute Reise, ihr beiden. Ihr seid uns ans Herz gewachsen"
Antibes freut sich auf euch. Hier sind erste Bilder aus Antibes zu sehen.
Update: Heute hat Raspi Geburtstag, ein neues (Juli 2011) Video aus Marineland
