Flop des Klimagipfels blieb Konferenz der Artenschützer erspart

Artenschutz in der Mongolei - (UN Photo/Eskinder Debebe)
Artenschutz in der Mongolei - (UN Photo/Eskinder Debebe)
Die Befürchtung, der jüngste Gipfel zur Artenvielfalt könnte als ebensolches Desaster enden wie die Klimakonferenz in Kopenhagen, war unbegründet.

Nach fast zwei Jahrzehnten zahlloser und hitziger Debatten, einigten sich am 29. Oktober 2010 im japanischen Nagoya die Regierungen der Welt auf einen neuen Vertrag der Vereinten Nationen, der einen gerechteren und systematischeren Umgang mit den reichen genetischen Ressourcen unseres Planeten – von Tieren über Pflanzen bis zu Pilzen – sichern soll.

Die Entscheidung kam nach langem Hin- und Her am letzten Tag einer dreiwöchigen Konferenz der 193 Unterzeichnerstaaten der UNO-Konvention zur Artenvielfalt (CBD) zustande und ersparte damit den Teilnehmern einen ähnlichen Eklat wie auf der Kopenhagener Welt-Klimakonferenz im Dezember 2009, die ohne zählbares Ergebnis blieb.

Der neue Pakt, der als Protokoll in die Konvention zur Biologischen Vielfalt eingeht, begründet ein internationales Regime der gemeinsamen Nutzung genetischer Ressourcen für Nahrungsmittel, medizinische und andere Produkte durch Grundregeln für die Zusammenarbeit beim Einwirken auf die Naturreichtümer.

Antwort auf Verlust von Biodiversität und Ökosystemen

“Das ist ein Feiertag für neue und innovative Antworten auf den alarmierenden Verlust der Artenvielfalt und Ökosysteme, ein Tag der wachsenden Möglichkeiten für das Leben und die Existenzgrundlage der Menschen und zur Überwindung der Armut ebenso wie für die Verwirklichung nachhaltiger Entwicklung”, sagte der Deutsche Achim Steiner, Exekutiv-Direktor des UNO-Umweltprogramms (UNEP).

Unmittelbar nach Annahme des Artenvielfalt-Paktes in Nagoya verwies Steiner auch darauf, dass dieses Ergebnis zeige, wie die Staaten engstirnige Differenzen beiseite schieben können, die noch all zu oft den Blick auf wichigere gemeinsame Themen versperren, die Völker und Nationen vereinen können. Er beglückwünschte die Regierungen zu einer “frischen Vision für intelligenteres Management des Lebens auf der Erde“.

Gerechter Anteil am Gewinn für Herkunftsländer von biologischen Ressourcen

Das Nagoya-Protokoll legt fest wie der ökonomische Nutzen – beispielsweise, wenn das genetische Potential einer Pflanze für kommerzielle Produkte wie Medikamente ausgebeutet wird – mit Ländern und Gemeinden geteilt wird, die jene Ressourcen in manchen Fällen über Jahrtausende hinweg konserviert und kultiviert haben.

Der Vertrag bestimmt ebenfalls, wie die von genetischen Ressourcen gewonnenen Substanzen oder deren Komponenten behandelt werden. Auch die Frage von neuartigen Krankheitserregern und wie die Industriestaaten in Notfällen Viren durch die Entwicklung von Impfstoffen zur Verhinderung von Epidemien begegnen, wird geregelt.

Nationalparks und Meeresschutz werden ausgedehnt

In Nagoya verabschiedeten die Regierungen auch neue Strategien zum Naturschutz, einschliesslich von Zielen, die bis 2020 zur Verhinderung des Artensterbens beitragen sollen.

Die Unterzeichnerstaaten der Biodiversitätskonvention beschlossen, Naturschutzgebiete und Nationalparks von gegenwärtig 12,5 auf 17 Prozent der Erdoberfläche auszuweiten und die geschützte Meeresfläche von derzeit einem auf 10 Prozent zu erweitern. Der Plan fordert auch, bis 2020 das Risiko der Ausrottung der bisher bekannten gefährdeten Pflanzen- und Tierarten zu beseitigen.

Zusammenhalt von Natur und Ökonomie im Fokus

Die wichtigste Errungenschaft des Öko-Gipfeltreffens von Nagoya ist die neue Dimension des Zusammenhalts von Natur und Ökonomie, wie ihn Schwedens Umweltminister Andreas Carlgren in Worte fasste, als er sagte: "Biodiversität ist die Grundlage unserer Wirtschaft und sie kann nicht länger isoliert vom Rest der Ökonomie gesehen werden. Ökonomie und Ökologie sind zwei Seiten derselben Medaille."

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßte das neue Abkommen zur gerechten Teilung des genetischen Reichtums der Erde mit Entwicklungsländern und –gemeinden. Laut Ban sei dies ein entscheidender Schritt zur Erreichung der globalen Entwicklungsziele.

Der Autor an der UNO-Mission in Sierra Leone, Foto: UNIOSIL

Christian Holger Strohmann - Mehr als 20 Jahre lang habe ich für die Vereinten Nationen (United Nations Organisation - UNO) auf allen Kontinenten als Journalist, ...

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