Flora und Fauna im Ruhrgebiet

Heimische Tiere und Pflanzen in Wald, Flur und Gewässern

Karpfen: häufig in den Bottroper Stadtteichen - Marco Müller, Pixelio
Karpfen: häufig in den Bottroper Stadtteichen - Marco Müller, Pixelio
Im Ruhrgebiet gibt es trotz seines Rufs als Industrieregion eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren, auch außerhalb von Wäldern und Naherholungsgebieten.

Selbst Reptilien sind häufig im Ruhrgebiet anzutreffen. Eidechsen und sogar Schlangen halten sich insbesondere im Köllnischen Wald und der Kirchheller Heide in Bottrop auf. Neben den völlig ungefährlichen Blindschleichen ist dort insbesondere als eine der zwei giftigen Schlangenarten in Deutschland die Kreuzotter verbreitet. Ende der 1950er und 1960er Jahre mussten sogar aufgrund einer hohen Anzahl von Kreuzottern teilweise stark frequentierte Spazierwege in der Kirchheller Heide gesperrt werden, um ein mögliches Zusammentreffen zwischen den giftigen Schlangen und Kindern, Pilzsuchern oder Spaziergängern zu vermeiden. Heute sind Kreuzottern dort nur noch vereinzelt anzutreffen.

Laub- und Mischwälder im Ruhrgebiet

Die Stadt Essen, ursprünglich Assnide oder Assindia, hat ihren Namen nicht, wie man vermuten könnte, durch jedwede Form von Nahrung oder Nahrungsaufnahme erhalten, vielmehr bezeichnet der Name eine Eschengegend.

Im Ruhrgebiet gibt es vor allem Laubwälder, wobei am häufigsten Eichen, Kastanien, Ahörner, Birken, Eschen, Buchen und Pappeln verbreitet sind sowie einige importierte Baumarten aus kanadischen und nordamerikanischen Wäldern. In der Kirchheller Heide, in Essen-Kettwig und in Mülheim an der Ruhr sind auch Mischwälder mit Kiefern und Tannen verbreitet, wobei die Laubbäume jedoch deutlich überwiegen.

Heimische Pilz- und Blumenarten

Sofern nicht gerade von Menschen angepflanzt oder gezüchtet, wachsen die nachfolgend aufgeführten Pflanzen im Ruhrgebiet am häufigsten:

  • Schnee- und Osterglocken, Tulpen und Krokusse im Frühjahr
  • Löwenzahn, Pusteblumen
  • Gänse- und Butterblümchen
  • Klee
  • wilde Erdbeeren, sonstige Beeren wie etwa Brombeeren oder Vogelbeeren
  • Fliegenpilze (vor allem auf Halden oder Schlacken)
  • Kartoffel- und Eierbovisten
  • Pfifferlinge (echte sowie auch der falsche Pfifferling)
  • Reizker
  • Knollenblätterpilz
  • Satansröhrling
  • Hallimasch an Baumstümpfen und -stämmen

Die Vogelwelt im Kohlenpott

In großen Parkanlagen und Wäldern finden sich an großen Wegkreuzungen sogar Tafeln, die Auskünfte über die im Ruhrgebiet lebenden Singvögel geben. Am meisten verbreitet sind Meisen aller Art, Grün- und Buntspechte, Bachstelzen, Drosseln, Amseln, Elstern und einige Finkenarten. Während bis in die 1990er Jahre hinein der Spatz noch sehr verbreitet war und es kaum Meisen gab, hat sich das Verhältnis mittlerweile umgekehrt.

Das Konzert der Vögel wird morgens durch einen Laubsänger, nämlich den Zilpzalp, eröffnet. Rotkehlchen und Zaunkönige sind zwar ebenfalls vertreten, jedoch eher selten.

An Greifvögeln sind am häufigsten: Bussard, Sperber, Rabe, Krähe und kleinere Falkenarten. Uhus, Schleiereulen und Waldkäuze leben insbesondere auf Friedhöfen und großen Naturschutzgebieten wie etwa dem Terrassenfriedhof in Essen-Schönebeck mit dem angrenzenden Winkhauser Tal oder dem Südwestfriedhof in Essen-Fulerum, an den das Mühlbachtal angrenzt.

An Wasservögeln finden sich vor allem Stockenten, Schwäne, Blesshühner, Haubentaucher, Kraniche und Fischreiher. Am Baldeneysee im Essener Süden siedeln sich zur Freude vieler Menschen gerade wieder Kormorane an, wobei diese Freude von den am See ansässigen Fischerei- und Angelverbänden nicht geteilt wird, da sie befürchten, dass die Kormorane ihnen den Fang streitig machen.

Möwen finden sich, obwohl im Ruhrgebiet aufgrund ihres hohen Verschmutzungsgrades nicht von Lebewesen bewohnt, vielfach an der Emscher, sie werden aber auch in Innenstädten in der Nähe von Emscherzuflüssen und kleineren Bachläufen gesichtet.

Heimische Fischarten

Sehr häufig in heimischen Flüssen, Seen, Teichen und Kanälen sind Rotaugen, Stichlinge, Welse, Hechte und Karpfen. Speziell in den Bottroper Stadtteichen und im Heidesee in der Kirchheller Heide findet sich eine Vielzahl von Karpfen aller Größen. Welse sind meist in Teichen zu finden, beispielsweise im Ententeich des Revierparks Vonderort in Oberhausen-Osterfeld.

In der Ruhr finden sich neben einigen der oben genannten Fischarten auch Äschen, Forellen und Schmerlen. Barsche und Flussaale sind dort ebenfalls vertreten. Auch im Rhein-Herne-Kanal wurden häufiger Aale gesichtet. Nicht wenigen Menschen, die ihre Füße im Kanal kühlen wollten, fuhr der Schreck in die Glieder, wenn sie im seichten Wasser einen Aal sichteten, der leicht mit einer Wasserschlange hätte verwechselt werden können.

Die Emscher und ihre Ufer als Lebensraum

Da die Emscher aufgrund ihres starken Abwassergeruchs insbesondere an warmen Tagen nicht so stark für Freizeitzwecke frequentiert wird wie etwa die Ruhr oder der Rhein-Herne-Kanal, halten sich an ihren Ufern vor allem Wildkaninchen auf, da diese kaum von Menschen frequentiert werden. Ähnliches gilt für Brachflächen auf Friedhöfen und anderen Grünanlagen.

Gerade im Frühjahr ziehen die Schäfer mit ihren Tieren die Deiche der Emscher und ihrer Nebenflüsse entlang, damit die Schafe das Gras an den Deichen abmähen.

Es fällt auf, dass viele Bäume, die sich in unmittelbarer Nähe der Emscher befinden, trotz entsprechend hohen Lebensalters und ihrer sonstigen Durchschnittsgröße oft relativ klein bleiben. Dies kann durch eine mögliche Verseuchung der Böden mit Schwermetallen zu erklären sein, wie es auch an anderen Stellen im Ruhrgebiet vorkommen kann (Halden, Schlacken, ehemalige Fabrikgelände).

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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