Florenz - die Medici-Herrschaft und ein Blick in die Moderne

Statue in der Loggia dei Lanzi - Sebastian Buchner
Statue in der Loggia dei Lanzi - Sebastian Buchner
Mit der Pest endete das Mittelalter und die Renaissance wurde eingeläutet. Geburtsort der Renaissance ist die Stadt Florenz und Geburtsväter sind die Medici

Die Geschichte von Florenz vor der Regentschaft der Medici-Herzöge endete in einer europaweiten Tragödie - der Schwarzen Pest, die im 13. Jahrhundert durch den Kontinent zog. Nach der Tragik schwang sich Europa zu einer nicht dagewesenen Hochblüte auf. Wir wollen nun die Herrschaft der Familie Medici und deren Auswirkungen erkunden.

Rinascento - die Wiedergeburt nach dem Schwarzen Tod

Wir betreten nun eine der wichtigsten Epochen der Kultur- und Geistesgeschichte, nicht nur für Florenz, sondern für den gesamten westeuropäischen Raum. Die Reichhaltigkeit an Kultur, Bildhauerei, Malerei, Literatur und Philosophie war etwas Unerreichtes in der menschlichen Geschichte und je nachdem, welcher Argumentation man folgt, ist sie das bis heute geblieben. Beinahe jeder Name, den man selbst als Laie kennt und mit Kunst in Verbindung bringt, ist unzertrennlich mit dem Florenz der Renaissancezeit verbunden. Leonardo da Vinci, Michelangelo, Brunelleschi, um nur einige zu nennen, lebten und arbeiteten unter der Ägide der Medici in Florenz. Einige der berühmtesten Werke der Kunstgeschichte entstanden in dieser Stadt. Ebenso hatte die Umwälzung der Weltsicht von mittelalterlicher Gottestreue zu dem, was wir heute noch als „neuzeitliches Denken“ bezeichnen, in dieser Stadt und zu dieser Zeit ihren Ursprung. Nach dem Schwarzen Tod war es im wahrsten Sinne des Wortes eine überschwängliche Wiedergeburt. Mit der Einführung von Krediten und anderen Neuerungen im Bankwesen läuteten die Medici ebenfalls eine Veränderung im Bankwesen ein, die bis heute spürbar ist. Kurz, das Quattrocento war eine wegweisende Zeit in der Entwicklung der europäischen Gesellschaft.

Stadtväter, Päpste und Verräter

Die Medici, großzügige Mäzene und gerissene Staatsmänner, werden den meisten ein Begriff sein. Cosimo il Vecchio, sein Enkel Lorenzo, genannt il Magnifico (der Prächtige), Leo X., einer von zwei Medici-Päpsten – alles schillernde oder verachtenswerte Figuren auf der historischen Bühne von Florenz. Die Herrschaft begann mit Cosimo, der allgemein verehrt wurde und auch eine verdient verehrenswerte Figur war, war hauptverantwortlich für das kulturelle und progressive Klima der Stadt. Der prunkliebende Lorenzo führte die Tradition seines Großvaters weiter und hielt die Medici über allen erhaben an der Spitze der Stadt. Sein Sohn Piero hingegen bekam den Beinahmen der Unglückliche, nachdem er, ein durchaus geschickter Bankier, einen politischen Fettnäpfchentanz aufführte. Zuerst brachte er König Karl VIII durch ungeschickte politische Entscheidungen dazu, dass er einen Feldzug gegen Italien begann und als er dann den König dadurch zu beschwichtigen versuchte, dass er ihm eigenmächtig die Festungen und Häfen Pisa und Livorno kampflos überließ, da jagten aufgebrachte Florentiner ihn und seine Familie kurzerhand als Verräter aus der Stadt.

Savonarolas Feuer der Eitelkeiten

Nach der Vertreibung der Medici herrschte wieder Unruhe in der Stadt. Die bedeutendste Persönlichkeit dieser Zeit war der Dominikanermönch Girolamo Savonarola, ein langjähriger Feind und politischer Gegener der Medici. Er hatte seine Unterstützer zur Vertreibung seiner Feinde überredet und wurde dadurch für einige Jahre der mächtigste Mann der Stadt. Er war ein fanatischer Prediger und hieß die Leute zu einem „Feuer der Eitelkeiten“ an, indem er befahl, dass alles an anzüglichen Dingen und alle Symbole der menschlichen Verkommenheit (das heißt nicht-christliche Schriften, Luxusgegenstände, Pornographie, Spiegel, Bilder, verzierte Möbel, Musikinstrumente, Spielkarten und dergleichen „Teufelszeugs“) abgegeben werden musste um dann öffentlich am Piazza della Signoria verbrannt zu werden. Bald aber verlor der fanatische Dominikaner an Einfluss. Franziskaner und selbst Mitglieder seines eigenen Ordens stellten sich gegen ihn, König Karl VIII verweigerte ihm seine Unterstützung, der Papst exkommunizierte ihn und schlussendlich wurde er öffentlich verbrannt und seine Asche in den Arno geworfen.

Ein republikanisches Zwischenspiel

Savonarolas Theokratie folgte eine kurze Episode einer freiheitlich-republikanischen Regierung. Ein Gonfaloniere wurde gewählt – ein Oberhaupt auf Lebenszeiten. Auf dem Papstthron allerdings saß mittlerweile Leo X., ein Mitglied der Familie der Medici, der natürlich erpicht darauf war, seine Familie an ihren rechtmäßigen Reichssitz zurückzubringen. Er deportierte den Gonfaloniere kurzerhand und die Medici konnten heimkehren und herrschen. Auch das währte nur kurz, denn in diese Zeit fällt die Plünderung Roms durch Karl V. und die Florentiner vertrieben die Medici erneut. Wiederum war das nicht von Dauer. Clemens VII. war jetzt Papst und er war – sie mögen es erraten – ein Medici. Alle Träume einer liberalen Regierungsform wurden von Alessandro de' Medici, wegen seiner dunklen Hautfarbe genannt „il Moro“ – der Maure, erstickt. Es herrscht historische Uneinheit darüber ob il Moro tatsächlich der Tyrann war, als den ihn seine Gegner dargestellt haben. Wie viele Medici hatte er erstaunliches politisches Geschick, seine Methoden waren allerdings absolutistisch und brutal. Er wurde von einem entfernten Verwandten ermordet, dem es dann aber nicht gelang, sich damit selbst auf den Thron zu heben. Die Herrschaft fiel an Cosimo den Jüngeren (mit 18 Jahren bei seinem Amtsantritt) – von ihm an regierten die Medici bis ins 18. Jahrhundert.

Napoleon und der Wiener Kongress

Danach gab es eine kurze österreichische Intermission, als Florenz nach dem Tod des letzten Medici Großherzogs an die Habsburger fiel. Napoleon schnappte sich Florenz von den Habsburgern, verlor es unter anderem aber im Wiener Kongress wieder, wo es erneut den Habsburgern zugesprochen wurde. Die Habsburger führten fleißig eine Reihe weitestgehend positiver Reformen aus, mussten aber 1848 den Unabhängigkeitsbestrebungen der Italiener nachgeben und sich besiegt geben. 1861 wurde das Risorgimento ausgerufen und Italien war zum ersten Mal seit dem Römischen Reich wieder eine einzelne Nation.

In der Moderne litt Italien wie ganz Europa unter dem Faschismus. Viele Widerstandskämpfer fanden sich allerdings in Florenz und machten die Stadt zu einem Zentrum ihrer Bewegung gegen Mussolini. Im zweiten Weltkrieg kam es zur deutschen Besatzung und – bis auf die Ponte Vecchio – wurden alle Arno-Brücken gesprengt.

Gucci und mehr

Heute lebt Florenz von seinem Ruf als kulturelle Metropole, es ist zudem eine bedeutende Universitätsstadt in Italien, beherbergt viele Kongresse und ist ein Mode- und Geschäftszentrum. Das Leben um die alten Kunstwerke kann manchmal tumultartig werden wie in den vorangegangenen Jahrhunderten, wenn sich Städte um den Besitz des einen oder anderen Werkes oder die beste Möglichkeit der Renovierung streiten, aber insgesamt gibt es keine andere Stadt auf der Welt, die ein solch reichhaltiges Erbe besitzt und einen solch bedeutenden Platz in der Geschichte einnimmt.

Sebastian Buchner, Sebastian Buchner

Sebastian Buchner - Mein Name ist Sebastian Buchner, ich lebe derzeit in Niederösterreich. Ich habe Kunstgeschichte in Wien studiert und arbeite derzeit ...

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