Flüchtlinge weltweit 2010

Die meisten Flüchtlinge stammen aus Afghanistan - Detlev Beutler  / pixelio.de
Die meisten Flüchtlinge stammen aus Afghanistan - Detlev Beutler / pixelio.de
Mehr als 43 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. 4 von 5 leben in Entwicklungsländern. Industrienationen sind in der Bringschuld.

Die aktuellsten Zahlen sprechen von rund 43 Millionen Menschen auf der Flucht. Das entspricht etwa der Bevölkerung von Südkorea. Davon sind rund 15 Millionen Flüchtlinge. Etwa 27 Millionen sind sogenannte Binnenvertriebene, die auf Grund von Konflikten innerhalb ihres Landes heimatlos geworden sind, was die höchste Zahl seit Jahrzehnten darstellt. Für diese ist die Situation besonders schlimm, da sie nach der Genfer Flüchtlingskonvention nicht als Flüchtlinge anerkannt werden. Hinzu kommen rund 900.000 Asylsuchende, 20 Prozent davon allein in Südafrika. Entgegen der allgemeinen Annahme, diese Menschen würden alle in die reichen Industrienationen fliehen, sprechen die Zahlen des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) eine andere Sprache. Die meisten Flüchtlinge leben in Pakistan (1,9 Millionen), gefolgt vom Iran (1,1 Millionen) und Syrien (1,0 Millionen). Deutschland ist das Industrieland mit der höchsten Zahl an Flüchtlingen. Hierzulande leben rund 600.000.

Ängste in den Industrienationen massiv übertrieben

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, António Guterres macht eine bedrohliche Fehleinschätzung über Flüchtlingsbewegungen und den Grundlagen ihres Schutzes aus. Weiter meint er: „Ängste vor angeblichen Massenbewegungen von Flüchtlingen in die Industrieländer sind massiv übertrieben oder fälschlicherweise mit Fragen der Migration verknüpft. Währenddessen tragen die übrigen ärmeren Länder die Belastungen.“ Diese dürften sie nicht länger allein tragen. „Die Industriestaaten müssen sich mit diesem Ungleichgewicht befassen. Wir brauchen höhere Aufnahmekontingente bei der Neuansiedlung von Flüchtlingen aus Erstzufluchtstaaten. Und wir benötigen nachhaltige Friedensbemühungen bei dauerhaften Konflikten, damit Flüchtlinge nach Hause zurückkehren können.“

Die größte Belastung tragen die Entwicklungsstaaten

Zur genaueren Berechnung der finanziellen Belastung der Länder durch Flüchtlinge hat das UNHCR die Zahl der Flüchtlinge auf die Kaufkraftparität (einen US-Dollar des nationalen Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt) des Aufnahmelandes umgerechnet: Dabei kommen in Pakistan 710 Flüchtlinge auf eine Dollar Kaufkraftparität, gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo (475 Flüchtlinge) und Kenia (247 Flüchtlinge). Zum Vergleich: In Deutschland kommen gerade einmal 17 Flüchtlinge auf einen Dollar des Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukts.

Flüchtlinge sind gezwungen immer länger im Exil zu bleiben

Außerdem müssen immer mehr Menschen immer länger im Exil bleiben. Ab fünf Jahren spricht man von einer andauernden Flüchtlingssituation. Im Jahr 2010 besaßen mehr als 7,2 Millionen Menschen diesen traurigen Status. Einige Flüchtlinge leben seit mehr als 30 Jahren im Exil, wie beispielsweise Afghanen, die bereits 1979 vor dem sowjetischen Einmarsch flohen und bis heute nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten.

Die wichtigsten Fakten zum Thema im Überblick:

  • Das UNHCR schätzt, dass rund 12 Millionen Menschen als Staatenlose gelten.
  • Vier Fünftel der Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern.
  • Die 49 am wenigsten entwickelten Länder geben mehr als 2 Millionen Flüchtlingen eine Zuflucht.
  • Drei Viertel der Flüchtlinge leben in Staaten, die an ihre Heimatländer angrenzen.
  • Lediglich rund 200.000 Flüchtlinge konnten im Jahr 2010 in ihre Heimat zurückkehren.
  • Immerhin rund 3 Millionen Binnenvertrieben konnten zurück nach Hause.
  • Mehr als 7 Millionen Menschen leben in einer andauernden Flüchtlingssituation (mehr als fünf Jahre).
  • 42 Prozent der Flüchtlinge leben in Ländern, deren Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt unter 3.000 US-Dollar liegt.
  • Fast die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit stammen ursprünglich aus Afghanistan und dem Irak.
  • 2 Millionen Menschen sind auf Grund von Naturkatastrophen auf der Flucht.
  • Binnenvertriebe haben tendenziell die Neigung, sich in ländlichen Gebieten niederzulassen, während es Flüchtlinge und Asylsuchende in Ballungszentren zieht.
  • 44 Prozent der Flüchtlinge und 31 Prozent der Asylsuchenden sind Kinder unter 18 Jahren.

Quelle: UNHCR: Global Trends 2010

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Alexander Schelling, Urheber: Christine Mansel

Alexander Schelling - Als freier Journalist für das "Medienbüro Arbeitswelt" (Berlin) tätig (seit 2003). Themenbereiche: Migration, ...

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