
- Blick auf einen Teil der Anlegestellen in Passau - Johannes Flörsch
Passau wartet mit einigen Besonderheiten auf: Im St.-Stephan-Dom erklingt die größte Domorgel der Welt; Passau ist der Ort, an dem die Nibelungen-Sage entstanden ist, das bedeutendste Werk deutscher Literatur; hartnäckig hat sich die Stadt trotz junger und vielgelobter Universität ihren provinziellen, ja kleingeistigen Ruf erarbeitet (indem Kirche und Presse zum Boykott eines mittlerweile hoch angesehenen Kabaretts aufriefen; indem viel zu viele Jahre hinweg der NPD eine Plattform gegeben wurde für deren Agitationen; indem Gerichtsverhandlungen angestrengt wurden gegen eine vom Bundespräsidenten ausgezeichnete Schülerin). Schließlich und endlich aber treffen an ihrer Ortsspitze gleich drei Flüsse zusammen: die schwarze Ilz, der grüne Inn, die blaue Donau, Europas zweitlängster Fluss!
Vilshofen: berühmt geworden durch Franz Joseph Strauß und die SPD
Vilshofen, 20 Kilometer nördlich von Passau, ist kein solches Schwergewicht. Aber man strengt sich an. Die drei Zuläufe der Flüsschen Vils, Pfudrach und Wolfach haben ihr den liebevoll-kokettierenden Titel eingetragen „kleine Dreiflüssestadt“, bekannt geworden jedoch ist Vilshofen als die Stadt des „Politischen Aschermittwoch“.
Das Spektakel des Politischen Aschermittwoch reicht zurück ins 16. Jahrhundert, die breite Öffentlichkeit aber hat es aus zwei Gründen wahrgenommen: einmal wegen der launigen Reden von CSU-Mann Franz Joseph Strauß und zweitens kurioserweise durch den 1975 notwendig gewordenen Wegzug des Politischen Aschermittwoch raus aus der Stadt nach – Passau. Für den Auftritt von Strauß war der Kellersaal der Brauerei Wolferstetter zu klein geworden, die SPD besetzte flugs den frei gewordenen Platz.
Beide Städte liegen also an der Donau, beide Städte nutzen die Lage: Von hier aus starten die Schiffe der Reedereien Arosa, Viking, Wurm&Köck, der Sea Cloud ihre Flusskreuzfahrten nach Linz, zum Weltkulturerbe Wachau, nach Wien, Budapest bis ins Mündungs-Delta der Donau am Schwarzen Meer.
Doch was in Passau eher geschäftsmäßig läuft, das Ein- und Ausschiffen, erhält im kleinen Vilshofen seinen ganz besonderen Touch.
Anlegestelle für die Flusskreuzfahrten auf der Donau
Vilshofen und Passau liegen nicht im Clinch, sagt Christian Eberle von der Tourist-Information der Stadt Vilshofen und betont den freundschaftlichen, ja netten Umgang mit dem Hafenmeister in Passau: „Vilshofen wird nie Konkurrenz sein für Passau. Aber ein kleines Stück vom großen Kuchen Kreuzfahrt auf der Donau möchten wir schon ergattern.“ Und dafür tut man einiges in Vilshofen.
Spät erst, im Jahr 2002, wurde die Donaupromenade mit Anlegestelle eingeweiht. Damals hatte das Gesicht der Stadt markante Änderungen erfahren durch den Neubau der Donaubrücke. Die ersten Kreuzfahrer rückten an. Nautilus, mittlerweile in Konkurs, machte 2004/2005 dreimal wöchentlich fest. Wenn Hoch- oder Niedrigwasser die Landung in Passau verhinderten, wichen die Reedereien auf Vilshofen aus.
Tendenz steigend: Das Interesse an einer Flusskreuzfahrt auf der Donau wächst
Seit 2005 verfügt Vilshofen über eine zweite Anlegestelle – die Kapazitäten sind somit bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Man verhandelt, berichtet Eberle weiter, mit Reedereien, und auch die Zusammenarbeit mit AMAwaterways wird intensiviert werden. Die von AMAwaterways gecharterten Schiffe steuern seit 2009 Vilshofen an, für 2011 spricht Eberle von einer weiteren Gesellschaft, die hier anlegen wird.
Für die Passagiere von Flusskreuzfahrten auf der Donau bietet grade die Zusammenarbeit zwischen AMAwaterways und der Stadt Vilshofen einige ganz spezielle Reize …
Passagiere der Flusskreuzfahrt auf der Donau werden in Vilshofen zünftig begrüßt
Für sie wird beim Ein- und Ausschiffen das „Vilshofener Bierfest“ organisiert. Die amtierende Bierkönigin der Stadt begrüßt die Gäste, anschließend erläutert Eberle persönlich (manchmal aber auch der Bürgermeister) die Geschichte der Stadt an Hand launiger Anekdoten.
Aufhänger für dieses Bierfest ist die Tatsache, dass der Vilshofener Braumeister Josef Groll 1845 den ersten Sud „Pilsner Bier“ der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Er darf mit Fug und Recht als Erfinder des Pils, der „Königin der Biere“, bezeichnet werden.
Die Passagiere erhalten Getränke-Gutscheine, das Fest wird mit Volksmusik, Goaßlschnoizn, Schuhplattlern und dem Auftritt von Tanzgruppen umrahmt. Wenn man bedenkt, dass viele der Kreuzfahrtpassagiere aus Japan, Spanien, Italien und den USA kommen, kann man sich lebhaft vorstellen, wie sehr ihnen ein so unverstellter Einblick in bayerisches Brauchtum gefällt.
Und so wird das Städtchen Vilshofen ihnen bestens in Erinnerung bleiben, wenn die SeaCloud oder die Arosa aufbrechen donauabwärts Richtung Wachau in die Weinerlebniswelt und noch viel weiter …
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