Einst wurden alle Flüsse Afrikas von Nilpferden (Hippopotamus amphibius) bevölkert. Heute sind die Bestände jedoch schon sehr reduziert. Erst im südlichen Sudan kann man auf die ersten Flusspferde treffen. Die Tiere haben sich dem amphibischen Leben außerordentlich gut angepasst. Den ganzen Tag verbringen sie im Wasser, wo sie oft lange Zeit auf dem Grund liegen und schlafen, oder sie gehen spazieren und weiden Wasserpflanzen ab. Hin und wieder strecken sie die Nase an die Oberfläche, um Luft zu holen.

Nilpferde sind sehr gesellige Tiere. Oft liegen sie zu Hunderten zusammen im niedrigen Wasser. Sie meiden zu starke Sonneneinstrahlung. Gefangene Tiere können sogar an Sonnenbrand eingehen, wenn man ihnen keinen Schatten bietet. In den Nationalparks kommen sie manchmal auch tagsüber an Land. Vieleicht haben sie sich erst seit der Verfolgung durch den Menschen auf das Nachtleben umgestellt. Denn außer dem Menschen haben diese Tiere, die bei vier Meter Länge und einem Meter Schulterhöhe bis zu zweieinhalb Tonnen schwer werden können, kaum Feinde. Lediglich die Löwen reißen ab und zu einmal ein geschwächtes oder junges Flusspferd, wenn sie es geschickt erlegen.

Flusspferde fressen das Gras bis zu den Wurzeln ab

Die Bullen fechten hingegen untereinander heftige Kämpfe aus, wobei sie sich mit den gewaltigen Hauern mächtige Wunden in die dicke Schwarte reißen. Oft hört man auch am Tag das Gebrüll und kann beobachten, wie die riesigen Tiere mit weit aufgerissenem Maul aufeinander losgehen. Meist bleibt es jedoch bei der Drohung und der Schwächere zieht sich zurück. Flusspferde wandern nachts übers Land, und wenn sie der Tag überrascht, setzen sie sich auch in Wasserlöcher, die gerade noch ihren Körper aufnehmen können. Wenn sie lange an Land und vor allem in der Sonne sind, dann sondern die zahlreichen Hautdrüsen einen rötlichen Schleim ab, der die ganze Haut bedeckt.

Im Allgemeinen bevorzugen die Tiere große Flüsse und Seen mit flachem Wasser oder Sandbänken. Sie vermehren sich stark. Während bei den Elefanten die Überbevölkerung der Parks vorwiegend durch Zuwanderung fremder Tiere entsteht, nehmen die Flusspferde in den Reservaten allein durch Fortpflanzung zu. Wo viele Flusspferde leben, sind die Grasflächen der Umgebung von freien Erdflächen unterbrochen, durch die sich die tief eingetretenen Pfade und Rinnen der Wasserläufe ziehen.

Denn bei ihren nächtlichen Streifzügen fressen die Tiere das Gras bis zu den Wurzeln ab. Das aber schadet dem Boden, weil es ihn stärker der Erosion durch die heftigen Tropenregen und den Wind ausetzt. Hinzu kommt noch, dass Flusspferde durch ihre Art der Kotabgabe anderen Tieren den Appetit an den übriggebliebenen Pflanzen verderben. Sie stellen sich nämlich mit dem Rücken gegen einen Busch, um dann durch propellerartige Schwanzbewegungen den stinkenden Kot und Urin über Busch und Umgebung zu zerstreuen. Empfindliche Grasfresser ziehen sich deshalb immer mehr zurück, wenn die Flusspferde überhandnehmen.

Insekten werden druch den starken Geruch der Flusspferde angelockt

Auch wenn die Tiere aufgrund ihrer rundlichen Körperform harmlos aussehen, so kann dieser Eindruck doch täuschen. Sobald man ein an Land weidendes Flusspferd von seinem sicheren Element absperrt, rast es in panischer Angst sofort zum Wasser zurück und rennt alles über den Haufen, was ihm dabei im Weg steht. Sonst aber lassen sich die Tiere durch nichts aus der Ruhe bringen, was außerhalb ihres gewohnten, meist tief in den Boden eingetretenen Pfades liegt.

Untereinander streiten Flusspferde sich gerne. Dabei geht es oft nicht ohne schwerwiegende Verletzungen ab, wenn die Tiere mit klaffenden Mäulern einen Rivalen bedrohen. Aber nicht nur zum Kampf sperren Flusspferde ihr Maul auf. Bei der Gärung der vegetarischen Nahrung bilden sich viele Gase, die mit gespreizten Kiefern unter lautem Rülpsen abgegeben werden. Danach lassen sich die Riesen wieder ins Wasser fallen, legen sich auf die Seite und dösen weiter. Nun kommen die Fische aus der Familie der Karpfen, zupfen und fressen Hautpartikel aus den Körperfalten. Auf den aus dem Wasser ragenden Partien lassen sich Kuhreiher und Kläffschnäbel nieder. Sie suchen nach Egeln oder Zecken. Königsfischer und Schattenvögel lauern auf Fische oder Frösche, die bei dem unruhigen Gebrodel an die Oberfläche gewirbelt werden. Für viele Wasservögel ist eine ruhende Flusspferdherde also genau der richtige Standplatz. Der starke Geruch und die Ausscheidungen locken viele Insekten und Fische an, von denen wiederum die Vögel leben. Eine Flusspferdmutter wirft in der Regel nach acht Monaten Tragzeit ein Junges, das nicht ganz so groß ist wie ihr Kopf.

Quelle: Eckart Pott: "Das große Ravensburger Tierlexikon von A-Z", Ravensburger Buchverlag 2011, ISBN 3-4735-5074-4