Fokus Berlin: Faszination Brandenburger Tor

Brandenburger Tor bei Nacht - Lou Avers
Brandenburger Tor bei Nacht - Lou Avers
Berlin ist allein durch seine historische Bedeutung für Deutschland und Europa eine Reise wert. Am Brandenburger Tor wird Geschichte wieder lebendig.

Schauplatz Pariser Platz, Brandenburger Tor. Ein junger arabisch ausschauender Mann in olivgrüner Uniform der US-amerikanischen Military Police sitzt vor einem Tisch, auf dem sich Stempel und Papiere stapeln. Ringsum stehen Trauben von Menschen, die sich die Hälse lang strecken. Jeder will sehen, was hier los ist. Ein Soldat der Alliierten Besatzungsmächte mit Stempeln und Pässen, Grenzkontrolle? Das hatten wir doch schon mal in Berlin. Kuriose Touristen aus allen Teilen der Welt beäugen diese Szene.

Touristische Grenzkontrolle am Brandenburger Tor entzückt Touristen

„Haben Sie etwas zu verzollen… Zigaretten, Alkohol ?“ Der uniformierte Mann blickt streng und prüfend in das Gesicht der leicht verunsichert wirkenden Frau Mitte Vierzig. „Machen Sie doch mal Ihr linkes Ohr frei!“ „ Warum grinsen Sie ?“ „Wer bei mir grinst, macht sich verdächtig!“ Die Zuschauer lachen, vor allem die ausländischen Besucher. Bei so manchem Deutschen läuft bei dieser Szene nochmal der Film der deutschen Teilung vor dem inneren Auge ab. „Jenauso war et “, meint eine alte Dame aus Berlin, die sich zu den Schaulustigen gesellt hat. Der junge Berliner mit türkischen Wurzeln spricht zahlreiche Sprachen - Französisch, Englisch, Russisch, Jugoslawisch, Türkisch und selbst Portugiesisch und Spanisch. Am meisten freuen sich die Spanier, wenn er sie schauspielerisch militärisch in Castillano darauf hinweist, dass hier die Grenzkontrolle nach Westberlin sei. Dazu benötige man einen Pass mit den jeweiligen Stempeln der alliierten Mächte. „Real Madrid oder Barca?“ fragt er spitzbübisch. Heute kommen nur Real Anhänger durch. Die kleine Show kommt gut an. Bereitwillig stempelt er den von ihm kreierten Einreisepass mit den Originalstempeln der russischen, französischen, britischen und amerikanischen Zone ab. Wer möchte, spendet eine Kleinigkeit, was die meisten auch tun. Das sprachliche und schauspielerische Talent des fingierten MP Soldaten lockt viele Menschen an und alle amüsieren sich köstlich über seine Darbietung. Freilich liefert das nächtlich beleuchtete Brandenburger Tor die dramatische ideale Kulisse dazu. Schließlich verlief hier die Berliner Mauer vor noch 21 Jahren. In der Weltgeschichte eine relativ kurze Zeit. Die Besucher des Brandenburger Tores sind jedenfalls entzückt von dem kuriosen Schauspiel, die Berliner Behörden dagegen weniger. Gerne würden sie dem ganzen einen Riegel vorschieben und haben auch schon einen eigenen Berliner Nostaglie- Pass entworfen.

Das Brandenburger Tor – Berlins schicksalsträchtiges Wahrzeichen

Tagsüber schaut das Brandenburger Tor grau und leblos aus. Doch sobald es dunkel wird, zeigt das klassizistische Stadttor warum es das schönste Wahrzeichen Berlins ist. Wie in Gold getaucht erstrahlen die Sandsteinsäulen und die Quadriga vor einem dunkelblauen Himmel. Ein bewegender Anblick, Touristen stehen fast andächtig am Pariser Platz und die Handys und Digitalkameras blitzen um die Wette. Jeder will ein Erinnerungsbild mit dem Brandenburger Tor im Hintergrund. Das Monument entstand zwischen 1788 und 1791 nach den Plänen von Carl Gotthard Langhans im frühklassizistischen Stil. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. gab es in Auftrag. 26 Meter hoch, 65, 5 Meter breit und 11 Meter tief. Das sind die trockenen Daten des Natursteinbauwerks aus Elbsandstein. Die Vorlage lieferte die Akropolis in Athen. Obenauf thront die bronzene Quadriga, ein von vier Pferden gezogener römischer Wagen. Gesteuert wird sie von der Siegesgöttin Viktoria. Die Quadriga schuf der Künstler Johann Gottfried Schadow, der für eine Reihe von Kunstwerken in Berlin verantwortlich ist. Das Brandenburger Tor ist nicht nur ein nationales Symbol der deutschen Geschichte, es symbolisiert auch das Schicksal Europas. Das historische Stadttor steht in Berlin-Mitte am Pariser Platz und beendet die Allee Unter den Linden. Auf der anderen Seite des Tores liegen Tiergarten und die vierspurige Strasse des 17. Juni mit der Siegessäule. Die Nationalsozialisten unter Hitlers Schreckensregime benutzten die monumentale Erscheinung des Brandenburger Tors für ihre Propagandazwecke der „Welthauptstadt Germania“. Während der deutschen Teilung stand das Brandenburger Tor im Sperrgebiet, das weder für West- noch Ostbesucher durchquerbar war. Am 22. Dezember 1989 wurde das Tor unter dem Jubel hunderttausender Menschen wieder geöffnet. In den Jahren danach wurde es umfangreich restauriert. Heute ist das Brandenburger Tor das meistfotografierte Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands und des Mauerfalls.

Informationen

Silvia E. Baumann, Lou Avers

Silvia Baumann - Herzlich Willkommen auf meiner Profil-Seite! Seit 18 Jahren nimmt mich meine Leidenschaft - das Reisen - voll und ganz in Anspruch. Als ...

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