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Fondation Beyeler: Dalí, Magritte, Miró – Surrealismus in Paris

Oft kopiert: Dalís 'Die Beständigkeit der Zeit' - Marco Görlich
Oft kopiert: Dalís 'Die Beständigkeit der Zeit' - Marco Görlich
Bis zum 29. Januar 2012 zeigt die Fondation Beyeler in Basel eine Ausstellung zum Surrealismus in Paris. Sie ist ein kulturelles Highlight der Wintersaison.

Mit der Ausstellung ‚Dalí, Magritte, Miró – Surrealismus in Paris’, die vom 2. Oktober 2011 bis zum 29. Januar 2012 stattfindet, unterstreicht das Museum der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel wieder seinen überragenden Rang in der deutschsprachigen Kunstszene. Leihgaben kamen aus Stuttgart, Berlin, Brüssel, Paris, London, Madrid, Venedig und Philadelphia. Zu bestaunen sind über zweihundert, teils hochkarätige Werke der Kunstströmung, die das Unbewusste, Phantastische, Absurde und Traumhafte in der Kunst feierte – denn surreal ist alles, was die schnöde Realität überwindet.

La ville surréaliste – die Anordnung der Ausstellung

Um den Kosmos der surrealistischen Gedankenwelt abschreiten zu können, hatten die Kuratoren der Fondation Beyeler eine hintergründige Idee, die den Besuchern, die nur der Bilder wegen kamen, nicht aufgefallen sein dürfte. André Breton, der leitende Kopf der Surrealisten, organisierte 1938 die legendär gewordene Exposition Internationale du Surréalisme. Diese Ausstellung begriff sich als ‚total’ in dem Sinn, dass sie Kunstobjekte wie auch gewöhnliche Nutzobjekte gleichermaßen als Kunst im Raum inszenierte. Ein Raum hieß ‚Die schönsten Straßen von Paris’ und war mit Pariser Straßenschildern ausgestattet, vor denen Schaufensterpuppen standen, die als Objekte sexueller Obsession inszeniert waren. In der Fondation durchschreiten die Besucher wieder diesen Weg durch die schönsten Straßen von Paris, denn jeder Raum wird mit den gleichen Straßennamen ausgeschildert wie bei der seinerzeit wichtigsten surrealistischen Ausstellung.

Kunstwerke von Dalí, Magritte, Miró, Chirico, Picasso und Max Ernst

Warum sich ein Spaziergang durch dieses imaginäre Paris der Surrealisten lohnt, zeigt ein rascher Blick auf die ausgestellten Werke. Vor lauter hochkarätigen Bildern ist es kaum möglich, nur ein einziges Werk besonders hervorzuheben.

Giorgio de Chiricos unwirkliche Räume – die er selbst als metaphysische Malerei betitelte – sind mit Werken wie Les plaisirs du poète als Vorläufer des Surrealismus ausgestellt. Handschriftenexperten werden ihre Freude an den Erstausgaben von Bretons surrealistischen Manifesten haben. Als Beispiele für den abstrakten oder absoluten Surrealismus sind in der Rue Cerise, dem dritten Raum, Mirós Kompositionen vertreten. In die Rue de tous les diables, die Straße aller Teufel, setzten die Ausstellungsmacher Max Ernsts diabolische Gipsskulptur The King Playing with the Queen, die das instrumentalisierende Spiel zwischen Mann und Frau thematisiert.

Die ausgestellten Werke von Picasso und Jean Arp gehören eher zu den unbedeutenden Arbeiten, während Hans Bellmers La poupée (Die Puppe) ihre obsessiv-schauerliche Wirkung voll entfaltet. Publikumsmagnet ist der letzte Raum mit den Gemälden von Salvador Dalí. Der Fondation gelang es sogar, aus Madrid das Bild mit dem Titel ‚Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel etc.’ zu entleihen, das zu den wichtigsten Dalís gehört.

Didaktik der Ausstellung Dalí, Magritte, Miró – Surrealismus in Paris

Neben der Idee mit den Straßennamen hatten die Kuratoren weitere Ideen, die schlicht Freude bereiten. Eine Vogelskulptur stellten sie direkt vor die Glasfronten der Fondation, die in den Garten blicken, wo gleichzeitig die Amseln hüpfen. Statt nur in Texten vom Einfluss der primitiven Kunst auf den Surrealismus zu reden, zeigen sie ihn, indem sie einen Totempfahl der Haida neben ein Gemälde von Francis Picabia stellten.

Der Ausstellungskatalog ist opulent bebildert – leider aber auch opulent im Preis (68 CHF). Die Saaltexte sind dagegen zu empfehlen für weniger Begüterte und all jene, denen das fortwährende Geplapper eines Audio Guides auf die Nerven geht. Sie enthalten kleine, aber dichte Texte zu den wichtigen Werken und erhellen nicht nur den geistigen Hintergrund eines Bildes, sondern auch häufig dessen Machart.

Die Ausstellung bietet Anfängern einen Überblick über alle wichtigen Surrealisten und ihr Werk. Kenner werden die hohe Qualität der Stücke zu würdigen wissen. Ein Besuch lohnt sich für beide.

Quelle:

Fondation Beyeler.de

E.Seitz, ES

Emanuel Seitz - Meine Interessen sind Geschichte, Archäologie, Indogermanistik, Ethnologie, kurz: alles, was fremd oder alt ist, oder mit Sprache zu ...

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