
- Holzwürfel - jojospielzeug
Formaldehyd ist ein farbloses, wasserlösliches, stechend riechendes Gas. Es gehört zu den wichtigsten und preiswertesten Basissubstanzen für die chemische Industrie, zum Beispiel als Ausgangsbasis für Chemikalien, Kleber und Kunststoffe. Es wird weltweit in hohen Mengen produziert und ist in vielen Produkten des täglichen Lebens enthalten, so zum Beispiel in Kosmetika, Desinfektionsmitteln, Kleidung, Farben und Lacken sowie Baumaterial.
Wird zum Beispiel belastetes Spielzeug von den Kindern in den Mund genommen oder dünstet Baumaterial wie Holzspanplatten, Laminat oder Vinyltapeten, abhängig von der Raumtemperatur verstärkt aus, kann dies zu allergischen Reaktionen, langfristig jedoch auch zur Bildung von Krebs führen.
Als krebserregend eingestuft
Bereits Mitte 2004 stufte die International Agency for Research on Cancer (IARC) Formaldehyd als krebserregend ein. Nunmehr fordert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine weitere Absenkung von Formaldehyd in Holzspielzeug. Ebenso wird eine Überprüfung des Grenzwertes der DIN-Norm vorgeschlagen. Neuere, sehr umfangreiche Studien an Arbeitnehmern in den USA belegen eine expositionsabhängig erhöhte Sterberate durch Tumore im Nasenrachenraum.
Der krebsauslösenden Wirkung von Formaldehyd liegen zwei biologische Mechanismen zugrunde: Die zellschädigende Wirkung, auf die der Körper mit einer Zellwucherung reagiert und die Veränderung der Erbinformation. Beide Mechanismen wirken ab einer bestimmten Menge gemeinsam. Aus diesem Grunde hat das BfR einen sogenannten "Safe Level" festgelegt, dieser liegt bei 0,124 Milligramm pro Kubikmeter Raumluft. Es wird davon ausgegangen, dass bei wiederholter und deutlicher Überschreitung dieses Wertes gesundheitliche Risiken entstehen. Holzspielzeug, das aus Spanplatten oder Sperrholz hergestellt wurde, kann formaldehydhaltiges Kunstharz enthalten.
Globalisierung fatal
Die globalisierte Produktion von Gütern führt dazu, dass selbst Weltkonzerne den Überblick darüber verlieren können, wo und unter welchen Bedingungen ihre Produkte gefertigt werden. Allein 2006 wurden über das europäische Meldesystem Rapex, das Produkte verzeichnet, die für Konsumenten gefährlich sind, 1.051 Produkte aufgelistet. Zum Vergleich: 2003 wurden nur 139 Fälle gemeldet. Dies kann jedoch auch mit der höheren Sensibilität der Verbraucher zu tun haben - vor allem, wenn es um die Sicherheit ihrer Kinder geht. Ein Viertel der aller Fälle betrifft Spielzeug, und davon stammte die Hälfte aus China.
Ein krasses Beispiel dafür war der Weltkonzern Mattel. Er rief 2007 zwei verschiedene Produkte unter ungeheurem Aufwand zurück. Und dabei galt Mattel schon vorher zu den Unternehmen mit den strengsten Richtlinien. Da Mattel-Vertragsunternehmer wiederum Subunternehmer einsetzen dürfen, ist nur sehr schwer zu kontrollieren, ob sich alle an die Richtlinien halten. Es wird geschätzt, dass etwa 3.000 chinesischer Firmen an der Herstellung von Mattel-Produkten beteiligt sind!
Jedoch sind es oftmals die Konzerne, die diese unglückselige Entwicklung fördern. Die Gewinnspannen der chinesischen Zulieferer sind meist minimal, die Preise für Spielzeug und Elektronik so niedrig wie zuvor.
Trügerische Sicherheit durch Prüfsiegel
Abgesehen davon, dass in China Prüfsiegel und Zertifikate oftmals gefälscht werden, ist das "CE"-Siegel relativ wertlos. Es bestätigt lediglich die Selbstverpflichtung der Hersteller, sich an die Regeln zu halten und für eventuelle Rechtsansprüche eine Adresse zu haben.
Generell sollte jeder verantwortungsbewusste Hersteller Teile oder Waren, die geliefert werden, erst einmal auf Qualität überprüfen. Dies hat seinen Preis. Der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels hat bereits Preiserhöhungen angekündigt. Laut Geschäftsführer Willy Fischel "seien die Verbraucher nach den zahlreichen Rückrufaktionen sehr sensibel geworden. Daher werde die Branche nun noch stärker auf Qualität und Sicherheit von importierten Spielwaren achten und in Kontrollsystem investieren". Umsatzeinbußen werden nicht befürchtet, denn "die Deutschen gönnen ihren Jüngsten wieder etwas", so Fischel.
