Rosberg vor Schumacher und Kobayashi: Zwei Mercedes AMG Petronas F1 vor einem Sauber-Ferrari starteten am 15. April 2012 den Großen Preis von China. Als Mercedes-Sensation wurde die erste Startreihe in den Medien bezeichnet: Erstmalig zwei Benz in dieser Formation seit dem Comeback des Werkteams in 2010. 56 Runden und 305,066 Kilometer später stand Nico Rosberg mit 20,626 Sekunden Vorsprung als Sieger fest. Der Deutsche gewann sein 111. Rennen; 111 Jahre nach dem ersten Mercedes-Sieg bei der Rennwoche von Nizza im Jahr 1901. Das Feld startete bei einer Außentemperatur von 22 Grad und 25 Grad auf dem Asphalt bei freier Reifenwahl. Rosberg setzte sich sofort ab; Button fuhr auf drei vor, Vettel auf 14 zurück, so die Startphase, die weitestgehend unfallfrei verlief. Enttäuschend für die Mercedes-Fans: Schumacher fiel in Runde 13 nach dem ersten Boxenstop wegen eines nicht befestigten Vorderrades aus. In Folge dessen bot das Rennen vor allem durch die Frage Spannung, wer wann und wie oft auf welche Reifen wechseln würde. Doch eines zeichnete sich ab: Das Rennen würde zwischen Nico Rosberg und Jenson Button ausgemacht werden. Doch auch Vettel fuhr bis auf Rang zwei vor. Er wurde letztlich Fünfter, während Nico Rosberg den ersten Sieg für einen Werks-Mercedes seit dem 11. September 1955 herausfuhr, also vor 20.671 Tagen. Seine Reifenwahl: Option / Prime / Prime. Doch mit McLaren-Mercedes waren zwei weitere Mercedes-Motoren auf dem Podium; es sei ja auch nicht so, dass Mercedes seit 1955 keinen Weltmeister mehr gemacht habe.

Zusammenfassung Grand Prix China 2012

Ein fantastischer Start für Nico Rosberg: Er hielt Michael Schumacher auf Distanz und ging als Erster in die nächste Kurve. Gewinner des Starts war Jenson Button von McLaren-Mercedes, der auf Platz drei vorfahren konnte. Vettel, behindert durch eine kleine Kollision von Massa und Senna, fuhr in Runde zwei auf Platz 14. Mit einem Abstand von 1,1 Sekunden führte Rosberg das Feld von Runde vier an an. Hamilton auf Rang 5 hinter Kimi Räikkönen im Lotus; die beiden Sauber mit Pérez und Kobayashi auf sechs und sieben. Wieder eine halbe Sekunde schneller: Rosberg in fünf. Vettel meldete in sechs, dass er Probleme mit der Topspeed haben würde. Teamkollege Webber ging an die Box, um sich frische harte Reifen zu holen. Rosberg vorne mit 4,1 Sekunden Vorsprung.

Schumacher geriet unter Druck von Jenson Button. Vettel fasste in Runde zehn harte Reifen. Runde zehn: Hamilton holte sich weiche, Kimi Räikkönen harte. Lotus patzte, denn Hamilton ging in der Boxengasse an Räikkönen vorbei. Schumacher holte sich in Runde 13 harte Reifen, doch fuhr in derselben Runde ins Aus, stellte den Wagen auf dem Rasen ab. Wie die Wiederholung der Szene des Radwechsels zeigte, schlug ein Mechaniker von Mercedes verzweifelt auf den Boden, nachdem Schumacher losgefahren war. Kurz darauf auch Rosberg in der Box; hier klappte alles. Sergio Pérez im Sauber führte. Indiz für eine Zwei-Stopp-Strategie? Dann auch sein Boxenstop. In Runde 18 war Rosberg wieder Erster. Schumacher enttäuscht: "Das Vorderrad war nicht richtig befestigt worden."

Rad lose bei Michael Schumacher: Schumi enttäuscht, Fans enttäuscht

Der ganze Hightech-Zauber also umsonst, weil ein Rad lose war. Wichtig übrigens auch für den Alltag: Nach dem Wechsel auf Sommerräder Radschrauben nach 1.000 Kilometer nachziehen. In Runde 19 fuhr Michaels Teamkollege Rosberg die schnellste Rennrunde; Vettel war auf Rang neun unterwegs, Pérez dahinter. Rosberg vor Button mit 4,2 Sekunden Vorsprung. Kimi Räikkönen mit Lotus auf Rang drei vor Fernando Alonso auf Ferrari; Ferraris Felipe Massa auf Platz zwölf mit 26,6 Sekunden Rückstand herumkurvend. Im Jahr zuvor lieferte er mit 1,678 Minuten einen Rundenrekord auf dem Shanghai International Circuit ab: Vorbei, Vergangenheit, Formel 1 eben. Button fiel durch Boxenstop in Runde 25 auf Rang zehn zurück. Um dann durchzustarten.

Ganze 1,6 Sekunden machte er auf Rosberg gut, der immer langsamer wurde. Vettel in 29 Dritter; begünstigt durch den Reifenwechsel von Räikkönen. Dennoch: Jenson Button rollte das Feld von hinten auf. Er hatte zwar einen Stop mehr als Nico Rosberg, doch der Rückstand auf Rosberg mit 1:43,000 in Runde 31 betrug nur noch 18,4 Sekunden. Hier wurde klar: Wenn Rosberg nicht auf eine Zweistop-Strategie setzte, würde er das Rennen verlieren. In Umlauf 35 holte sich Nico neue Reifen. Button übernahm die Führung; Rosberg hielt aber Rang zwei vor Hamilton und Pérez, der ebenfalls an die Box ging und offenbar auf zwei Stopps setzte. Kurz darauf Alonso und Hamilton zum Reifenwechsel. Mit 7,4 Sekunden Vorsprung auf Nico Rosberg kam Jenson Button zur Box.

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Vorentscheid? Jenson Button fünf Sekunden zu lang an der Box

Doch ein überlanger Stop des McLaren in Runde 40 bremste Button aus: Hinten links machte das Rad Ärger. Fünf Sekunden verloren. Boxenfunk von Mercedes an Rosberg: "Pass auf Deine Reifen auf!" Sah sich Mercedes schon auf der Siegerstraße? Zwischenbilanz Runde 42: Rosberg auf Mercedes, Räikkönen/Lotus, Vettel/Red Bull, Button/McLaren, Grosjean/Lotus, Webber/Red Bull, Senna/Williams, Massa/Ferrari, Maldonado/Williams, Hamilton/McLaren. Rosberg erhielt damit von Räikkönen und Vettel Rückendeckung; Rückendeckung durch drei Formel 1-Weltmeister. Spannend das Überholmanöver von Vettel an Räikkönen vorbei in Runde 49. Räikkönen muss acht weitere Wagen an sich vorbeiziehen lassen. Schade, er ist immer vorne ein tolles Rennen gefahren.

Schlussphase Grand Prix China 2012: Sieg für Nico Rosberg auf Mercedes

An der Spitze in Runde 50 nach wie vor Nico Rosberg mit Rückendeckung seines Landsmannes Sebastian Vettel, der alles tut, um nicht von Jenson Button aufgeschnupft zu werden. Doch in Runde 52 musste sich der Red Bull dem McLaren-Mercedes geschlagen geben. Jetzt kam alles auf die Reifen von Rosberg an: Halten sie oder nicht? Bei Vettel bauten die Reifen dermaßen schlagartig ab, dass er nicht mal mehr die Aussicht hatte, sich gegen Hamilton, Webber und Grosjean im Lotus wehren zu können. Rosberg fuhr derweil mit 1:40,9 genug Vorsprung heraus. In Runde 55 kassierte Hamilton im McLaren Sebastian Vettel im Red Bull, der aufpassen musste, nicht auch noch vom Kollegen Mark Webber überholt zu werden.Klappte nicht. Derweil vorne: Sieg für Nico Rosberg.

Die Platzierungen des Grand Prix China 2012

1. Rosberg/Mercedes 1:36:26,929 (2 Stops), 2. Button/McLaren +20,6 (3), 3. Hamilton/McLaren +26,0 (3), 4. Webber/Red Bull Racing +27,9 (3), 5. Vettel/Red Bull Racing +30,4 (2), 6. Grosjean/Lotus +31,4 (2), 7. Senna/Williams +34,5 (2), 8. Maldonado/Williams +35,6 (2), 9. Alonso/Ferrari + 37,2 (3), 10. Kobayashi/Sauber +38,7 (3), 11. Perez/Sauber +41,0 (2), 12. Di Resta/Force India +42,2 (2), 13. Massa/Ferrari +42,7 (2), 14 . Räikkönen/Lotus + 50,5 (2), 15. Hülkenberg/Force India + 51,2 (2), 16. Vergne/Toro Rosso + 51,7 (3), 17. Ricciardo/Toro Rosso +63,1 (2). Je eine Runde zurück: 18. Petrov/Caterham (2), 19. Glock/Marussia (2), 20. Pic/Marussia (3), 21. De la Rosa/Hispania Racing (2) Zwei Runden zurück: 22. Karthikeyan/Hispania Racing (2).

Stimmen zum Rennen von China

Drei Runden zurück: 23. Kovalainen/Caterham (4 Stops). Einziger Ausfall: Michael Schumacher. Sehr, sehr lange habe es für ihn mit dem Siegerchampagner gedauert, so Nico Rosberg zu Kai Ebel von RTL. So was von lange dauern die letzten Runden, so Rosberg auf die Frage, was ihm mit dem ersten Sieg vor Augen durch den Kopf ginge. Norbert Haug lobte die Teamarbeit, den Geist von Mercedes und die konzentrierte Arbeit aller trotz eines kleinen Budgets: "Ein sensationeller Sieg für Nico und unser Team! Es war unglaublich, wie Nico fuhr und das Rennen von der ersten bis zur letzten Runde kontrollierte. Ein großes Dankeschön an alle unsere Teammitglieder in Brackley, Brixworth, Stuttgart, Fellbach, Untertürkheim und Möhringen für ihren unerschöpflichen Einsatz sowie ihren Glauben an unsere Fähigkeiten und dass wir es schaffen werden."

Wer fährt was? Team, Fahrer und Geburtstage auf einen Blick

Rückblick: Startaufstellung und alle Zeiten aus dem Abschlusstraining Shanghai