Lange musste Peter Sauber auf die Zusage warten. Nach dem Rückzug von BMW hatte der ehemalige Formel-1-Teambesitzer die Chance genutzt und den Rennstall wieder zurück gekauft. Mit der Prämisse, dass das Team einen Startplatz in der Formel 1 bekommt. Nachdem sich die Verhandlungen hingezogen hatten, erhielt Peter Sauber Anfang Dezember 2009 die endgültige Zusage, dass er mit seinem Team an der Saison 2010 teilnehmen darf.
Kurz vor dem Weihnachtsfest hat der Schweizer den ersten Fahrer vorgestellt. Eines der beiden Cockpits wird ein noch recht junger Pilot besetzen: Kamui Kobayashi. Der 23-jährige bringt erst Erfahrungen von zwei Formel 1-Rennen mit. Dabei hat er sein Talent jedoch schon angedeutet und auf Anhieb drei Punkte eingefahren. Bei Sauber sollen weitere Zähler folgen.
Kobayashi sammelt erste Racing-Erfahrung
Kobayashi wurde in Amagasaki geboren. Mit neun Jahren saß er erstmals in einem Kart. Danach entdeckte Toyota das japanische Talent und baute ihn schrittweise auf. Über die Esso Formula Toyota Racing School kam er in die europäischen Kartserie der Toyota Schule und später in die japanische Formel Toyota. Hier machte er 2003 als Gesamtzweiter erstmals nachhaltig auf sich aufmerksam. Toyota nahm ihn in sein Förderprogramm auf und bewegte Kobayashi zum Umzug nach Europa.
Dort startete er in der italienischen Formel Renault und dem Formel Renault Eurocup. Als erst zweiten Fahrer in der Geschichte gelang ihm 2005 der Coup mit zwei Meistertiteln in diesen Rennserien. Damit empfahl sich der Japaner für höhere Aufgaben. In der Formel 3 Euroserie wurde er auf Anhieb bester Rookie und fuhr schon ein Jahr später auf Platz vier der Gesamtwertung. Es folgte er logische nächste Schritt mit dem Aufstieg in die GP2. Parallel wird er zum offiziellen dritten Fahrer beim Formel 1-Team von Toyota ernannt.
Probleme in der GP2-Serie
In der GP2-Serie geriet seine Karriere erstmals ein wenig ins Stocken. In zwei Jahren wurde er jeweils nur 16. der Gesamtwertung. Besser lief es dagegen in Asien, wo er parallel noch an der GP2-Asia-Serie teilnahm. Hier sprangen ein sechster Platz und in der Saison 2009 der Meistertitel heraus. In Europa musste er sich jedoch immer wieder Romain Grosjean geschlagen geben. Der Franzose erhielt deshalb 2009 den Vorzug bei Renault. Insgesamt sieben Rennen bestritt er in der Formel 1 ohne einen einzigen Punkt zu ergattern. Somit war diese Etappe schnell vorbei. Bei Kobayashi soll das Engagement jedoch länger dauern.
Mehr Punkte hat er schon vor der Saison 2010 auf seinem Konto. Zwei Mal musste er den verletzten Stammfahrer Timo Glock vertreten. In Brasilien fuhr er einige Runden vor dem späteren Weltmeister Jenson Button, hielt die gesamte Distanz durch und fuhr am Ende auf Platz neun. Im zweiten Rennen gab es Punkte. Mit Platz sechs in Abu Dhabi holte er drei Zähler für Toyota. Eine gute Bewerbung für eine weitere Chance in der Formel 1.
In den Fußstapfen großer Sauber-Piloten
Peter Sauber schlug zu und gibt dem jungen Japaner eine Chance in seinem geschichtsreichen Rennstall. Schon 1970 gründete er das Team. Von 1993 bis 2005 fuhren die Autos unter seinem Namen, ehe BMW zur Saison 2006 den Rennstall übernahm. Erst durch den Rückzug des Automobilherstellers konnte Sauber das Team zurück kaufen. Dabei hat Sauber schon eine Reihe von guten Fahrern hervor gebracht. Heinz-Harald Frentzen, Felipe Massa, Nick Heidfeld, Jean Alesi, Giancarlo Fisichella, Jaques Villeneuve und Kimo Räikkönen saßen bei Sauber schon hinter dem Steuer.
In diese Fußstapfen wird Kamui Kobayashi in der Formel-1-Saison 2010 treten. Er ist der 17. Japaner in der Formel-1-Geschichte. Die Erwartungen in dem Rennstall werden nicht allzu hoch sein, aber durch insgesamt vier komplette neue Rennställe können sich Kobayashi und Sauber gute Chancen auf regelmäßige Punktgewinne ausrechnen. Ob es für den Japaner zu mehr reicht oder er wie sein ehemaliger Rivale Grosjean wieder schnell von der Bildfläche verschwindet, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
