Sehr zurückhaltend, fast schon als bescheiden einzustufen feierte der neue Rennwagen des Teams Mercedes GP Petronas seine Weltpremiere. Die Fahrer Michael Schumacher und Keke Rosberg zogen im spanischen Valencia die Plane vom neuen MGP W02; dies ohne großes Brimborium, ohne feierlichen Festakt, sondern unmittelbar vor den ersten Testfahren des 01. Februar 2011. Es ist das zweite Jahr, in dem Michael Schumacher für die Marke mit dem Stern an den Start geht. Der neue Rennwagen soll es ihm aber ermöglichen, besser abzuschneiden als 2010: Schumacher belegte nur den 9. Platz in der Fahrer-Weltmeisterschaft; angesichts seiner vorangegangenen, über drei Jahre währenden Pause vom aktiven Formel 1-Zirkus wiederum auch nicht schlecht.

Der Mercedes MGP W02 und seine Details

In der Bauart unterscheidet sich der neue MGP W02 nicht von der in der Formel 1 üblichen Bauweise. Die Karosserie – beim Rennwagen dieser Klasse Monocoque genannt – ist aus Glasfaserguss und einer Waben-Kompositstruktur gefertigt. Die Aufhängung setzt sich aus Querlenkern und stößelbetätigten Torsionsfedern sowie Kipphebeln zusammen. Penske liefert die Stoßdämpfer zum MGP W02; die Räder aus geschmiedetem Aluminium stammen aus dem Hause BBS; sie tragen schwarzes Gummi der Marke Pirelli. Bremszangen von Brembo sitzen auf den Bremsscheiben aus Karbon, aus dem ebenso die Bremsbeläge gefertigt werden.

Technische Daten zu Motor und Getriebe

Michael Schumacher und Nico Rosberg steuern das Fahrzeug über ein Lenkrad, das als Glasfaserkonstruktion auf einer servounterstützten Zahnstange sitzt. Das Siebengang-Getriebe mit Aluminium Getriebegehäuse wird geschaltet per sequenzieller Halbautomatik, die wiederum über eine hydraulische Aktivierung verfügt. Die Kupplung funktioniert über eine Karbonplatte. Der Motor mit dem Kennbuchstaben FO108Y hat einen Hubraum von 2,4 Litern, acht Zylinder, 32 Ventile, eine Bohrung im nach Fia-Regeln zulässigen Höchstwert von 98 Millimetern und einen Zylinderbankwinkel von 90 Grad. Sein Gewicht beträgt 95 Kilogramm.

Die Maximaldrehzahl des Kraftpaketes darf den Regeln der Motorsportbehörde FIA gemäß 18.000 Umdrehungen pro Minute betragen. Mit einer derartigen Kraft im Rücken können Schumacher und Rosberg ihren insgesamt 4,80 Meter langen, 95 Zentimeter hohen und 1,80 Meter breiten Wagen an die Spitze des Feldes setzen. Der Mann, der für die Fertigung der Motoren verantwortlich ist, ist der am 02. Januar 1965 in Haiger bei Stuttgart geborene Thomas Fuhr, der seit 2009 als Geschäftsführer der Firma Mercedes-Benz High Performance Engines fungiert. Er durchlief Karriereschritte in der Qualitätssicherung des Autobauers, arbeitete als Produktions-Manager und Produktionsplaner; unter anderem auch für den Sportwagen Mercedes SLR McLaren.

Die Schlüsselpersonen rund um das Formel 1-Engagement von Mercedes-Benz

Allen Personen voran, die mit dem MGP W02 zu tun haben, steht der Motorsportchef von Mercedes-Benz, Norbert Haug. Seit 20 Jahren ist er für die Motorsport-Engagements der Marke zuständig. Der frühere Chefredakteur des Fachmagazins "sport auto“ wurde am 24. November 1952 in Pforzheim geboren. Am 23. November 1954 erblickte Ross Brawn im englischen Manchester das Licht der Welt, der aus dem ehemaligen Honda-Werksteam das Team Brawn GP formte, dabei auf Mercedes-Power vertraute und mit Jenson Button gleich im ersten Jahr (2009) den Weltmeister stellte. Der Engländer gilt als ebenso begnadeter Konstrukteur wie Rennstratege.

Dies stellte Brawn als der Mann der Technik unter Beweis, der stets hinter Michael Schumacher stand und diesem den Gewinn der sieben WM-Titel erst ermöglichte. Daher blieb er auch Teamchef, als Mercedes-Benz sein Team aufkaufte und Anfang 2010 zum Werksteam der Stuttgarter umbaute. Vorstandsvorsitzender des Teams Mercedes GP Petronas ist Nick Fry, der am 29. Juni 1956 im britischen Epsom geboren wurde. Nach seinem Studienabschluss 1977 in Wales machte Fry sich bis zu seinem Wechsel in den Motorsport 2001 auch als Produktplaner, Service-Direktor und Markenmanager bei der Fertigung von Serienautos im Ford-Konzern einen Namen.

Die ersten Neuerungen am MGP W02

Die Änderungen gegenüber dem Vorjahresmodell neben einer neuen Lackierung fallen schon an der Front ins Auge: Die Nase baut höher und breiter. Mit zwei seitlichen Höckern auf der Höhe der Vorderachse folgt Mercedes GP Petronas dem Design von Red Bull 2010. Der zweigeteilte Lufteinlass des MGP W01 erhielt der neue MGP W02 wieder einen herkömmlichen Einlass mit dreieckigem Querschnitt. Mit an Bord ist auch das neue Energierückgewinnungssystem KERS Hybrid, das durch kurzzeitigen Einsatz von mehr Leistung für mehr Überholvorgänge und eine bessere Show sorgt. Auch der Heckspoiler ist unter bestimmten Bedingungen verstellbar. Weitere News folgen zum Test in Barcelona.

Das Auto wirkt insgesamt kleiner und zierlicher als das Vorjahresmodell. Die Seitenkästen des neuen MGP W02 sind in den Abmessungen reduziert. Auch die Stelzen für den Frontflügel ragen im Gegensatz zum letztjährigen Renner weiter nach vorne: Gut für einen ungestörten, verwirbelungsfreien Luftstrom an der Front. Das Heck wurde weniger massig gestylt, weil die Designer das Zugstrebenprinzip vom Konstrukteursweltmeister 2010 übernommen haben: Die Anlenkpunkte der Hinterachskonstruktion liegen am Boden statt auf dem Dach des Getriebes. Reduziert wurde auch das Gewicht der Leistungselektronik und Batterien: Die in einer Kassette schwerpunktsenkend in den Unterboden eingelassene Technik wiegt nur 23 Kilogramm.

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