Man stelle sich die Düsseldorfer (Kölner, Berliner, Hamburger) Innenstadt an einem Samstag vor. Total überfüllt. Nach langer Suche hat man einen Parkplatz gefunden und versucht mühsam, den Pkw in die kleine Lücke zu manövrieren. Die anderen Autofahrer stimmen ein Hupkonzert an, es herrscht wenig Verständnis für das Park-Manöver, mit dem man die Straße blockiert. Wäre in dieser Situation eine Formel, mit der man problemlos in jede Parklücke kommt, nicht ein Geschenk des Himmels?
Solch ein Geschenk präsentiert uns Dr. Norbert Herrmann mit seiner „Einparkformel“. Herrmann arbeitete früher als Wissenschaftler am Institut für Angewandte Mathematik der Universität Hannover und beschäftigte sich intensiv mit dem Phänomen des Rückwärts-Einparkens.
Seit Februar 2008 hat Dr. Norbert Herrmann mit seiner Frau Gabriele den (Alters-) Wohnsitz nach Meißen verlegt.
Da wie dort muss auch Dr. Norbert Herrmann täglich seinen Wagen rangieren. Der Mathematiker hat sich dabei folgende Fragen gestellt:
• Wie breit muss die Lücke mindestens sein, damit ich mit meinem Wagen dort hinein komme?
• In welchem Abstand p beginnt man das „Spielchen“?
• Welchen Kreisbogen sollte man fahren, wie groß ist also der Winkel α?
Abstrakte mathematische Formel
Rückwärts einparken ist einfacher als vorwärts, das hat man in der Fahrschule gelernt. Man dreht vorne die Reifen ein und die Hinterräder bleiben starr. Dadurch legen die Vorderräder einen viel größeren Weg zurück als die Hinterräder. Den Punkt macht sich Dr. Herrmann beim Rückwärtseinparken zunutze. Auch wenn der Platz kaum größer ist als das Auto lang, sieht der Mathematiker kein Problem.
Die abstrakte mathematische Formel ist lang, sie besteht aus einer Reihe Ziffern, Wurzelgleichungen, Radiusberechnungen und Buchstaben und ist für den autofahrenden Mathe-Laien unverständlich. Man kann sie auch nicht am Straßenrand anwenden, ganz ohne Maßband und Winkelmesser.
Stoßstange an Stoßstange ist falsch
Die Formel zeigt uns aber, dass das angeeignete Fahrschulwissen nicht stimmt. So lernt jeder Fahrschüler, dass man zu Beginn des Einparkvorgangs Stoßstange an Stoßstange stehen solle. Es ist nach der Formel von Dr. Herrmann aber viel günstiger, wenn die Hinterachse parallel zur Stoßstange des rechten Autos steht. Außerdem steht man fast immer zu weit vom Nachbarauto weg. So nah wie möglich an das parkende Nachbarauto ran, sagt die Formel. Nur so könne ein kleiner Kreisbogen gefahren werden. Der dritte Fehler: Nicht eine Umdrehung, sondern vollständig einschlagen sollte man das Lenkrad bevor man losfährt. Und dasselbe –in entgegengesetzter Richtung – gilt für den zweiten Teil des Einparkmanövers. So hat man beide Male einen Kreisbogen mit demselben Winkel durchfahren.
Befolgt man diese drei Dinge, benötigt man nach Dr. Herrmann keine Acht-Meter-Lücke, sondern kommt mit knapp unter fünf Metern aus.
Noch mehr Spaß an Mathematik? Dann kann man mit dem in den Fahrzeugpapieren angegebenen Wenderadius für jede Automarke den benötigten Parkplatz berechnen. Ein VW Golf braucht demzufolge bei einem Einfahrtswinkel von 42 Grad eine genau 5,50 Meter große Parklücke, ein Mercedes E-Klasse muss schon nach 6,27 Meter Platz suchen. Je kleiner der Wagen, desto erfolgreicher die Parkplatzsuche.
Automatische Einparksysteme
Vollautomatisches Einparken ermöglichen heute moderne Bordcomputer. Diese Einparkhilfen analysieren auf Basis der Herrmann'schen Formel eigenständig die Größe der Parklücke - und berechnen dann die Strecke und den Winkel.
Der Fahrer muss nichts weiter tun, als den Rückwärtsgang einzulegen und leicht Gas zu geben. Ansonsten kann er sich ganz entspannt zurücklehnen. So bequem kann Einparken sein.
