Formen der Legasthenie-Therapie

Wie Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) geholfen wird

Wenn bei ihrem Kind eine Legasthenie festgestellt wurde, sind Eltern oft ratlos, wie sie einen geeigneten Therapieplatz finden sollen. Darauf sollten sie achten:

Die Tests haben ergeben: Das Kind leidet an einer Lese-Rechtschreib-Störung. Jetzt müssen die Eltern etwas unternehmen, um einen Therapieplatz zu finden. Je nach Region stehen viele oder kaum Anbieter zur Verfügung. Diagnostizierende Stellen und Jugendämter können die in ihrem Bereich zugelassenen Einrichtungen und Therapeuten nachweisen. Doch die Auswahl treffen die Eltern selbst. Sie sollten sich zunächst über die verschiedenen Therapieformen informieren und sich die infrage kommenden Einrichtungen und Therapeuten näher ansehen.

Gruppen-Training hilft nur in leichten Fällen

Vor allem kommerzielle Lerninstitute bieten ein solches Training an, auch an manchen Schulen findet es in Ergänzung zum normalen Unterricht statt. Es wird von einer auf das Störungsbild LRS spezialisierten Person geleitet. Diese stellt ein Set von Materialien bereit, mit deren Hilfe geübt wird. In manchen Einrichtungen sind dies vorwiegend Computerprogramme, in anderen kommt man ohne solche aus. Schritt für Schritt arbeiten die Kinder das Material durch. Dies wird ergänzt durch Gespräche und Spiele, um die Motivation zu fördern.

In einer Gruppe von zwei bis sechs (manchmal mehr) Kindern kann natürlich nicht ganz individuell auf die Schwierigkeiten jedes Einzelnen eingegangen werden. Daher ist diese Therapieform nur dann geeignet, wenn eine leichte Störung vorliegt und das Kind von sich aus bereit ist, durch zusätzlichen Einsatz gewisse Defizite aufzuholen.

Einzeltherapie geht die Störung individuell an

Bei mittleren bis schweren Problemen mit dem Lesen- und Schreibenlernen ist eine Einzeltherapie unbedingt zu empfehlen. Sie arbeitet auf Grundlage der partnerschaftlichen Beziehung, die sich zwischen Kind und Therapeut entwickelt. Der Therapeut sollte einen ganzheitlichen Ansatz vertreten. Das bedeutet, dass er nicht in erster Linie bestrebt ist, einzelne Symptome wegzutherapieren, sondern dass er das Kind als Person mit all seinen besonderen Stärken und Schwächen im Blick hat. Ein solcher Therapeut führt während der Arbeit den Prozess der Diagnose fort und reagiert sensibel auf jede Veränderung. Er setzt dort an, wo das Kind steht und ermutigt es ständig, einen weiteren Schritt zu tun.

Vielleicht wird zunächst gar nicht geschrieben und gelesen, weil Aversionen und Ängste dem im Weg stehen oder weil grundlegende Funktionen der Sprache oder der Motorik vorrangig trainiert werden müssen. Die Therapie sollte das Umfeld des Kindes, den Kontakt zu seinen häuslichen und schulischen Kontaktpersonen einschließen: In Gesprächen mit Eltern und Lehrern werden Hintergrundinformationen gewonnen, Fort- oder Rückschritte erörtert und Hinweise gegeben, welche Maßnahmen oder Verhaltensweisen zum gegenwärtigen Zeitpunkt hilfreich sind. Leistungsdruck, Strafen und Schuldzuweisung, aber auch Überbehütung und Bemitleidung stehen einem Fortschritt im Weg. Sie sollten im Zuge der Therapie einer zuversichtlichen, vertrauensvollen Einstellung Platz machen. Darauf wirkt ein qualifizierter Therapeut immer hin.

Integrative Lerntherapie kombiniert verschiedene Ansätze

Einseitige Methoden wie nur therapeutisches Gespräch, nur motorische Übungen, nur Lese- oder Schreibtraining haben sich bei Legasthenikern nicht bewährt. Integrierte Modelle sind also immer vorzuziehen. Sie gehen davon aus, dass nur eine positive Lernumgebung Erfolge bringen kann und motivieren das Kind zum Annehmen seiner Problematik. So wird es ermutigt, seine Stärken weiter auszubauen und an seinen Schwächen zu arbeiten. Gleichzeitig wird ein systematisches, wissenschaftlich begründetes Modell zum Spracherwerb an den Einzelfall angepasst und bildet den Hintergrund für die einzelnen Übungsphasen. Aus der Beziehung zum Therapeuten, dessen Verständnis und Wertschätzung, zieht das Kind die Kraft, an seinen Schwächen zu arbeiten. Kleine Erfolge werden wahrgenommen und gelobt, so dass das Selbstwertgefühl allmählich wachsen kann. Dies ermöglicht es dem Kind, die angebotenen Lese- und Schreibübungen zu machen, die nötig sind, um seine schulischen Defizite aufzuholen und aus dem Teufelskreis Versagen - Abwertung - Verweigerung - noch mehr Versagen herauszukommen.

Lösungsorientierte Methoden zur Therapie der LRSIntegrative Therapie ist lösungsorientiert: Sie nutzt wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Gebieten der Medizin, Psychologie, Pädagogik und Linguistik und setzt diese individuell ein, um den jeweiligen Schüler so weit zu fördern, dass er auf Dauer zu einem selbständigen, erfolgreichen Leben in der Gemeinschaft fähig wird. Dazu erarbeitet der Therapeut zusammen mit dem Kind und seinen Bezugspersonen Lösungswege, die aus ihrer Situation herausführen. Alle Beteiligten werden ermutigt diese mitzugestalten und zu gehen. Es versteht sich von selbst, dass ein solcher Prozess Zeit braucht. Gelassenheit, Geduld und ein vertrauensvolles Verhältnis aller Beteiligten ist die beste Voraussetzung für einen Erfolg. Auch wenn die Störung durch die Therapie nicht behoben werden kann, sondern nur gemildert und von Kind und Umwelt akzeptiert wird, ist dies ein großer Fortschritt.

Umfassende Informationen zum Problem der Legasthenie und deren Therapie bietet der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie auf seiner Internetseite.

Ruth Lisa Knapp, Ruth Lisa Knapp

Ruth Lisa Knapp - Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie war ich als Lehrerin im In- und Ausland tätig, später als ...

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