
- Die Forsa-Resultate vom 2.9.2011 - Harald Rossa
Am 18. September 2011 finden in Berlin die Wahlen zum Abgeordnetenhaus, dem Landtag von Berlin, und zu den Bezirksverordnetenversammlungen der 12 Berliner Bezirke statt.
In den beiden vorangegangenen Legislaturperioden wurde Berlin von einer Koalition aus SPD und Linke regiert. Regierender Bürgermeister war Klaus Wowereit. Bei der Wahl am 18. September machen sich 3 Spitzenkandidaten Hoffnung auf das Amt des Regierenden Bürgermeisters: Amtsinhaber Klaus Wowereit, Oppositionsführer Frank Henkel und die Spitzenkandidatin Renate Künast von den Grünen.
Die Entwicklung der Umfragen vor der Wahl
Zu Beginn des Wahlkampfes in Berlin erlebten die Berliner Grünen in Umfragen einen historischen Höhenflug. Im Gefolge der Katastrophe von Fukushima und dem grandiosen Wahlerfolg der Grünen unter Winfried Kretschmann bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg überholten ihre Umfragewerte bei der Sonntagsfrage die der SPD und vor allem die der CDU deutlich. Renate Knast sah eine reelle Chance zur Bildung einer Landesregierung unter schwarzer Führung mit der CDU als Juniorpartner.
Hier als Beispiel die Umfrageergebnisse von Infratest-dimap, die im Auftrag vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) erhoben und am 6. April 2011 publiziert wurden:
CDU 21 %, SPD 26 %, Grüne 28 %, FDP 3 %, Linke 15 %, Sonstige 7 %
Im Verlauf der nächsten Monate gab es bei der Sonntagsfrage zwei deutliche Verlierer. Das war einerseits die Linke. Sie schaffte es vor allem dank der Selbstbeschäftigung mit Themen, die für die Mehrheit der Wähler nicht besonders relevant sind, sich in der Wählergunst auf Werte um 10 Prozent zu reduzieren. Daneben fand der Höhenflug der Grünen ebenfalls ein Ende. Dabei sind vor allem drei Ursachen zu sehen. So ist Renate Künast bei den Berliner Wählern wohl nicht besonders gut angekommen. Ihre persönlichen Sympathiewerte konnte sie im Vergleich zum Amtsinhaber Wowereit nicht wirklich steigern. Der eine oder andere Wähler findet ihre Fokussierung auf das Amt des Regierenden Bürgermeisters wohl auch nicht besonders überzeugend. Doch ein ganz wichtiger Effekt für das Absacken der Grünen in der Wählergunst ist ein anderer: die neu antretende Piratenpartei wildert kräftig vor allem unter den Anhängern der Grünen.
Die Piraten halten die Berliner Wahl spannend
Seit dem 3. September 2011 liegen die neusten Zahlen von Forsa zur Sonntagsfrage vor:
CDU 21 %, SPD 32 %, Grüne 19 %, FDP 4 %, Linke 11 %, Piraten 5 %, Sonstige 8 %
Zum Vergleich hier noch Werte, die Emnid für die B.Z. erhob, vom 30. August:
CDU 24 %, SPD 33 %, Grüne 19 %, FDP 5 %, Linke 11 %, Piraten 4 %, Sonstige 4 %
Forsa ist nun das erste Institut, das den Piraten das Knacken der 5 Prozent-Marke zutraut. Andere Institute sehen diese neue Partei im Augenblick überwiegend bei 4,5 Prozent. Und damit machen die Piraten die Wahl am 18. September wirklich spannend. Schaffen sie den Sprung in das Abgeordnetenhaus, denn wäre unter Umständen eine Koalition aus SPD und Grüne ebenso denkbar wie eine von CDU und Grün. Schaffen sie es nicht, dann könnte sogar eine Fortsetzung der Rot-Rot-Koalition möglich werden. Für die FDP sieht übrigens kein Institut eine reale Chance zur Überwindung der 5-Prozent-Hürde bei der Wahl am 18. September 2011. Und die NPD wird inzwischen mehrheitlich bei Werten um 1 Prozent eingestuft.
Quellen:
- forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse mbH
- Berliner Zeitung vom 3.9.1011
- B.Z. vom 30.8.2011
