Verpaarte Rabenvögel sind oft zärtlich miteinander und kümmern sich fürsorglich um ihren Nachwuchs. Das ist auch notwendig, denn sie brüten nur einmal im Jahr und müssen daher alles tun, damit sich ihre Jungen gut entwickeln. Bei vielen Rabenvogelarten bleiben die Paare das ganze Leben lang zusammen. Hier wird die Fortpflanzung der Dohle, der Saatkrähe und der Elster genauer beschrieben.

Fortpflanzung der Dohle

Hat sich ein Dohlenpaar gefunden, schnäbeln, kraulen und füttern sich die Partner gegenseitig oder fliegen und hüpfen gemeinsam. Dadurch festigen sie den Zusammenhalt, und die Bindung hält ein Leben lang. Schon im zeitigen Frühjahr sucht sich das Dohlenpaar eine geschützte Stelle für sein Nest. Das kann beispielsweise eine Baumhöhle oder eine Mauernische in einem alten Gebäude sein. Da das Paar nur einen kleinen Bereich um sein Nest herum gegen andere Nistplatz suchende Dohlen verteidigt, liegen die Nester manchmal so nah beieinander, dass Brutkolonien entstehen.

Das Dohlenpaar baut sein Nest gemeinsam und polstert es zum Schluss mit Tierhaaren, Federn, manchmal sogar mit kleinen Papierstückchen aus. Gelegentlich bekommt das Brutpaar Unterstützung von einem sogenannten Helfervogel. Das ist meist eine junge, noch unerfahrene Dohle. Der Helfervogel sammelt auf diese Weise wichtige Erfahrungen und hat es später leichter, ein eigenes Revier zu gründen.

Ende April, Anfang Mai legt das Weibchen vier bis sechs Eier. Es brütet allein und wird vom Männchen gefüttert. Die geschlüpften Küken sind bestens versorgt. Das Weibchen wärmt sie, und das Männchen bringt emsig Futter herbei. Die Nahrung besteht aus Insekten, Spinnen und Würmern. Diese Tierchen enthalten viel Eiweiß, das wichtig für die Entwickung der jungen Dohlen ist. Wenn die Jungvögel schon ein bisschen größer geworden sind, beteiligt sich auch das Weibchen an der Herbeischaffung der Nahrung. Es dauert noch rund einen Monat, bis der Dohlennachwuchs selbstständig ist. Solange kümmern sich seine Eltern noch um ihn.

Fortpflanzung der Saatkrähe

Auch die Saatkrähen sind monogam, bleiben also ein Leben lang zusammen. Schon im Winter werben die Männchen mit leise plaudernden Gesängen um die Gunst der Weibchen, die sich auch gern von ihren zukünftigen Partnern füttern lassen. Das Typische an den Saatkrähen sind ihre großen Brutkolonien. Aber selbst wenn die Nester ganz dicht beieinander liegen: Streit gibt es selten.

Im Februar beginnen beide Partner mit dem Bau des Nestes und polstern es gut mit Haaren, Federn und Moos aus. Das Nest befindet sich häufig in einem hohen Baum, etwa einer Pappel. Im März legt das Weibchen drei bis sechs Eier. Das Saatkrähenpaar meistert das Brutgeschäft gemeinsam: Das Weibchen übernimmt die Bebrütung der Eier und die Wärmung der Küken, während das Männchen die Familie mit insektenreicher Nahrung versorgt. Auch wenn die Jungen schon fliegen können, werden sie noch etwa sechs Wochen von ihren Eltern weitergefüttert.

Fortpflanzung der Elster

Wie Dohlen und Saatkrähen sind auch die meistern Elsternpaare monogam. Bei diesen bekannten Rabenvögeln lassen sich zwei Gruppen unterscheiden. Zum einen gibt es die verpaarten Elstern, die ein eigenes Brutrevier besitzen und dieses gegen Artgenossen verteidigen. Zum anderen gibt es die Gruppe der Partner- und revierlosen Elstern, die sogenannten Habenichtse. Diese noch sehr jungen Vögel sind natürlich ebenfalls bestrebt, einen Brutpartner zu finden und ein eigenes Revier zu gründen. Die nichtbrütenden Elstern schließen sich zu kleineren oder größeren Gruppen zusammen. Manchmal organisieren ranghöhere, bereits verpaarte Gruppenmitglieder sogar richtige "Banden". Gemeinsam mit ihren Kumpanen belästigen sie dann die Revierbesitzer so lange, bis diese die Entstehung eines neuen Reviers in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft dulden. Dann kann das ranghöhere Elsternpaar dort brüten.

Sein Nest baut es im Februar, entweder in einem hohen Baum oder manchmal auch gut versteckt in dornigen Hecken oder Büschen. Nach etwa zwei bis vier Wochen ist das große kugelige, aus Ästen und Zweigen bestehende Nest fertig. Es hat einen seitlichen Eingang und ist häufig überdacht. Im April legt das Weibchen vier bis sieben Eier. Sie haben eine hellblaue oder grünliche Färbung und sind braun oder grau gefleckt. Das brütende Weibchen wird vom Partner gefüttert. Nach dem Schlupf der Küken beteiligt es sich an der Fütterung des Nachwuchses. Sind die jungen Elstern ausgeflogen, bleiben sie noch bis zu acht Wochen mit ihren Eltern zusammen und werden von diesen versorgt.

Quellen:

Wolfgang Epple: Rabenvögel. G. Braun Buchverlag. 1997. Karlsruhe.

Thomas Schmidt: Entdecke die Rabenvögel. Natur und Tier-Verlag, 2013, Münster.