Nach den Ereignissen kurz vor Ende des Relegationsspiels Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC Berlin in der Esprit-Arena legte der Berliner Absteiger Protest gegen die Wertung der Begegnung ein: Fans hatten zwei Minuten vor Ende der Nachspielzeit den Platz geflutet und die Hertha damit möglicherweise um einen noch kommenden dritten Treffer gebracht, den sie in den beiden letzten dann doch noch gespielten Minuten nicht mehr erzielen konnte. Dazu gab es Auseinandersetzungen von Spielern mit dem Schiedsrichter. Die Sportgerichtsbarkeit vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Frankfurt tagte am 18. Mai und sprach ein Machtwort: Im Urteil vom 21. Mai 2012 wurde der Protest von Hertha BSC gegen die Wertung zurückgewiesen. Es werde, so der Richter am Sportgericht Hans E. Lorenz, keine Wiederholung des Relegationsspieles geben. Im Grundsatz gelte, so der Richter, gelte, dass Spiele auf dem Platz entschieden würden. Es gebe Ausnahmen: Nehmen gedopte und nicht berechtigte Spieler am Spiel teil oder hätte der Schiedsrichter Fehler gemacht, wäre eine Wiederholung machbar. Doch eben so etwas habe es nicht gegeben. Ganz im Gegenteil: Der Beurteilung der Medien der guten Leistung des Unparteiischen in der Berichterstattung schließe sich das Sportgericht an. Das Gericht sagte in der Urteilsbegründung, dass es keine Einschüchterung oder Bedrohung von Berliner Spielern habe erkennen können. Psychische Beanspruchung oder Beleidigungen seien kein Grund, ein Spiel zu wiederholen. Lorenz: "Aufgrund dieser Erwägungen stellen wir fest, dass ein Einspruchsgrund nicht vorliegt und der Einspruch als unbegründet zurückzuweisen war."

Aber die Fortuna habe eine Strafe zu erwarten, weil in Sachen Bundesligatauglichkeit im Umfeld ein Bedarf an Nachbesserung zu herrschen scheine und die Fans nichts im Innenraum zu suchen hatten. Wie erwartet, legte Hertha BSC Einspruch vor dem Bundesgericht des DFB ein, zu dessen drei Verhandlungstagen zahlreiche Zeugen, so auch Otto Rehhagel, erschienen. Am 25. Mai 2012 jedoch wurde der Einspruch der Berliner auch dort abgewiesen. Der Vorsitzende Richter Götz Eilers bestätigte das Urteil der Ersten Instanz. Neue Fakten konnte der Anwalt des Beschwerdeführers nicht vorbringen; auch die Taktik, die Glaubwürdigkeit des Schiedsrichters zu erschüttern, hatte keinen Erfolg. Allerdings: Auch hier ist noch ein Einspruch beim DFB-Schiedsgericht möglich.

Verhandlung vor dem Sportgericht des DFB

Zuvor stellte der Vorsitzende Richter klar, dass das Sportgericht des DFB in seiner Sitzung nur darüber entscheide, wie das Spiel gewertet wird. Es sei kein Strafverfahren gegen die Vereine Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC oder einzelne Spieler. Diese Verfahren, so Lorenz sinngemäß, würden in der Folgewoche durchgeführt. Zur Verhandlung in der Frankfurter Zentrale des DFB reisten an: Schiedsrichter Wolfgang Stark, Finanzvorstand Paul Jäger und Anwalt Horst Kletke für die Fortuna sowie Manager Michael Preetz und Anwalt Christoph Schickhardt für Hertha BSC. Nahezu alle Anwesenden sahen den Einspruch von Hertha als letzten Versuch, den Abstieg in die 2. Bundesliga zu verhindern.

Wolfgang Stark als Zeuge vor Gericht

"Der Spieler Lewan Kobiaschwili hat mit ausgestreckter Faust in meine Richtung geschlagen. Ich habe mich weggeduckt, bin dann am Hinterkopf getroffen worden. Einzig das Treppengeländer verhinderte einen Sturz, und das wären fünf bis sechs Meter gewesen." so der Schiedsrichter vor Gericht. Herthas Christian Lell habe ihn auf das Schärfste attackiert, am Arm gepackt und mit "Du feiges Schwein" bezeichnet; André Mijatovic habe ihn Wichser genannt. Die Berliner Spieler hätten in die Kabine der Schiedsrichter wollen, die die Unparteiischen immer wieder zudrücken mussten. Weitere Beleidigungen seien gefallen; Stark habe nach eigenen Angaben Angst und war den Tränen nahe, weil er sowas noch nicht erlebt habe.

Zusammenfassung: Was geschah bei Fortuna Düsseldorf - Hertha Berlin?

Der Abend des 15. Mai 2012 endete im Chaos: Fortuna Düsseldorf wollte den Aufstieg in die 1. Bundesliga und schaffte ihn auch. Das 2:2 gegen Hertha BSC Berlin hat gereicht. Unerfreulich auf dem Weg dorthin die Spielunterbrechung wegen des Zünden von Feuerwerkskörpern in beiden Fanblöcken. Schiedsrichter Wolfgang Stark (42) aus Ergolding ließ sieben Minuten nachspielen. Fast zwei Minuten vor Schluss wurde ein Pfiff von ihm als Schlusspfiff missverstanden: Die Fortuna-Fans fluteten den Rasen der Esprit-Arena. Spieler und Schiedsrichter verließen fluchtartig das Feld. In den Gängen und Kabinen der Sportstätte warteten sie ab, was auf dem Platz passieren würde. Tatsächlich gelang es den Verantwortlichen, die Fans vom Spielfeld wegzuschaffen.

Schiedsrichter Stark entschied sich daraufhin, die letzten zwei Minuten noch über die Bühne zu bringen. Offiziell hieß es aber, dies sei nur deswegen passiert, weil die Polizeikräfte vor Ort aus angeblicher Angst vor weiterer Eskalation und einem Blutbad ausdrücklich darum gebeten hatte. Tatsächlich sah es so aus, als ob die Berliner die Partie in letzter Sekunde für sich entscheiden und den Abstieg damit vermeiden könnten. Die Düsseldorfer waren kräftemäßig am Ende, doch sie schafften es, das 2:2 auch über die letzten Sekunden zu retten. Damit war aus sportlicher Sicht der Aufstieg perfekt. Weniger perfekt war aber das, was in der fast 25-minütigen Spielpause geschehen war: So musste der Schiedsrichter Beleidigungen und Angriffe über sich ergehen lassen.

Schlug Kobiaschwili den Schiedsrichter in den Rücken?

Speziell der Berliner Spieler Lewan Kobiaschwili (34) geriet in den Fokus: Er soll den Schiedsrichter verfolgt und mit der Faust zwischen Schulter und Nacken geschlagen haben. Auch von einem Schlag ins Gesicht und Beschimpfungen in der Art, dass der Unparteiische ein Feigling sei, war in den Medien die Rede. Schiedsrichter Stark, der für sein besonnenes Handeln schon am Abend des Spieles viel Lob erhalten hat und als einziger deutscher Schiedsrichter bei der Euro 2012 pfeift, musste vom Düsseldorfer Mannschaftsarzt Ulf Blecker behandelt werden und ergriff die Möglichkeit, bei einem anwesenden Mitarbeiter der Kriminalpolizei Strafanzeige wegen Körperverletzung zu erstatten. Eine bislang einmalige Entwicklung im deutschen Fußball.

Die Polizei bestätigte, dass es ein Ermittlungsverfahren geben würde. Der DFB hingegen setzte seinen Kontrollausschuss in Bewegung und leitete Ermittlungen gegen Andre Mijatovic, Thomas Kraft und Christian Lell ein. Gegen den Düsseldorfer Andreas Lambertz wurden Stimmen laut, weil er nach Spielende mit einem Bengalischen Feuer auf dem Rasen fotografiert wurde. Dem aus Georgien stammenden und früheren Schalker Kobiaschwili jedoch drohe wegen seines schweren Vergehens gegen den Schiedsrichter gemäß § 8 der Recht-Verfahrens-Ordnung des DFB härtere Strafen: Eine Sperre von sechs Monaten bis zwei Jahren. Stark habe sich, so der Verband, korrekt verhalten: Er sei zur Verlängerung der Nachspielzeit berechtigt, nicht zu deren Verkürzung.

Zusammenfassung: Fortuna Düsseldorf - Hertha Berlin, die Ausschreitungen

Norbert Meier zum Verhalten von Wolfgang Stark

Damit habe Stark gar keine andere Möglichkeit gehabt, als zu Ende spielen zu lassen, so die Regel. Dafür bekam er viel Anerkennung, so auch von Fortuna-Trainer Norbert Meier, der sich in der Lokalzeitung Rheinische Post äußerte: "Ich muss ehrlich sagen: Ich war letztendlich dann froh, dass Herr Stark immer die Übersicht behalten hat. Dass er nicht irgendwo Hektik ausgestrahlt hat oder Aktionismus, sondern ganz ruhig sich das alles angeguckt hat, beruhigend eingewirkt hat auf beide Mannschaften und auch auf das, was draußen passiert ist. Deswegen: Kompliment an Herrn Stark für seine Leistung!" Assistiert wurde Stark von Mike Pickel aus Mendig und Jan-Hendrik Salver aus Stuttgart. Beleidigt von Hertha-Spielern: "Ihr seid doch einfach nur feige, feige seid Ihr!"

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