Im Fokus: Die ganz persönlichen Momente von Menschen mit ihren Tieren - dem Bären aus Plüsch, der Katze aus Samt oder dem Hund aus Stoff. Mit seinen Momentaufnahmen in dieser temporären Ausstellung rückt der Fotograf Ralf Weiss die sehr privaten Beziehungen und innigen Verhältnisse von Menschen zu ihren Lieblingen in die Öffentlichkeit.

Die Ausstellung „Menschen mit ihren Plüschtieren“ hat Tiefgang

Neben Bär, Wolf & Co. sind seine Protagonisten Schauspieler, Kulturautoren und Musiker, er selbst Mediendesigner, Kameramann und Fotograf - die Bilder sind zweierlei: Inszenierte Kunst und Betrachtung emotionaler Momente. Und damit präsentiert der Fotodesigner in seiner neuen Serie „Von Bären und Menschen“, die Verquickung von künstlerisch in Szene gesetzter Authentizität.

Die exzellenten Doppelportraits sind wie an einer Wäscheleine in sechs Linien nacheinander aufgereiht, scheinen direkt aus dem Labor zu kommen. Viele verweisen in die Vergangenheit: Lange Wäschereihen aus Laken und Tüchern über frischen Wiesen - zum Trocknen aufgehängte Wäsche im Wind. Erwachsene mit ihren Lieblingstieren schauen den Betrachter an, lassen ihn am Gefühl teilhaben und Interaktion stattfinden: So scheint der Blick des Protagonisten den Betrachter an die Hand zu nehmen und ihn zurück in die Vergangenheit zu führen. In Gemeinschaft mit den plüschigen Nachbildungen von Bär oder Biber, Schlange oder Kamel, Maus oder Katze werden Kindheitsgefühle wach, können Protagonist und Betrachter wieder zu Kindern werden.

Dialog in alter Kulisse

Für die Fotoausstellung zeichnet sich die alte Schmiede im Münchner Westen inhaltlich und künstlerisch als adäquater Ort aus. Jan Frommel stellte den Raum unter der gläsernen Decke, Wäscheleinen und Klammern zur Verfügung. Die gehängten Bilder zeigen Menschen mit ihren plüschigen Freunden aus unterschiedlichen Generationen und Lebensmomenten aller Art: „Dieser Teddy stammt aus der Zeit, als ich drei oder vier Jahre alt war. Ich war Einzelkind und da waren die Tiere für mich besonders wichtig“, erinnert sich der Fotograf. „Dieses Foto mit meinem Teddy habe ich mit Selbstauslöser geschossen, es ist in der Süddeutschen Zeitung drin.“ und damit verweist er auf die dort abgedruckten Statements zur neuen Ausstellung. Den Weg in die Reihe der ausgestellten Exponate fand das Selbstportrait mit Plüschteddy nicht, wohl aber ließ sich Ralf Weiss gerne mit Plüschtier im Foto nochmals für den Suite101-Online-Artikel ablichten.

Kuscheltiere bergen große Gefühle

Als Kummerkasten, Geheimnisträger oder Einschlafhilfe aus Kindertagen oder im heutigen Leben von Erwachsenen spielen Kuscheltiere oft eine wichtige Rolle, können Talisman, Orakel oder Sammlerstück sein. Die Ausstellung „Von Bären und Menschen – Intime Einblicke“ zeigt beides. Sie stellt Gesichter mit Kindheitserinnerungen neben Gesichter, die einen aktuellen Bezug zu ihren Plüschtieren aufweisen und portraitiert damit die ganze Bandbreite dieser besonderen Begegnungen. Neben dem Gefühl fürs Tier-Duplikat stellt die Ausstellung auch die Frage der Begegnung zum lebendigen Tier in den Raum: Ist das Plüschtier Ersatz für echte Lebewesen, der Mensch vom lebendigen Tier entrückt?

Kuscheltiere auch heute hoch im Kurs

Über 50 Männer und Frauen von Anfang 20 bis Ende 70 haben sich mit ihren Begleitern für die Ausstellung ablichten lassen. In einem nachfolgenden Projekt werden die Bilder dann demnächst mit den dazugehörigen Geschichten erscheinen. Der Mediendesigner wird in einem Foto- und Erzählband neben, seit der Kindheit gewachsenen, auch moderne Beziehungen zwischen Mensch und Teddy darstellen, denn Wolf, Mautz & Co. liegen voll im Trend. Mittlerweile setzen trendige Dienstleister auf Teddy-Hotels und Agenturen bieten spezielle Urlaube für Plüschtiere an. Zur Ausstellung haben sich zahlreiche Originale mit ihren plüschigen Freunden eingefunden. Vom Wolf aus Oxford mit seinen Besitzern über die Riesenschlange am Hals ihrer Trägerin verweist der Fotograf auf den abgewetzten Teddy eines Kulturautors. Henning Biedermann hat sein Plüschtier aus Kindertagen für das Foto-Shooting extra vom Speicher seiner Eltern hervorgeholt.

Ausstellungseröffnung mit Briefen zweier Kinder

Mit einer Performance zur Ausstellung eröffnet Flötistin Carmen Aringer die Lesereise durch den Briefwechsel zwischen Friedrich dem Großen und seiner Schwester Wilhelmine von Bayreuth. Mit Zitaten zum 300-jährigen Geburtstag des Monarchen aus dem Buch „...solange wir zu zweit sind

und zur Vernissage der Doppelportraits schlägt Schauspielerin Christine Adler den historischen Bogen zum Leben des preußischen Königs: „Er selbst war sehr mit seiner Kinderseele verwurzelt und wurde „Der Philosoph“ genannt. Als die Geschwister von einander getrennt wurden, blieben beide seelisch in Verbindung. Im Wechsel folgten über 1000 Briefe, von denen Friedrich aus Angst vor dem mächtigen, schrecklichen Vater (Friedrich Wilhelm der I.) die Briefe seiner Schwester verbrannte. In der Lesung zur Ausstellung werden die Gefühle wieder lebendig. Die persönlichen Geschichten zu den Bildern des Fotografen Ralf Weiss werden demnächst in einem Bild- und Erzählband erscheinen.

Quelle: Vor-Ort-Recherche, Süddeutsche Zeitung, Blitzinterview mit Ralf Weiss