Fotografie - eine anerkannte Kunstform

Fotografie als Kunstform - Stefan Dassler
Fotografie als Kunstform - Stefan Dassler
Sehr lange war umstritten, ob die Arbeit mit der Kamera als Kunst gelten soll.

Häufig war auch unter Fotografen die Meinung zu finden, dass der Künstler ein Kunstwerk erschafft und der Fotograf die Wirklichkeit sieht und abbildet. Fotografen wurden eher als Handwerker betrachtet, die technisch gute Arbeit zu leisten hatten. Im 19. Jahrhundert wurden vielfach Argumente gegen Fotografie als Kunst genannt: Der Fotoapparat bildet die Welt nur ab, das Problem der Definition eines Originals bei Fotos und die Frage nach der schöpferischen Absicht bei dem Werk.

Ist Fotografie Kunst?

Bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Fotografie jedoch auch als technische Möglichkeit gesehen, um eigenständige Kunstwerke zu erschaffen. Beispiele sind Lewis Carroll, Oscar G. Rejlander und Julia M. Cameron. Der US-amerikanische Fotograf, Galerist und Mäzen Alfred Stieglitz (1864-1946) hat wesentlich zur Anerkennung der Fotografie als Kunst beigetragen. Mit seiner Zeitschrift „Camera Work“ sowie seiner berühmten „Galerie 291“ förderte er die Fotografie, stellte herausragende Fotografien seiner Zeit vor und verhalf der Fotografie als Kunstform zum Durchbruch.

Im Jahr 1929 fand die Werkbund-Ausstellung in Deutschland statt. Hier präsentierte sich die Fotografie erstmals mit internationalen Künstlern wie Imogen Cunningham, Man Ray und Edward Weston. In Kassel war im Jahre 1977 die „documenta 6“ als international bedeutende Ausstellung zu finden. Sie stellte unter anderem die Arbeiten von Fotografen der gesamten Geschichte der Fotografie in einen Zusammenhang mit Kunst. Heute gilt Fotografie als anerkannte Kunstform. Ausdruck dieser Wertschätzung ist die wachsende Anzahl von Galerien, Fotoausstellungen, Sammlungen, Museen mit fotografischen Bereichen und Forschungseinrichtungen zur Fotografie. Zudem sind die gestiegenen Preise von Fotografien in Sammlerkreisen und auf Kunstauktionen anzumerken.

Die Teilbereiche der Kunst

Kunst gilt als Ergebnis eines kreativen Schöpfungsprozesses. Sie ist ein menschliches Kulturprodukt. Somit hängt die Einschätzung von Kunst von den Maßstäben der jeweiligen Epoche ab. In Zeiten pluralistischer Denkweisen gelten in der Kunst verstärkt individuelle Sichtweisen. Heute haben sich folgenden Teilbereiche der Kunst herauskristallisiert:

  • Literatur unter anderem mit den Bereichen Epik, Dramatik, Lyrik und Essayistik
  • Musik unter anderem mit den Gattungen Komposition und Interpretation
  • Darstellende Kunst unter anderem mit den Sparten Theater, Tanz und Film
  • Bildende Kunst unter anderem mit den Bereichen Malerei und Grafik, Bildhauerei und Architektur. Seit der Moderne haben sich die Ausdrucksformen der Bildenden Kunst mit der Fotografie erweitert.

Wesentliche Anwendungsbereiche der künstlerischen Fotografie

In der künstlerischen Fotografie ist das Foto das Produkt eines ästhetischen Schöpfungsprozesses. Neben dem dokumentarischen Gehalt kann es auch subjektive Bildaussagen besitzen. Künstlerische Techniken in der Fotografie sind beispielsweise Schwarzweißfotografie, Panoramafotografie, Großformatfotografie, Lomographie und Holografie. Wichtige Anwendungsgebiete der künstlerischen Fotografie sind unter anderem die Porträtfotografie, die Landschaftsfotografie, die Architekturfotografie, die Werbe- und Modefotografie und die Reportagefotografie.

Porträt-, Landschafts- und Architekturfotografie

Porträtfotos sind seit den Anfängen der Fotografie weit verbreitet. Porträtfotografen des 19. Jahrhunderts wie R. Adamson, J.M. Cameron und D.O. Hill kreiierten herausragende, natürliche und ungestellte Bilder. Im 20. Jahrhundert ging man dazu über, Porträts aller gesellschaftlichen Schichten zu gestalten. Bekannte Fotografen dieser Strömung sind L. Strehlow, Y. Karsch, G. Freund und H. Erfurth. Auch die Landschaftsfotografie nahm im 19./20. Jahrhundert langsam ihren Platz in der künstlerischen Fotografie ein. Fotografen wie H. Kühn mit impressionistischem Stil und Amerikaner wie T. O’Sullivan und C.E. Watkins trugen dazu bei.

Die Architekturfotografie hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert in Frankreich. Es sollten historische Denkmäler fotografisch erfasst werden. Wichtige Fotografen waren W. Hege und E. Atget. Es entstand auch in dieser Zeit die Industrie- und Sachfotografie, durch deren dokumentarischen Anspruch sich eine Objektivierung in der Fotografie abzeichnete. Vertreter waren unter anderem C. Sheeler, R. Hallensleben, K. Bloßfeld und A. Renger-Patzsch.

Werbe-, Mode- und Reportagefotografie

Die Werbe- und Modefotografie entwickelte sich im 19./20. Jahrhundert als Abbildung gesellschaftlicher Oberflächentrends im Zusammenhang mit der Sachfotografie. Fotografen dieser Strömung sind unter anderem G. Hoyningen-Huene, E. Steichen und B. de Meyer. Livefotografie fing das Leben auf der Straße, am Arbeitsplatz und in der Freizeit ein. Bekannte Fotografen sind A. Stieglitz, W. Evans, B. Shahn , D. Lange, L.W. Hine und J. Riis. Die Reportagefotografie arbeitet ähnlich und stellt Bilderserien her. In den 1930er und 1940er Jahren erreichte sie durch die Massenpresse einen Höhepunkt. Bekannte Fotoreporter sind E. Salomon, A. Eisenstaedt, W. Weber, M. Munkacsi und M. Bourke-White.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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