Fragebogen zur Zufriedenheit von Kursteilnehmern entwickeln

Gewisse Ähnlichkeit zum Gehirn - Walnusshälfte - Sigrid Stephenson
Gewisse Ähnlichkeit zum Gehirn - Walnusshälfte - Sigrid Stephenson
Mit einem Fragebogen können Sie als Kursleiter unterschiedliche Erwartungen von Kursteilnehmern abfragen und zu konstruktiver Kritik auffordern.

Wer als Kursleiter eine Gruppe leitet, hat es oft nicht leicht. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen der einzelnen Teilnehmer. Der eine ist dankbar bis begeistert, der andere zumindest latent unzufrieden. Halblaut vorgebrachte Bemerkungen von Kursteilnehmern im Sinne von "Die anderen haben auch schon gesagt ..." können unerfahrene Dozenten verunsichern, um so mehr, wenn direkte Nachfragen "Gibt es Verbesserungsvorschläge? Wie war es heute für Sie?" nur freundliches Lächeln hervor rufen. Was also tun? Ein Fragebogen könnte helfen. Hier ein Modell:

Ganzheitliches Gedächtnistraining mit Seniorinnen, die etwas haben wollen für ihr Geld

Sagen wir einmal, Sie sind Freiberufler und leiten eine offene Gruppe für ganzheitliches Gedächtnistraining. Acht bis zehn Teilnehmerinnen kommen mehr oder weniger regelmäßig und zahlen jedes Mal für 90 Minuten eine in Ihren Augen geringe Teilnehmergebühr. Zahlen muss nur, wer tatsächlich kommt. Ein nettes Entgegenkommen von Ihrer Seite. Sie bereiten immer wieder neue Arbeitsblätter vor und kopieren sie, stellen einen Kursraum zur Verfügung, servieren sogar ein Tässchen Tee oder Kaffee. Die Damen sind in fortgeschrittenem Alter. Einige von ihnen müssen mit ihrem Geld sehr haushalten. Sie fragen sich, ob der Beitrag sich lohnt.

Es gefällt den Teilnehmerinnen bei Ihnen, weil Sie sich viel Mühe geben. In anderen Gruppen, etwa bei öffentlichen Trägern, ist so ein Training jedoch billiger. Ob es dort besser ist, steht auf einem anderen Blatt. Sie jedenfalls können es sich geschäftlich nicht leisten, Ihre Preise weiter zu senken. Einige Teilnehmerinnen murren, weil zu viel erzählt wird zwischendurch. Einige Damen, die sich einsam fühlen, genießen aber gerade das. Eine schwierige Situation für Sie. Sie könnten die Gruppe aufgeben. Das wollen Sie aber (noch) nicht, weil diese Menschen Ihnen am Herzen liegen.

Einen Fragebogen entwickeln, der zu konstruktiver Kritik auffordert

Wenn mündliche Hinweise nichts bringen, weil sich niemand klar outen möchte, kann ein kleiner Informations- und Fragebogen helfen. So könnte der (ermunternde und recht deutlich formulierte)Text lauten: "Wie gut eine Gruppe funktioniert und ob die einzelnen Teilnehmer sich wohl fühlen, liegt zu einem nicht unerheblichen Teil an der Gruppenleitung. – Allerdings nicht nur. Ich sehe meine Aufgabe darin, Ihnen ein unterhaltsames und abwechslungsreiches Programm zu bieten und dabei auf jeden einzelnen Teilnehmer – mit einen ganzheitlichen Ansatz – so gut wie möglich einzugehen. Jede Gruppe ist anders. Die Stimmung in einer Gruppe resultiert aus den Erfahrungen und Erwartungen, aber auch aus dem Verhalten eines jeden Einzelnen. Daraus entsteht die berühmt-berüchtigte Gruppendynamik. Sie sorgt dafür, dass manchmal ein paar Funken sprühen. Das ist normal und okay. Humor ist das beste Mittel, damit umzugehen, wenn einzelne Funken Sie selbst oder auch die Kursleitung treffen.

Alle Teilnehmer können ganz einfach viel zur Zufriedenheit der Gruppe beitragen – mit

  • Offenheit, die Rücksicht kennt oder: Alles, was ich sage, ist wahr, aber ich sage nicht alles, was wahr ist.
  • Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit
  • konstruktiver Kritik = so sachlich wie möglich zum Ausdruck bringen, was besser sein könnte, durch konkrete Vorschläge bereichern – kennen Sie übrigens die vier Ohren einer Nachricht?

Fragen zu Gemütlichkeit und Intensität beim wöchentlichen Gedächtnistraining

Hier nun ein paar Fragen, mit deren ehrlicher Beantwortung Sie ganz einfach zum guten Gelingen beitragen können:

  • Denkt es sich besser (und gemütlicher) bei einem Tässchen Tee oder Kaffee? Wenn ja, finden Sie deshalb, dass das Gedächtnistraining immer mehr zum „Kaffeeklatsch“ verkommt?

Wenn Sie 2 x mit Ja geantwortet haben: Bedeutet das eine Abwertung oder kann gerade ein „Kaffeeklatsch“, bei dem auch vielfältig (nach)gedacht wird, Ihnen gut tun?

  • Was sollte Ihrer Meinung nach anders laufen?

Wenn es Ihnen als Gruppenleiterin schwer fällt, Ihren Teilnehmern ins Wort zu fallen

Vielleicht fällt es Ihnen als Gruppenleiterin schwer, den alten Damen in die Parade zu fahren. Das könnten Sie so erklären: "Meine Mutter hat mir beigebracht, dass es unhöflich sei, anderen Menschen ins Wort zu fallen. Höflich und fair dagegen sei es, sie ausreden zu lassen. Das bringt mich in die Klemme! – Ich verstehe, dass Sie sich privat austauschen wollen. Einige Teilnehmer langweilen sich dann aber und denken sich: Wozu zahle ich hier xx Euro? Ich will hier etwas für meinen Kopf tun. Reden kann ich auch anderswo.

Andererseits ist Ihre Unterhaltung oft sehr rege und zeitweise sind alle Teilnehmer offensichtlich ausgesprochen guter Dinge, daran beteiligt. An dieser Stelle möchte ich die Verantwortung ausdrücklich an Sie zurückgeben. Wenn Sie möglichst viele Übungen machen und wenig plaudern wollen, so

  • verschieben Sie bitte Unterhaltungen auf später
  • weisen Sie sich selbst und/oder andere Teilnehmer aktiv, freundlich und mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass Sie jetzt gern weiter arbeiten möchten

Weil sich manche von Ihnen gern unterhalten, fangen wir oft zu spät an. Das gefällt nicht allen Teilnehmern.

Meine Frage an Sie: Wünschen Sie sich eine total strikte Führung (wie in einer Schule) oder ein nettes Miteinander, bei dem gedacht und gelacht werden darf und Sie das Gefühl haben, eine gute Zeit verbracht zu haben und fit in den Tag zu starten?

a) trifft zu

b) trifft zu

c) Weder noch. Ich möchte lieber, dass ...

Vielen Dank für Ihre Geduld und Ihre konstruktive Mitarbeit!"

Drucken Sie den Fragebogen in ausreichend großer Zahl ab. Beginnen Sie das nächste ganzheitliche Gedächtnistraining mit einem heiteren Rätselraten – zur Entspannung – und teilen Sie dann die Bögen aus. Wenn Sie eine Gruppe haben, um die zu kämpfen es sich lohnt, sollte auf dieser Basis ein gutes Gespräch nicht auf sich warten lassen.

Sigrid Ruth Stephenson, Sigrid Ruth Stephenson

Sigrid Stephenson - Als Zehnjährige begann ich, meiner kleinen Schwester aus dem Stegreif Geschichten zu erzählen. Etwas später setzte unser ...

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