
- Patrick Wehner bei Barefoot Etc USA - Sabrina Sann
Patrick Wehner läuft seit 24 Jahren Barfuß-Wasserski. Bereits im Alter von 12 Jahren gewann er seine erste Medaille bei der Deutschen Meisterschaft. Bevor er seine Zeit in den vergangenen 5 Jahren stärker dem Berufs- und Familienleben widmete, mischte er bereits unter der Weltspitze mit.
suite101: Patrick, wie bist du im Alter von 8 Jahren mit dieser extremen Sportart in Verbindung gekommen?
Wehner: Mein Vater und mein Onkel waren begeisterte Wasserskiläufer. Mit 6 Jahren bin ich also auch mit Brettern über den Rhein gerutscht. Zwei Jahre später haben mir die Geschwister Robbe, Tanja (Europameisterin im Barfuß-Wasserski) und Thorsten (Deutscher Meister im Barfuß-Wasserski) das Barfuß-Wasserskilaufen beigebracht.
suite101: Heute machst du spektakuläre Tricks und Schanzen-Sprünge. Wieviel Training steckt dahinter?
Wehner: Kommt ganz darauf an, was man alles zum Training zählt: Fitness, Trockentraining, mentales Training … Bis 2000 bin ich von April bis September circa 3x pro Woche aufs Wasser gegangen. Dazu kommen dann natürlich noch die Trainingseinheiten im Winter in Florida oder Südafrika, die zwar nur zwei bis drei Wochen betragen, aber für die Technik sehr wichtig sind.
suite101: Gab es Wegbegleiter, die dich aufgebaut, motiviert und trainiert haben?
Wehner: Klar: Familie, Freunde, Konkurrenten. Von jedem kann man lernen. Mein Vater hat in den frühen Jahren als Coach, Manager und Sponsor eine wichtige Rolle gespielt. Bis 1995 habe ich sehr viel mit Bart Sileghem und Robert Teurezbacher (Barefoot Etc USA) trainiert. Danach habe ich mein Training selbst in die Hand genommen. Wenn ich an einen Punkt gerate, an dem es mir schwer fällt dazu zu lernen, lasse ich mich wieder coachen.
So war ich letzten Winter bei Barefoot Etc USA. „Back to the roots“, dachte ich mir, und die Magie wirkt: Robert hat nicht nur die Gabe, Technik zu vermitteln, sondern baut auch Selbstvertrauen auf. Und mentale Stärke ist im Wettkampfsport nicht zu unterschätzen.
suite101: Hin und wieder schlüpfst du ja selbst auch in die Rolle des Coachs. Gibt es eine bestimmte Coaching-Methode, die du für besonders erfolgreich hälst?
Wehner: Generell habe ich gelernt, dass es keine Standard Coaching Methode gibt. Man muss sich jedem Schüler anpassen – auf technischem wie mentalem Level. Ich selbst bin eigentlich ein reines „Barefoot Etc-Produkt“ und coache daher auch mit ähnlichen Methoden. Angesichts der mindestens fünf Weltmeister, die von Barefoot Etc USA aufgebaut wurden, glaube ich auch an diese Methoden. Was aber den alles entscheidenden Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmacht, ist letztlich, ob der Läufer Spaß an der Sache hat oder nicht.
suite101: Barfuß-Wasserski-Wettkämpfe werden in drei Disziplinen ausgetragen: Springen, Tricks und Slalom. Welche davon fällt dir am leichtesten, welche liegt dir am wenigsten?
Wehner: Ich hatte schon immer am meisten Erfolg in Tricks. Das Springen ist zwar nervenkitzelnd, aber ich habe zuviel Respekt vor der Schanze, um auf die Disziplin wirklich abzufahren – es gehört eben dazu. Slalom liegt mir am wenigsten: Ich habe den Eindruck, keine Fortschritte zu machen, werde aber weiter daran arbeiten.
suite101: Die Barefoot World Championship 2008 findet im Januar 2009 in Neuseeland statt. Was ist dein Ziel hierfür und wie bereitest du dich darauf vor?
Wehner: In Neuseeland geht es mir nicht um eine Medaille oder einen Titel. Ich weiß, was ich leisten kann und will es noch einmal im Wettkampf zeigen. Da ich beruflich sehr eingespannt bin, kann ich nicht so viel trainieren wie ich gern würde. Aber ich beherrsche die Technik, habe Kondition – und auch mit mentaler Stärke kann man viel erreichen. Ich versuche, jedes Training zu genießen und immer das Positive aus einer Trainingseinheit zu holen. Parallel zum Barfuß-Wasserski-Training mache ich Judo. Dieser Sport hat mit Barfuß-Wasserskilaufen viel gemein: Ausdauer, Gleichgewicht, Feingefühl, Körperbeherrschung, Technik ...
suite101: Jeder Barfuß-Läufer bleibt in der Regel einer bestimmten Marke von Barfuß-Anzügen treu. Du hast dich schon vor Jahren zu Vortex bekannt, während viele andere noch den damals marktführenden Hersteller bevorzugten. Warum?
Wehner: Der erste entscheidende Punkt in der Auswahl meines Sponsors war es, einen Partner zu haben, der auch auf das menschliche Verhältnis achtet. Vortex hat mich von Beginn an mit offenen Armen empfangen. Ich habe zwischendurch sogar ein Jahr ausgesetzt mit dem Barfußlaufen – und trotzdem sind wir uns treu geblieben.
Es war mir auch wichtig, einen neuen Weg zu gehen. Mit Partnern, die eine junge und frische Vision haben und für Innovation offen sind. Die Designer nehmen die Tipps und Anregungen von uns Sportlern ernst und setzen sie um. So bringen die regelmäßig wechselnden Kollektionen immer eine Erneuerung oder Verbesserung.
suite101: Und zu guter Letzt: Was ist dein Lieblingstrick? Von wem hast du ihn gelernt? Wie würdest du ihn jemand anderem beibringen?
suite101: Ohne großes Überlegen ist das der „Toe-turn back to front feet to feet“ (Einfuß-Drehung von der Rückwärts- in die Vorwärtsposition, während die Hantel mit dem zweiten Fuß gehalten wird). Technisch habe ich diesen Trick im Winter 91/92 bei Barefoot Etc USA gelernt und zum ersten Mal bei der Europa-Meisterschaft 1992 geschafft. Es war so ein tolles Gefühl, diesen schweren Trick zum ersten Mal während eines Wettkampfs zu realisieren, sodass er meine persönliche Marke geworden ist. Ab diesem Zeitpunkt war ich einer von damals nur wenigen Wettkampfläufern weltweit, die diesen Trick regelmäßig im Wettkampf machten – basic und reverse.
Beibringen würde ich ihn jemandem mit viel Geduld, einem Paar Schuhskier (engl.: „shoeskis“) und bei spiegelglattem Wasser.
