
- Sonnentor der Inka in Ollantaytambo - Constanze Ließ
Kaum eine Eroberung in der Geschichte verlief so beispiellos schnell, sauber und verlustarm für die vernichtend kleine Zahl der Angreifer wie die Eroberung des Inka-Reiches in Peru. Der Held der Stunde hieß Francisco Pizarro. Mit nur 168 Kriegern brachte er das riesige Inka-Reich unter dem Sonnenkönig Atahualpa in seine Gewalt, ohne Verluste.
Wer war Francisco Pizarro?
Irgendwann zwischen 1473 und 1478 wurde Francisco Pizarro in der spanischen Extremadura geboren. Von seinem Elternhaus weiß man nichts, er ging nie zur Schule, lernte nie schreiben, hütete Schweine. Viel mehr ist nicht überliefert aus den ersten Jahrzehnten seines Lebens. Bis 1513, da gehörte Pizarro zur Expedition unter Vasco Nuñez de Balboa, welche die Landenge von Panama durchquerte und als erste den Pazifik vor sich liegen sah.
Die spanischen Konquistadoren eroberten und plünderten haltlos und grausam die Neue Welt. Ihre Gier nach Gold und Silber blieb über Jahrzehnte ungebrochen. 1522 gab es neue Gerüchte über unermesslichen Reichtum im Süden. Es waren diese Gerüchte, denen Pizarro folgte.
Die frühen Expeditionen des Francisco Pizarro
1524 stach er mit einer kleinen Expedition in See, zusammen mit dem Abenteurer Diego de Almagro. Zu dieser Zeit war Pizarro bereits über 50 Jahre alt und nach den Maßstäben seiner Zeit ein alter Mann.
Die erste Expedition verlief ohne großen Erfolg. Wenige Schmuckstücke aus Gold mussten Krankheiten und Strapazen in Urwald und Sümpfen aufwiegen. Auch die zweite Reise 1526 war nicht von nennenswertem Erfolg gekrönt. Sie dauerte 18 Monate, von denen Pizarro einige mit seiner Mannschaft auf einer kleinen Insel ausharrte, um nicht den immer zahlreicher werdenden Kriegern an der Küste in die Hände zu fallen.
Nach Pizarros Rückkehr nach Panama zeigte der spanische Statthalter keine große Lust mehr, den glücklosen Abenteurer weiter zu unterstützen. Für seine nächste Expedition klopfte der alte Haudegen deshalb an andere Türen. Er schiffte sich nach Spanien ein, wo ihm Karl V. eine Audienz gewährte. Mit seinem mitreißenden Redetalent überzeugte Pizarro den 28-jährigen Kaiser von seinem Vorhaben, das Goldland Peru für Spanien zu erobern und zu regieren.
Francisco Pizarro zieht gehen den Inka-König Atahualpa
Im Januar 1531 brach Francisco Pizarro erneut von Panama auf in Richtung Peru, im Norden des heutigen Ecuador ging er an Land. Das Inka-Reich, das Pizarro durchquerte, hatte gerade einen Bruderkrieg hinter sich, der es merklich geschwächt haben musste. Nach dem Tod des Herrschers Huayna Capac im Jahr 1527 hatten dessen Söhne Atahualpa und Huáscar drei Jahre lang gemeinschaftlich regiert und dann jeweils das eigene Heer mobilisiert, um die Alleinherrschaft zu erlangen. Atahualpa hatte gesiegt und wurde der Sonnenkönig des Inka-Reiches. Seinen Bruder ließ er am Leben, ließ aber dessen gesamte Familie foltern und töten. Huáscar musste dem Gemetzel beiwohnen.
Für jene Bestie von einem Herrscher nahte nun sein Schicksal durch eine andere, in Gestalt von 168 bärtigen Männern, die immer weiter in Richtung der Hauptstadt Cuzco und der Festung Cajamarca vordrangen. Dorthin in die Berge, wo Atahualpa residierte. Der Sonnenkönig lud Pizarro ein, ihn dort zu besuchen. Trotz der Nachricht durch seinen Spähtrupp, dass die Einladung Atahualpas nichts als eine Falle sei, nahm Pizarro dankend an und folgte dem Weg nach Cajamarca. Wieso Pizarro glaubte, mit seinen 168 verbliebenen Männern das von zehntausenden Kriegern bewachte Inkareich einnehmen zu können, ist nirgends überliefert. Zu erklären ist es aber nur mit seiner Tollkühnheit, Selbstgewissheit und dem großen Talent Pizarros, Menschen anzuführen.
Am 15. November 1532 erreichten die Spanier die reiche Stadt Cajamarca, die Atahualpa hatte räumen lassen. Es war kein Mensch zu sehen, der König residierte in seinem Lusthaus. Pizarro ließ ihn einladen für ein Abendessen am nächsten Tag. Und aus Gründen, die nicht überliefert sind, folgte der Sonnenkönig dieser Einladung. Mit "nur" 5.000 Männern kam er nach Cajamarca. Darauf hatte Pizarro gewartet. Gegen die Kavallerie der Spanier waren die Inka-Krieger machtlos. Sie wurden ausnahmslos niedergemetzelt, Atahualpa gefangen genommen. Unter den Spaniern gab es keine Verluste.
Atahualpa bot einen Raum voll Gold als Lösegeld
Hunderttausende Krieger der Inka waren nun führerlos und ohne Rat. Pizarro hatte die Spitze der Pyramide, welche das totalitäre System der Inka zweifellos war, entfernt. Atahualpa wurde von Pizarro mit großer Korrektheit behandelt. Um freigelassen zu werden, versprach er ein schier unglaubliches Lösegeld: Er werde sein Zimmer, das 35 Quadratmeter groß ist, mit Gold füllen, bis zur Höhe seiner ausgestreckten Fingerspitzen. 85 Kubikmeter. Das Versprechen wurde erfüllt, fast alle Kostbarkeiten von den Spaniern eingeschmolzen.
Atahualpa fordert seine Freilassung, doch wegen Gerüchten um einen Aufstand, den der Sonnenkönig plante, berief Pizarro ein Gericht ein. Atahualpa wird zum Tode verurteilt. Um dem Scheiterhaufen zu entgehen, ließ er sich vor seinem Tod noch taufen. Am 26. Juli 1533 starb der Inka-König Atahualpa durch die Garrotte.
Die letzten Jahre des Francisco Pizarro
Pizarro marschierte wenige Monate später in der Inka-Hauptstadt Cuzco ein. 1536 schlugen die Spanier einen Aufstand unter Manco Inka nieder, wobei Pizarros alter Gefährte Almagro eine bedeutende Rolle spielte. Der forderte Cuzco als Gegenleistung, was Pizarro ihm nicht gewähren wollte. Nach weiterer blutiger Schlacht siegte Pizarro und ließ Almagro hinrichten. Drei Jahre später folgte die Rache. Almagros Sohn Diego überfiel Pizarro am 26. Juni 1541 mit einer kleinen Gruppe in dessen Palast in Lima. Der 68jährige kämpfte ein letztes Mal erbittert, doch sollte dieser Kampf sein letzter sein.
Literatur
Entdecker - Forscher - Abenteurer, Lingen Verlag Köln, Titel der Originalausgabe: "Decouvreurs et conquerants", Éditions Atlas, Paris, 1983 (Autor nicht benannt, Übersetzung: Kurt Millner, Grudrun Weithaler)
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