
- F.Rosanowski: Tinnitus - Hirzel Verlag
Wenn Dauertöne wie Pfeifen, Rauschen, Zischen oder Rattern zur Qual werden, will man als Betroffener nur noch eins: sie schnell wieder loswerden. Mit diesen Beschwerden und ihren Ursachen hat sich Prof. Dr. med. Frank Rosanowski, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenkunde sowie für Phoniatrie und Pädaudiologie in Nürnberg, gründlich auseinandergesetzt, um sie in diesem Ratgeber verständlich weiterzugeben. Bereits der aufklappbare Einband enthält wichtige Informationen über die möglichen Auslöser und die Wege, einen Tinnitus behandeln zu können. So bekommt der Leser sofort einen Überblick, was er von dem Buch erwarten kann. Im ersten Teil des Buches wird zunächst die Funktionsweise des Gehörs erklärt, um deutlich zu machen, was passiert, wenn es gestört ist. Was ein Tinnitus ist, wie er sich äußert und wie er entstehen kann, wird anschließend ausführlich beschrieben.
Geräusche, die von innen kommen
Niemand hört sie, außer den Betroffenen selbst: Ein Tinnitus kann sich in den unterschiedlichsten Tönen präsentieren und nach einer Behandlung wieder verschwinden. Leider bleibt er vielen Menschen erhalten und führt zu einer chronischen Krankheit. Dabei muss man zwischen einem objektiven und einem subjektiven Tinnitus unterscheiden. Die erste Form kann auch vom Arzt mithilfe eines Hörschlauchs gehört werden, während der subjektive Tinnitus nur vom Patienten selbst wahrgenommen werden kann.
Weiterhin beschreibt Professor Rosanowski, wann ein Tinnitus akut, subakut oder chronisch zu nennen ist. Dabei gibt es zahlreiche körperliche Ursachen, die einen subjektiven Tinnitus auslösen können. Der häufigste Grund sind Ohrenerkrankungen wie Entzündungen, ein Hörsturz, Otosklerose oder große Schalleinwirkungen. Aber auch Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislaufstörungen, Blutarmut oder Probleme an der Halswirbelsäule sowie Störungen im Zahn-Kieferbereich kommen in Frage. Medikamente können ebenfalls einen Tinnitus verursachen, daher sollte man immer auf den Beipackzettel achten, wenn sich derartige Beschwerden äußern.
Bei Ohrgeräuschen rechtzeitig zum Arzt gehen
Welche Ursachen ein Tinnitus auch haben mag, in jedem Fall gilt: Je schneller man mit seinen Beschwerden zum Arzt geht, desto besser können sie behandelt werden. Welche Warnzeichen einer zügigen Untersuchung bedürfen und zu welchem Arzt man am besten gehen sollte, berichtet der Autor im Kapitel „Diagnose Tinnitus“. Er gibt ebenfalls ausführliche Hinweise zu den Untersuchungen, die der Arzt vornehmen wird, damit man sich bereits darauf einstellen kann. Neben verschiedenen Hörtests sind ein Sprachverständlichkeitstest und eine Messung der Gehirnaktivität wichtige Bestandteile der Diagnose. Außerdem bekommt der Patient einen Fragebogen, der dem Arzt vermitteln soll, wie belastend die Beschwerden persönlich erfahren werden. Möglicherweise sind noch andere Untersuchungen notwendig, wenn der Tinnitus zum Beispiel durch eine erkrankte Halswirbelsäule ausgelöst wird.
Medizinische Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus
Ausführlich und mit vielen Tipps versehen ist das Kapitel „Behandlungsmöglichkeiten“, die recht unterschiedliche Ziele haben können, je nachdem, ob der Tinnitus akut oder chronisch ist. Bei der akuten Erkrankung liegt der Schwerpunkt auf der medikamentösen Therapie. Der Autor geht auf die Arzneimittel ein, die eingesetzt werden können und verschweigt auch nicht deren Nebenwirkungen. Der Tinnitus kann aber auch auf physikalischem Weg beeinflusst werden sowie durch Krankengymnastik, manuelle Therapie, Chirotherapie oder Osteopathie eine Linderung erfahren. Welche alternativen Heilverfahren Erfolg versprechend sein können, wird ebenfalls erwähnt.
Schwerpunkt chronischer Tinnitus
Ausgesprochen umfangreich beleuchtet der Autor das Problem eines chronischen Tinnitus. Mit unerträglichen Beschwerden dauerhaft leben zu müssen ist eine große Belastung und erfordert ein besonderes Konzept, um nicht daran zu verzweifeln. Professor Rosanowski geht ausführlich auf die Schwierigkeiten ein, die ein chronischer Tinnitus mit sich bringt: Nicht nur die Ohren, sondern der ganze Mensch ist betroffen, daher zieht er sich nicht selten aus seinem sozialen Umfeld zurück und gerät dadurch in einen Teufelskreis. Angst- und Suchtstörungen können hinzukommen, die als Auswege aus dem Leiden entstehen. Damit dies nicht passiert, informiert der Autor ausführlich über die Möglichkeiten der Selbsthilfe. Dabei kann eine Psychotherapie eine Unterstützung sein, aber auch Selbsthilfegruppen holen einen Betroffenen aus seiner Isolation heraus und machen Mut, sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Interessant ist auch das Kapitel „Tinnitus bei Kindern und Jugendlichen“, vor allem wie sich eine Erkrankung vermeiden lässt.
Ein wertvoller Ratgeber bei Problemen mit Ohrgeräuschen
Professor Rosanowski gibt in diesem Ratgeber auf gut verständliche Weise wertvolle Informationen rund um das Thema Tinnitus. Betroffene oder Angehörige von Erkrankten können hier Erklärungen finden, die zu einer passenden Therapie führen. Gerade Eigenverantwortung hält der Autor für ein wesentliches Element, damit man trotz Tinnitus ein aktives und zufriedenes Leben führen kann. Gesundheit wird als ganzheitlicher Prozess betrachtet, den jeder selbst und engagiert gestalten kann, um die Krankheit als eine besondere Herausforderung annehmen zu können.
Frank Rosanowski: Tinnitus. S. Hirzel Verlag 2010. Kartoniert, 235 Seiten. Euro 19,80.
