Editor's Choice

"Frank Z" und "T´es trois"

Black Blanc Beur und Lotte Rudhart im Pumpenhaus, Münster

Lotte Rudhart (Essen) und Black Blanc Beur (Paris) zeigen hochkarätigen Tanz: ein Feuerwerk choreografischer Ideen gepaart mit exakter Körperbeherrschung.

Sie klappt die langen Beine ein wie ein Taschenmesser, lässt ihre Arme in Wellen über den Boden gleiten und flitzt wie eine Comicfigur über die Bühne. Oder sie klemmt sich einen Schnauzbart unter die Nase und verlangt nach einer Hose, um dann mit wehender Haarpracht Pirouetten zu drehen. Die Tänzerin Lotte Rudhart hat viele Gesichter und sie versprüht ein Feuerwerk choreografischer Ideen.

Inspiriert von Frank Zappa

Ihr Solo „Frank Z", das die neue Reihe "Raw like Sushi" im Theater im Pumpenhaus, Münster, eröffnete, ist ebenso inspiriert von der Musik Frank Zappas wie auch vom improvisatorischen Stil des Hip Hop. Gliedmaßen scheinen sich selbständig zu machen, die Tänzerin setzt gesungenen wie auch gesprochenen Text in Bewegung um und variiert dabei zwischen zeitgenössischem Tanz, Ballett, Breakdance und Stepptanz. Modern oder klassisch, Mann oder Frau, Lotte Rudhart, die von der Presse bereits als herausragende Nachwuchstänzerin gefeiert worden ist, zeigt alles gleichzeitig, beweist Bühnenpräsenz, schauspielerisches Talent und hervorragende Tanztechniken.

Tänzerin mit Zukunft

Lotte Rudhart hat in München, Hamburg und New York studiert, war dann am Staatstheater Braunschweig und am Folkwang-Tanzstudio engagiert und arbeitet heute als freiberufliche Tänzerin am PAKT Zollverein in Essen sowie am Tanzhaus NRW in Düsseldorf. „Frank Z" begeisterte das Publikum bereits in der Bochumer Jahrhunderthalle (beim Pottporus Festival 2007) sowie im avancierten Teatro Palladium, Rom. Man darf gespannt darauf sein, wie sich diese quirlige Tänzerin in der Zukunft entwickeln wird. „Frank Z" zumindest ist ein Solo, das bis zum Schluss erstaunt, überrascht und begeistert.

Breakdance auf höchsten Niveau

Die zweite Tanzcompany des Abends, „Black Blanc Beur" aus Paris, zeigt Breakdance auf höchstem Niveau. Die drei Tänzer Francois Kaleka, Laurent Kong a Siou und Lowriz Trung Ngon Vo haben sich 1989 in einem Vorort von Paris zusammengefunden, trainierten Hip Hop damals in Tiefgaragen. Heute sind sie längst gefeierte Stars, auch weil sie zu den Ersten gehörten, die mit Choreografen aus anderen Bereichen zusammengearbeitet haben und Hip Hop somit neuen Einflüssen öffneten. Die Leitung hat Christine Coudon, deren Ideen in „T`es trois" sehr harmonisch wirken.

Action wie im Gangstermilieu

Inhaltlich lockert die Choreografie durch Komik auf und verhindert so, dass die doch sehr dominanten Kampfszenen allzu ernst genommen werden. Etwa, wenn sich die drei Männer belauern, attackieren, und dabei unvorhergesehene Tücken zu bewältigen haben: Einer wird getreten, ein anderer geht dafür zu Boden. Oder man schlägt und trifft sich damit selbst. „T´es trois" - drei Seelen wohnen in einer Brust und scheinen einander nicht immer zu gefallen. Dabei zeigen die Tänzer hervorragende Körperbeherrschung und exaktes Timing. Dass es hier nicht klassisch um akrobatischen Wettbewerb geht, sondern um skurrile Persönlichkeitsspaltung und Action wie im Gangstermilieu, macht es zusätzlich spannend.

Isabell Steinböck, Isabell Steinböck

Isabell Steinböck - Isabell Steinböck ist freiberufliche Journalistin mit dem Themenschwerpunkt Kultur (Bühnentanz und Theater) sowie Kinderredaktion. Nach ...

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