Es war im Jahr 2009 als sich mit Sea The Stars ein vierbeiniger Superstar mit Siegen in den tragenden Rennen Europas zu einem der besten Pferde aller Zeiten entwickelte. Damals waren sich alle Experten einig: Es würde mindestens 20 Jahre dauern, bis ein Pferd ähnliches Kaliber erneut daher kommen würde. Schon zwei Jahre später erweist sich das als ein Irrtum.
Denn eine Timeform-Einschätzung von 143 und der weitere Ausbau des Mythos der "Unschlagbarkeit" beweisen - der von Sir Henry Cecil trainierte Frankel ist spätestens nach seinem Sieg in den Queen Elizabeth II Stakes (Gr. 1, 1.609m) während des British Champions Day 2011 in Ascot ebenfalls in dieser Liga angekommen
Frankel galt früh als Ausnahmepferd
Dass er ein ausgesprochenes Talent in seiner Obhut hatte, dürfte Sir Henry Cecil früh bei den Trainingseinheiten am Warren Place aufgefallen sein. Der Engländer gehört seit rund 30 Jahren zu den besten Trainern der Welt und machte aus seiner guten Meinung über den Hengst aus dem Besitz von Khalid Abdullah auch den Medien gegenüber kein Hehl.
Dementsprechend kam Frankel bei seinem Debüt im August 2010 denn auch als klarer Favorit an den Start. Ein knapper Sieg gegen den späteren Gruppe-1-Sieger Nathaniel rechtfertigte diese Einschätzung. Wie gut der Galileo-Sohn wirklich werden könnte, zeigte sich dann bereits beim nächsten Start. In einem Altersgewichtsrennen ging er in Doncaster auf und davon. Daran schloss sich der erste Start auf Gruppe-Ebene an. Den Sprung meisterte Frankel in den Royal Lodge Stakes (Gruppe 2, 1.609m) in Ascot mühelos. Er demontierte ein hochklassiges Feld mit zehn Längen Vorsprung.
Sieg in den Dewhurst Stakes
Der Jahresabschluss erfolgte in den Dewhurst Stakes und damit im wichtigsten Rennen für Zweijährige in Europa. Auf den 1.400m der geraden Bahn in Newmarket zeigte sich Frankel weiter verbessert und zementierte als überlegener Sieger seine Stellung als bester Zweijähriger Europas.
Über den nachfolgenden Winter entwickelte sich ein regelrechter "Hype" um Frankel, wie man ihn selten gesehen hat auf Englands Bahnen. Dementsprechend konnten Experten und Fans kaum seinen Start in die klassische Saison erwarten. Der erfolgte in den Greenham Stakes von Newbury. Der Galileo-Sohn fertigte dabei seine von Excelebration angeführte Gegnerschaft erneut mühelos ab. Damit war der Vorhang geöffnet für den Start in den klassischen 2000 Guineas (Gruppe 1, 1.609 m) in Newmarket.
Frankel gewinnt die 2000 Guineas wie ein Pferd vom anderen Stern
Was dann an jenem 30. April 2011 auf der geraden Bahn passierte, daran werden sich die Fans des Rennsportes noch lange erinnern. Frankel führte von Start weg und gewann den ersten Klassiker nach einem offensiven Ritt von Tom Quealley mühelos mit sechs Längen, nachdem er unterwegs rund 15 Längen Vorsprung gehabt hatte. Eine sensationelle Vorstellung des Galileo-Sohnes, die ihm ein Rating von 142 einbrachte.
Ein eventueller Start im englischen Derby wurde nach dieser Demonstration erst einmal von Sir Henry Cecil ad acta gelegt. Zu groß waren die Zweifel am Stehvermögen. Stattdessen lief der Hengst während des Royal Ascot-Meetings. In einem weiteren Gruppe-1-Rennen gelang allerdings nur ein "Arbeitssieg" gegen Zoffany und Excelebration.
Sussex Stakes 2011: Sieg gegen die älteren Meiler
Das sich dabei um eine unterdurchschnittliche Leistung des Hengstes gehandelt hatte, zeigte sich in den Sussex Stakes von Goodwood. Dort schien sich mit Canford Cliffs als besten älteren Meiler Europas ein sehr ernstzunehmender Gegner im Feld zu befinden. Statt eines Duells folgte jedoch eine weitere Demonstration Frankels. Fünf Längen lagen im Ziel zwischen ihm und dem fünffachen Gruppe-1-Sieger.
Zum Abschluss des Rennjahres 2011 stand dann die bislang schwerste Prüfung für den Abdullah-Hengst an. In den Queen Elizabeth II Stakes am Champions Day ging es gegen die französische Stute Inmortal Verse, die bei ihren letzten Start im Prix Jacques le Marois (Gr. 1, 1.600m) in Deauville keine geringere als Goldikova geschlagen hatte. Aber auch sie war vollkommen chancenlos. Frankel löste sich 200 Meter vor dem Ziel immer mehr vom Feld und gewann in Handgalopp vor dem Dauerrivalen Excelebration. Deutlicher zurück folgte Inmortal Verse als Dritte. Dementsprechend stieg Frankels Rating noch einmal um ein Pfund auf 143.
Frankel bleibt 2012 im Training
Nach diesem Eindruck ist es nachvollziehbar, dass der Hengst 2012 auf weitere Distanzen wechseln soll. Er sollte dabei weiterhin nur sehr, sehr schwer zu schlagen sein. Zumal sein Betreuer davon ausgeht, dass man das Beste von ihm noch gar nicht gesehen hat. Ein großes Lob gebührt auch seinen Besitzer Khalid Abdullah, dafür ein Pferd mit dieser Reputation nicht schon nach seiner Dreijährigen-Saison in die Zucht zu nehmen. Viele andere wären dieses Risiko nicht eingegangen.
Die Turffreunde weltweit werden sich darüber freuen. Pferde von der Klasse Frankels sind rar gesät und echte Botschafter des Rennsports. Man darf gespannt sein, ob er das Rating von Sea Bird II von 145 als aktuellen Rekord übertreffen kann. Nach bisherigen Eindrücken dürfte das nur eine Frage der Zeit sein.
