
- Kleines Becken Frankenbad - K. Mieth
Ins Bonner Frankenbad kommen Gäste seit vielen Jahrzehnten, erklärt Badleiter Ralf Grimmling. „Da kommt gerade ein Professor von Rang und Namen", ruft er dem Ankommenden zu. Doktor Georg Rudinger fügt schmunzelnd hinzu: „Ins Frankenbad kommen Badegäste jeglicher Couleur, einerlei aus welcher Schicht - von berühmten Schwimmerlegenden über Notare bis hin zu Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen.“ Dann eilt er die Treppen empor, um zu den Umkleidekabinen und in sein Sportbecken zu gelangen. Unten gibt es neben der 25-Meter-Strecke und dem kleineren Becken zu ebener Erde noch einen weiteren Pool. „Das Becken im Keller wird von jugendlichen Gruppen zusätzlich als Lehrschwimmbecken benutzt. Die ehemaligen, unten liegenden Duschen- und Wannenbäder von damals sind in den 1990er Jahren abgeschafft worden“, berichtet Badleiter Grimmling.
Das Bonner Frankenbad aus dem Jahr 1963 steht unter Denkmalschutz
Erbaut wurde der Schwimmbad-Komplex mit seinem parkähnlichen Atrium und den drei Becken im Jahr 1963 und erfreut sich seitdem nicht nur in der Bevölkerung grosser Beliebtheit. „Wir hatten schon amerikanische Schwimmerlegenden, wie Mark Spitz oder mehrfache Welt- und Europameisterinnen, wie Franziska van Almsick hier bei uns im Frankenbad“, weiß Ralf Grimmling zu erzählen. Von der Tribüne mit 400 Sitzplätzen aus können Zuschauer schon seit Jahr und Tag bei Wettkämpfen mitfiebern. Wenn heute unten im Sportbecken der einzige Weltklasse-Wettkampf im Synchronschwimmen Deutschlands, die „German-Open“ stattfindet, erlebt das heutzutage unter Denkmalschutz stehende Bonner Frankenbad wieder Glanzzeiten wie anno dazumal. „Wir bieten alles, was die Mannschaften brauchen und jetzt soll ein Gutachten zu weiteren Renovierungsmaßnahmen erstellt werden, das den Bestand sichert“, erklärt Badleiter Ralf Grimmling, der auch Leiter des ehemaligen Viktoria-Bades in der Bonner Innenstadt gewesen ist. „Da unser Frankenbad denkmalgeschützt ist, setzen sich auch hier viele Initiativen und Organisationen für den Erhalt des Bades ein. Die Frankenbad-Initiative erinnert an Meisterschaften, die in den historischen Hallen bereits geschwommen worden sind und daran, dass das Bad nun nach der Schließung des Viktoria-Bades das einzige Hallenbad der Stadt Bonn ist“, bestätigt Grimmling die Priorität zum Erhalt nicht nur für Schwimmer sondern auch als soziale Einrichtung für die Bürger der Stadt.
Viktoria-Bad aus der Jahrhundertwende geschlossen
An glänzende Zeiten des Viktoria-Bades während des Jugendstils erinnern nur noch historische Fotografien, an den Badebetrieb in der Bonner Innenstadt zahlreiche Erzählungen von Bürgern, die sportliche Aktivitäten und soziales Miteinander mit großer Wertschätzung bedenken. Der langjährige Erhalt des Schwimmbadbetriebes im Viktoria-Bad konnte durch die unermüdliche Präsenz der Initiativen gewährleistet werden. Nach dem unaufhaltsamen „Aus“ soll nun ein externer Investor in die Mauern aus der Jahrhundertwende einziehen, denn die Entstehungsgeschichte des Viktoria-Bades geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Das ursprüngliche Badehaus war eines von wenigen historischen Badeanstalten Deutschlands. Müller`sches Volksbad München oder Stadtbad in Berlin-Steglitz stehen als historische Zeitzeugen hoch im Ansehen und dem Erhalt der historischen Gemäuer haben sich die Städte verpflichtet.
Der berühmte Maler August Macke wird im Frankenbad ausgestellt
Dem Original getreu wurde ein Gemälde des Malers August Macke auf Folie gezogen. Es ist an der Wand der kleinen Schwimmhalle zu bewundern, zeigt die Marienkirche, in dessen Nähe der berühmte Maler und Künstler August Macke einst wohnte. Tauchen Badegäste auf den Grund des Mehrzweckbeckens ab, erschließt sich ihnen ein weiteres Bild des Künstlers. „Wir haben einen Ausschnitt des berühmten Bildes am Grund in Fliesen legen lassen, es schimmert durch das Wasser hindurch“, erzählt Ralf Grimmling nicht ohne Stolz. Wand- und Fliesenbild erinnern an den berühmten Künstler August Macke, der am Frankenplatz wohnte. Der denkmalgeschütze Bau aus den 1960er Jahren ist Kulturerbe und bildet mit dem Atrium im Innenraum des Schwimmbad-Komplexes eine wunderbare Ruheoase in mitten der Stadt.
Quellen: Vor-Ort-Recherche und Gespräch mit Ralf Grimmling
