
- Wein aus Erlenbach am Main in Spitzenqualität - Ruth Weitz
"Der Wein ist die edelste Verkörperung des Naturgeistes" sagte einst Friedrich Hebbel. Das Jahr 2009 hat die idealen Voraussetzungen geboten, um Hebbels Aussage Nachdruck zu verleihen. Von den Witterungsbedingungen des Vorjahres hat Rainer Wengerter, Leiter des gleichnamigen Weingutes in Erlenbach am Main, profitiert. In 2010 erhielten alle 14 eingereichten Weine aus seiner Produktion eine Prämierung des fränkischen Weinbauverbandes.
Weinprämierung des Weinbauverbandes Franken
Insgesamt 263 Betriebe hatten sich 2010 an der Weinprämierung des Weinbauverbands Franken beteiligt. 2.798 Weinpartien waren von den Weinprüfern zu testen. Rainer Wengerter hatte fünf Rotweine und neun Weißweine eingereicht. Drei wurden mit der Goldmedaille ausgezeichnet, 10 erhielten eine Silbermedaille und ein Wein wurde mit Bronze prämiert. Weitere Weine, die noch nicht abgefüllt waren, stehen noch zur Prämierung im Januar 2011 an.
Hervorragende Tropfen durch ideale Witterungsbedingungen
Die Auszeichnungsquote bei der fränkischen Weinprämierung im Jahr 2010 lag bei 85,6 Prozent. Dabei betrug der Goldmedaillenanteil 28,4 Prozent, was enorm hoch ist. "Es hat alles gepasst", erklärt Rainer Wengerter zu den Weinerzeugnissen aus dem Jahr 2009. Der trockene Herbst und zuvor die idealen Witterungsbedingungen für die Vegetation der Reben hätten zu dem Spitzenjahrgang beigetragen. Erst am 25. November war der Prüfbefund des fränkischen Weinbauverbandes beim Weingut in Erlenbach eingetroffen. Die Weine waren in zwei Etappen geprüft worden. Die letzte Prüfung fand Ende September 2010 statt.
Die Kellerwirtschaft, auch Önologie genannt, ist eine Wissenschaft
Nicht nur die Pflege der Reben, die Bodenbeschaffenheit und die Witterung spielen bei der Qualität des Weines eine Rolle. Die Winzerkunst ist gefordert, um den Geschmack abzurunden, dem Wein die nötige Säure oder Süße zu geben. Die Kellerwirtschaft oder Önologie befasst sich vor allem mit dem Keltern und dem Reifen des Weines. In Deutschland ist Önologie ein Studienfach. Wer diesen Hochschulabschluss vorweisen kann, ist ein Diplom-Ingenieur Weinbau und Önologie (heute auch Bachelor oder Master).
Der Önologe ist ein Multitalent in Sachen Wein
Der Wissens- und Aufgabenbereich eines Önologen ist vielfältig. Er umfasst sowohl die technologische Forschung, die Mitarbeit in der Entwicklung von Materialien für die Technologie und die Ausrüstung von Kellereien als auch die Mitarbeit in der Pflege von Weinbergen, die Verantwortung für die Produktion von Traubensaft, Wein und Folgeprodukten aus Wein und für deren Haltbarkeit. Er erstellt und interpretiert Analysen aus Trauben hergestellten Produkten. Ein Önologe ist befähigt, die bestehenden Beziehungen zwischen Wirtschaft, Weingesetzgebung und önologischer Technologie zu erkennen und die Vermarktung der Produkte zu organisieren. Seine Aufgabe ist es, die Qualität von Weinen an den Anforderungen des Marktes anzupassen.
1100 Hektoliter Rebensaft werden im Weingut Wengerter in Erlenbach am Main produziert
Der aus Röllfeld stammende Rainer Wengerter, der die ehemals kommunalen Weingüter von Elsenfeld und Erlenbach übernommen hat, produziert jährlich 1100 Hektoliter Wein aus den Reben verschiedenen Hanglagen. Insgesamt 16 Rebsorten hat er im Angebot, je zur Hälfte Weiß- und Rotweine. Dazu kommen noch Cuveés und Sekte. Bis auf Bürgstadt und Großostheim hat er eigentlich am ganzen Untermain seine Rebstöcke. Frankenweine nehmen eine Sonderstellung bei den deutschen Weinen ein. Nicht nur, weil eine Vielzahl in Bocksbeuteln abgefüllt wird und die Bodenbeschaffenheit eine besondere Qualität hervorbringt, sondern auch, weil die Bewirtschaftung, gerade in den Steilhängen, sehr arbeitsintensiv ist.
Dem Wein den letzten Schliff geben
Zusammen mit dem Weinkenner Herbert Bohlender aus Rück-Schippach und dem Obernburger Hobby-Önologen Dr. Ephratus Theessen nimmt Rainer Wengerter die Erzeugnisse seines Weinkellers kritisch auf die Zunge. "Dann wird beratschlagt, was noch getan werden kann, um ihnen nach weinwissenschaftlichen Grundsätzen noch den letzten Schliff zu verleihen", sagt der Winzer. Den insgesamt 14 Weinen des Jahrgangs 2009 hat dieser Schliff ausgesprochen gut getan, was die Prämierung dokumentiert. Auch vom Jahrgang 2010 erwartet Wengerter einen guten Tropfen. "Es werden zwar nicht unbedingt Prädikatsweine daraus hervorgehen, aber gerade bei den Weißweinen sind fruchtige Erzeugnisse von guter Qualität zu erwarten, die dem Geschmacksbild des Verbrauchers entsprechen". Mit Kennerblick betrachtet er den zartgelb im Glas stehenden Weißburgunder, genießt seinen Duft, sagt "Prost!" und zelebriert den ersten Schluck wie es sich für einen Weinfachmann gehört.
