Frankfurt liest 2012 einen Roman von Silvia Tennenbaum

Silvia Tennenbaum: Straßen von gestern (1997) - Fischer Taschenbuch
Silvia Tennenbaum: Straßen von gestern (1997) - Fischer Taschenbuch
Der Roman "Straßen von gestern" von Silvia Tennenbaum wurde für die Leseaktion "Frankfurt liest ein Buch" im April 2012 ausgewählt. Das Buch erscheint neu.

11.000 Leserinnen und Leser besuchten 2011 die 54 Veranstaltungen der zweiten Aktion "Frankfurt liest ein Buch". Der gleichnamige Verein bewertet die Initiative als "Erfolgsmodell", das von anderen Städten übernommen werden könne. Der Vereinsvorsitzende, Verleger Klaus Schöffling, erhielt für sein ehrenamtliches Engagement den Bürgerpreis der 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse. Auch der ausgewählte neue Titel für die Runde 2012 der Leseaktion wurde von Schöffling vorgeschlagen: der Roman "Straßen von gestern" von Silvia Tennenbaum.

Anne Frank mit Silvia Tennenbaum verwandt

Sivia Tennenbaum wurde 1928 in Frankfurt geboren. 1936 emigrierte das Mädchen, deren Mutter mit der ermordeten niederländischen Tagebuchschreiberin Anne Frank verwandt war, mit ihrer Familie in die Schweiz, 1938 weiter in die USA. Sie studierte Kunstgeschichte an der Columbia University, arbeitete als Kunstkritikerin publizierte erste literarische Texte.

Rabbi-Frau Silvia Tennenbaum schrieb autobiografischen Roman

Ihr 1978 erschienener autobiografisch gefärbter Roman "Rachel, the Rabbi’s Wife" war ein großer Erfolg, erschien aber erst 2010 in deutscher Sprache ("Rachel, die Frau des Rabbis") im Berliner Aviva-Verlag. Dieser 1997 gegründete Verlag veröffentlicht schwerpunktmäßig Romane von deutsch-jüdischen Autorinnen aus den 20er und 30er Jahren, die durch den Nationalsozialmus politisch verfolgt wurden und in Vergessenheit gerieten. In diese Reihe "Wiederentdeckte Schriftstellerinnen" passte auch Silvia Tennenbaum, obwohl sie Deutschland bereits als Kind verlassen hatte.

Geschichte der jüdischen Frankfurter Familie Wertheim

Silvia Tennenbaum lebt heute auf Long Island, hält sich seit 1983 aber regelmäßig in Frankfurt auf. In dem für die Leseaktion ausgewählten Roman "Yesterday's Streets" erzählt die Schriftstellerin die Geschichte der jüdischen Frankfurter Familie Wertheim in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. "Das Buch ist heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten", meint Klaus Schöffling, dessen Verlag Schöffling & Co eine Neuausgabe des Romans für 2012 angekündigt hat. Derzeit ist der erstmals 1983 und 1997 erschienene Roman (Albrecht Knaus und Fischer Taschenbuch) vergriffen und nur antiquarisch oder in gebrauchten Ausgaben erhältlich.

Erste Leseaktionen mit Valentin Senger und Wilhelm Genazino

Die ersten Leseaktionen unter dem Motto "Frankfurt liest ein Buch" widmeten sich den Romanen "Kaiserhofstraße 12" von Valentin Senger (2010) und "Abschaffel" von Wilhelm Genazino. Wer keine Gelegenheit hatte, an einer der Veranstaltungen teilzunehmen, kann gekürzte Fassungen beider Romane auch als Hörbuch bekommen, im Fall von "Abschaffel" vom Autor selbst gelesen.

Silvia Tennenbaum: Rachel, die Frau des Rabbis. Aus dem Amerikanischen von Claudia Campisi. Aviva Verlag 2010. Gebunden. 461 Seiten. 24,80 Euro

Valentin Senger: Kaiserhofstraße 12. Vorgelesen von Walter Renneisen. Eichborn Hörbuch 2010. 4 CDs. 350 Minuten. 19,95 Euro

Wilhelm Genazino: Abschaffel. Autorenlesung. Eichborn Hörbuch mit HR2 Kultur 2011. 4 CDs. 380 Minuten. 19,95 Euro

Andrea Reidt, Freie Journalistin, Foto Monika Werneke

Andrea Reidt - Die Freie Journalistin Andrea Reidt sammelte vielfältige Erfahrungen in ihrem Beruf. Am allerliebsten schreibt sie ...

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