
- Kreuzgang des Karmeliterklosters in Frankfurt - Hannelore Dittmar-Ilgen
Während in Frankfurt Kaiser, Könige und reiche Kaufleute üppige Mahlzeiten hielten, ernährten sich die hessischen Bauern in Odenwald, Wetterau und Vogelsberg von dem, was Land und Wald hergaben.
Aber bei diesem Nachtisch war man sich ausnahmsweise einmal einig: Er gehörte zu einem „ordentlichen“ Essen einfach dazu und war keinesfalls nur einem „Bettelmann“ würdig. Ob allerdings – wie der Name suggeriert – Mönche oder gar der Bischof damit etwas zu tun hatten, ist nicht bekannt.
Für den Bettelmann benötigen Sie:
- 125 g Butter
- 200 g geriebenes Brot, auch altbacken oder aus Roggen
- 100 gemahlene oder gehackte Nüsse, auch Walnüsse
- 1 Messerspitze gemahlene Nelken
- 1 Messerspitze gemahlenen Zimt
- abgeriebene Schale einer Biozitrone
- 6 Essl. Zucker
- 1 kg Äpfel (auch Fallobst oder Birnen dazu)
- ½ Glas Weiß- oder Apfelwein
- 65 g große Rosinen
- 1 Essl. Rum
So wird der Bettelmann hergestellt:
- Zerlassen Sie in einer Pfanne die Butter.
- Rösten Sie darin das Brot, die Nüsse und die Gewürze zusammen mit 2 Essl. Zucker leicht an.
- Schälen Sie die Äpfel und schneiden Sie sie in Scheibchen.
- Dünsten Sie die Äpfel zusammen mit dem restlichen Zucker, dem Wein, den Rosinen und dem Rum in einem Topf ohne Deckel. Lassen Sie die Flüssigkeit eindampfen. Von der Zitronenschale etwas für die Sauce zurücklassen!
- Heizen Sie den Backofen auf 170 °C Umluft vor.
- Fetten Sie eine flache Auflaufform ein und befüllen Sie die Form lagenweise mit Brotmasse und Apfelmischung. Beginnen Sie mit Brot, die letzte Lage sollte ebenfalls Brot sein.
- Backen Sie den Frankfurter Bettelmann etwa 30 Minuten.
- Bestreuen Sie den Auflauf noch warm mit Zucker und Zimt.
Während der Bettelmann im Ofen gart, bereiten Sie die Bischofsauce zu:
- Lassen Sie ½ l Rotwein, 2 Essl. Zucker, 4 Essl. rotes Johannisbeergelee (oder -marmelade) zusammen mit der verbliebenen Zitronenschale und 1 Pr. Zimt bei kleiner Hitze 5 Minuten mit offenem Deckel einköcheln.
- Rühren Sie 2 Essl. Stärkemehl mit 2 Essl. Rotwein an und geben Sie die Mischung in die Sauce.
- Die Bischofssauce soll noch einmal aufkochen, damit sie andickt, dann abkühlen lassen.
- Servieren Sie den Bettelmann portioniert auf Desserttellerchen und bedecken Sie ihn mit der Sauce.
Wie bei jedem Rezept gibt es zu diesem Bettelmann natürlich auch zahllose Varianten. In manchen Haushalten wurde der Auflauf „Frankfurter Pudding“ genannt und nur mit den für reiche Frankfurter bekömmlichen Weißbrotwürfeln hergestellt. In manchen Pudding kamen sogar Milch, Sahne und Eier hinein. Auch die Füllung variierte natürlich nach Jahreszeit und Geldbeutel. Und wer Eile hatte, mischte rohe Apfelwürfel kurzerhand unter den Brotteig. Ärmere Varianten hatten gar keine Füllung und bestanden nur aus altbackenem Graubrot.
Nur bei der Bischofssauce war man sich wieder einig: Der Grundbestandteil war Rotwein! Auch wenn er in manchen Haushalten natürlich mit Wasser gestreckt wurde.
Quellen und weiterführende Literatur:
- -Auch hier natürlich wieder die umfangreiche Sammlung der Autorin und
- Ilse Unruh – Das Kochbuch aus Hessen
- Hannelore Dittmar-Ilgen: Familien-Erinnerungen - ein kulinarischer Streifzug
- und wenn Sie noch mehr Frankfurter Rezepte ausprobieren wollen, dann sollten Sie sich vielleicht mal an Schneegestöber oder Handkäse mit Orangensauce probieren.
Bildnachweis: Abb. 1: © Hannelore Dittmar-Ilgen
