
- Blick auf Château de Beynac - Lou Avers
Das Dordogne-Tal im französischen Périgord ist gesäumt von mittelalterlichen Schlössern und Burgen. Die Ritterburg par excellence ist Château de Beynac. Von einem 150 Meter hohen Kalksteinmassiv überragt die geschichtsträchtige Burg die steilen Gassen und Natursteinhäuser des historischen Dorfes Beynac et Cazenac. Unten windet sich der Fluss durch grüne Auen. Das Anwesen ist in Privatbesitz und wird von den Eigentümern liebevoll und bis ins letzte Detail gepflegt. Die Burgführer nehmen Besucher mit auf eine Reise in die Zeit des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich. König Richard Löwenherz war einer der illustren Bewohner. Seinerzeit, im 13. Jh., bildete die Dordogne die Grenze zwischen den beiden verfeindeten Nationen.
Geschichte des Château de Beynac im Kurzportrait
Der Aristokrat Meynard de Beynac ließ die Burg Ende des 12. Jh. noch als einfachen Bergfried auf dem strategisch schwer zugänglichen Kalksteinplateau errichten. 1194 übernahm der englische Richard Löwenherz in seiner Funktion als Herzog von Aquitanien das Anwesen. Er lebte einige Jahre hier, nach seinem Tod 1199 ging die Burg wieder in den Besitz des heimischen Adels über. Mit den im Vertrag von Paris 1259 geregelten Besitzansprüchen ging die Festung an England zurück. Die Besetzung des letzten englischen Herzogtums Guyenne durch Frankreich gab den Ausschlag für den Beginn des “Hundertjährigen Krieges“ zwischen den Erzfeinden England und Frankreich ab 1337. Château de Beynac wurde wieder französisch. Im Laufe der kriegerischen Auseinandersetzungen war die Burg immer wieder Schauplatz von Gefechten und Inbesitznahmen. Im Vertrag von Brétigny 1360 wurde Château Beynac den Engländern zugesprochen. Bis zum Sieg Frankreichs im Jahr 1453 stand die Burg unter englischer Hoheit.
Château de Beynac – eine Ritterburg wie aus dem Bilderbuch
„Ja, so woans, ja so woans…die oiden Rittersleit…“, der bayrische Ohrwurm spukt im Kopf herum, wenn man staunend durch die Wappensäle, Kammern und Rundtürme (Donjons) des Château de Beynac schlendert. Besonders die Küche hat es den Besuchern angetan. Fast scheint es, als seien die Edelmänner gerade mal aus dem Zimmer gestapft. Stählerne Schwerter stecken in den groben Tischplatten, riesige Holzkübel hängen von der Decke herab; der Kamin sieht aus, als wäre soeben das Feuer gelöscht worden. Weinfässer stapeln sich in der Ecke. Gehungert haben die Burgherren hier wohl nicht. So manch einer sieht in seiner Phantasie ein Wildschwein am Spieß sich im offenen Feuer drehen. Auch den anderen Räumen sieht man an, dass sich die aktuellen Besitzer alle Mühe geben, den mittelalterlichen Alltag in der Burg stimmungsvoll wiederzugeben. An den Wänden hängen Armbrüste und Hellebarden, ein Turmzimmer erinnert an den englischen König Richard Löwenherz. Doch fühlt man sich nicht wie in einem Museum, der Besucher wird Teil des Ambientes. Innerhalb eines Rundgangs lassen sich die Zeitepochen des 12. bis zum 18. Jh. nachvollziehen. Seit dem 18. Jh. bis 1961 war die Burg im Besitz der Familie Beaumont-Beynac. Die gesamte Festungsanlage wurde und wird stetig renoviert. Ziel der Eigentümer ist es, die drei Bauphasen der Burg des 13., 14. und 17. Jh. wieder herzustellen. 1999 war die Burg die Kulisse für den Kinofilm Johanna von Orléans des französischen Regisseurs Luc Besson.
Lage und Informationen zum Château de Beynac
Die Burg von Beynac liegt in der südfranzösischen Region Périgord im Vallée de Dordogne der Provinz Aquitanien. Die Festung selbst steht auf einem 150 Meter hohen Kalksteinplateau. Zu deren Füßen verteilen sich die Häuser und Gassen des Dorfes Beynac et Cazenac bis ans Ufer der Dordogne.
Chateau de Beynac ist heute in Privatbesitz, der Öffentlichkeit aber für Besichtigungen zugänglich. Der Eintritt kostet 7,50 Euro (Stand 2010) und bietet einen Rundgang mit mehrsprachigen Burgführern, die detailliert über die Geschichte und das Leben der Burgbewohner berichten. Auch für Kinder ist der Besuch sehr kurzweilig.
Dordogne-Tal – Château de Beynac und seine Nachbarn
Château de Beynac befindet sich in nobler Gesellschaft. Gleich vier Burgen überragen das Tal der Dordogne. Die Rivalität der Franzosen und Engländer ist in steinernen Befestigungsanlagen verewigt. Die wichtigste Konkurrenz war Château de Castelnaud, das ebenso wie Freynac und Marqueyssac vom Schlossturm aus zu sehen ist. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ebenso Château de Milandes, die einstige Nobelresidenz der Cabaret-Künstlerin Josephine Baker.
