Es sind nur drei Romane: „Der Verschollene“, „Der Prozess“, „Das Schloss“. Es sind drei Romane, die nicht für den Druck bestimmt waren und, die unvollendet sind. Sein Schaffen ist oft autobiographisch geprägt und lässt sich durch seine eigenen Erfahrungen erklären.
Das ständige Motiv, welches sich in Kafkas Werken vorfindet, ist das Motiv der Einsamkeit eines Menschen, seine Zurückgezogenheit in diese Einsamkeit und die Ausweglosigkeit. Kafkas Helden sind stets von Bekannten, Freunden und sogar Geliebten umgeben, doch auch das hilft nicht aus diesem Zustand herauszukommen. Im Zentrum seiner Werke ist der einsame Held. In ihm ist nichts romantisch, er ist einfach allein. Er ist einsam und findet niemanden, der seiner Seele und seiner Stärke ebenbürtig ist. Allerdings ist dieser Mensch genauso schwach, wie er stark ist, denn er hängt von der Gesellschaft ab, er möchte ein Teil dieser sein und er nimmt die Abgrenzung von der Welt als ein schwere Last hin. Dieser Held ist nicht besonders heldenhaft, er strebt danach mit dieser Welt zu verschmelzen und eine Verbindung zu dieser aufzubauen.
„Der Prozess“
In „Der Prozess“ erscheint das Thema „Spiel nach Regeln“ noch klarer. Der Held gerät in die Beschuldigung eines Verbrechens und gibt dieser zunächst keinerlei Beachtung. Danach beginnt ein ernster Kampf mit dem juristischen System, doch das erweist sich als ein fataler Fehler. Man braucht nur nach den Regeln zu spielen, nach denen auch die anderen (die andere Welt) spielen und damit lässt man die Ordnung der Welt unwillkürlich zu, dann gibt man sich dieser hin und fällt in dessen Gnade. Der Roman endet geradezu symbolisch: der Held des Romans wird zur Hinrichtung geführt und mit dem Messer erstochen. Dieser Tod sollte nicht als ein physikalischer Tod angesehen werden, der bloße Schlag symbolisiert den seelischen Tod, den Tod der Persönlichkeit. Das heißt, dass der Mensch damit zum untrennbaren Teil der bürokratischen Welt wird. Der Widerstand wird nicht als Möglichkeit für einen Ausweg in Betracht gezogen. Alles wird so hingenommen, wie es ist und duldet keine Einmischung. Wenn am Anfang der Held an dem juristischen System noch zweifelt und über die kleinsten Veränderungen des Systems nachdenkt, so strebt er im nächsten Roman nach keinerlei Veränderungen, obwohl er sich in einer analogischen Situation befindet.
„Das Schloss“
Der Roman „Das Schloss“ ist wie ein Konzept von Kafkas Leben. Doch wie ist eine solche Schlussfolgerung gerechtfertigt?
Zur Erinnerung: die meisten seiner Werke hat Kafka für sich geschrieben und nicht für den Druck und er wollte diese nach seinem Tod vernichten lassen. Doch sein letzter Wille wurde durchkreuzt. Dieser Roman ist das Ergebnis all seines Schaffens und seines langen Weges in die Erkenntnis des „Ich“. Das ständige Erzählen von verschiedenen Personen über dieselben Geschehnisse und die Sinnveränderung durch fortlaufende Vorkommnisse paralysieren die Entwicklung des ganzen Sujets. Der Held ist fortlaufend damit beschäftigt, das Resultat verschiedener Handlungen zu erraten. Je weiter dieser in seinen Deutungen geht desto verzwickter wird seine eigene Position. Dies erweist sich als ein Fehler, denn der Mensch kommt aus der anderen Welt mit einer Sammlung von eigenem Wissen, eigenen Assoziationen und Handlungsweisen. Er ist ein Fremder und wird von den umgebenden Menschen nicht verstanden, obwohl sie die gleiche Sprache sprechen. Damit dieser ein angemessenes Leben in dieser Welt hat, versucht der Held immer mehr zu wissen, was bedeutet, dass er sich eine Handvoll Handlungsweisen aneignet, um „normale“ Kommunikationsprozesse durchführen zu können. Er passt sich einfach an…
Der Untergang des Ichs
Die Vorgehensweise des Helden führt zur Verschwendung der Individualität: der Held versucht nicht mal sich durch das törichte bürokratische System durchzukämpfen, denn seine gesamten Kräfte werden für die Verschmelzung mit der restlichen Welt aufgeopfert.
Es ist eine Art Schlussfolgerung des menschlichen Daseins. Dies bedeutet, dass die Menschen im Rahmen der Gesellschaft leben. Wenn sie in dieser Gesellschaft leben möchten, müssen sie sich ein bestimmtes System der Kodierung aneignen. Andernfalls- bedeutet dies der Untergang!?
Obwohl jeder Mensch ohne dieses Wissen geboren wird, so hat er doch den Mechanismus in sich, welcher die Aneignung im Entwicklungsprozess bewirkt- eine Art Anpassungsreflexe. Somit ist eine Erhaltung der eigenen Persönlichkeit schlicht unmöglich. Selbst wenn sich der Mensch dagegen wehrt, so ist er gezwungen dies nach bestimmten Regeln zu tun, ansonsten wird er nicht verstanden. Man kann es mit der Unmöglichkeit vergleichen abstrakte Dinge auf einer fremden Sprache zu erklären.
Dieses Weltverständnis wird von Kafka in literarischer Form verkörpert, verblüfft durch sein Pessimismus und Schuldgefühl gegenüber diesem Konformismus und die Unfähigkeit sein Ich zu erhalten.
