Franz Rosenbach überlebte Arbeits- und Vernichtungslager

Franz Rosenbach  - Christa Kaddar
Franz Rosenbach - Christa Kaddar
Im Frühjahr 1943 wurden der 15-jährige Franz Rosenbach und seine Familie deportiert, nachdem der Auschwitz-Erlass für Sinti und Roma in Kraft getreten war.

Der 1927 geborene Zeitzeuge Franz Rosenbach hat die Arbeits- und Vernichtungslager der Nazis überlebt, doch jahrzehntelang hat er die Tätowierung von damals versteckt und über sein Schicksal geschwiegen, bis er spürte, dass die Erinnerungen ihn erdrückten. In den letzten Jahren hat er sich zur Aufgabe gemacht, das Gedenken an die Schreckensherrschaft der Nazis wach zu halten, insbesondere für junge Menschen. Oft wollen sie nach seinem Vortrag die Tätowierung sehen, dann krempelt er seinen Ärmel hoch und zeigt sie: Z–9264. Z steht für „Zigeuner“. Im Januar 2011 hat Franz Rosenbach als Angehöriger der von den Nazis verfolgten Sinti auch eine Rede im bayrischen Landtag gehalten. Anlass war der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Soldaten vor 66 Jahren. Außerdem engagiert er sich im Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Bayern. 2005 gab die Bayrische Landeszentrale für politische Bildung seine Erinnerungen unter dem Titel „Der Tod war mein ständiger Begleiter“ heraus.

Heinrich Himmler befahl die familienweise Deportierung aller „Zigeuner“

Franz Rosenbach ist im Sudetenland geboren und in Österreich aufgewachsen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 galten auch dort die Nürnberger Rassegesetze, was Franz Rosenbach und seiner Familie zum Verhängnis wurde, da sie zur Minderheit der von den Nazis verfolgten Sinti gehörten. Mitte Dezember 1942 hatte Heinrich Himmler zudem ein Gesetz verfügt, das heute als „Auschwitz-Erlass“ bezeichnet wird. Dieses Gesetz befahl die familienweise Deportation aller „Zigeuner“ nach Auschwitz-Birkenau. Für Franz Rosenbach änderte sich alles, als an einem Arbeitstag im Frühjahr 1943 zwei Herren mit Aktentaschen erschienen und ihm befahlen, mitzukommen. Dem 15-jährigen Franz war gerade eine Lehre bei der Reichsbahn in Aussicht gestellt worden. In diesem Augenblick wurde er ohne jegliche Erklärungen aus seinem bis dahin überschaubaren Leben gerissen und in ein Polizeigefängnis gebracht. Dort traf er auf seine Mutter und weitere Familienmitglieder und Verwandte, die sich fragten: „Was wollen die von uns?“

Franz Rosenbach erlebte unvorstellbares Grauen

Die Verhältnisse im Gefängnis waren bedrohlich, und eine Erinnerung ist für ihn besonders grauenvoll: Ein Gefängniswärter drückte ihm einen Korb in die Hand und forderte ihn auf, die Köpfe der unter einer Guillotine Ermordeten aufzusammeln und zum Verbrennen zu einem Ofen zu bringen. Das Grauen ging weiter, als die Familie nach Auschwitz-Birkenau gebracht wurde, wo die Nazis ein „Zigeunerlager“ eingerichtet hatten. „Es war schrecklich, wie die Menschen dort geschlagen und getreten wurden“, erinnert er sich. In Auschwitz starb ein Großteil seiner Familie. Auch seine Mutter sah er nie wieder. Da er noch jung und arbeitsfähig war, kam er vom Lager Birkenau ins große Lager in Auschwitz, wo das Leben von abgemagerten Menschen, Hunger, Krankheit und Leichenbergen geprägt war. Nachdem er dort einer Gesundheitsuntersuchung unterzogen worden war, musste er sich einer Gruppe von Menschen anschließen, die auf der rechten Seite standen. „Ich hatte Glück. Die auf der linken Seite kamen in die Gaskammer.“

Als Zwangsarbeiter arbeitete Franz Rosenbach im Mittelbau-Dora

Die nächste Station für Franz Rosenbach war das Konzentrationslager Buchenwald, wo er Schwerstarbeit im Steinbruch zu verrichten hatte, bevor er dem „Kommando Dora“ zugeordnet wurde. Im etwa 80 Kilometer entfernten Nordhausen, im sogenannten „Mittelbau-Dora“, mussten die Zwangsarbeiter in unterirdischen Fabriken arbeiten. „Erinnern Sie sich an Wernher von Braun?“, fragt er. „Die von ihm entwickelten Raketen wurden in Dora gebaut.“ Die ausgehungerten Menschen arbeiteten und schliefen im Stollen. „Sieben Monate habe ich die Schikanen in Dora mitgemacht.“ 20.000 andere haben sie nicht überlebt. Vom KZ Mittelbau-Dora wurde Franz Rosenbach in das Außenlager Harzungen verlegt und kurz vor Ende des Krieges auf den Todesmarsch getrieben. Nach einem tagelangen Marsch gelang ihm die Flucht in der Nähe von Dessau, wo ihn eine Frau aufnahm, die seine Hilfe in der Landwirtschaft in Anspruch nahm.

Jahrzehntelanger Kampf um die deutsche Staatsbürgerschaft

Seit 60 Jahren lebt Franz Rosenbach in Nürnberg. Der Umgang mit dem vom Nazi-Regime verfolgten und gequälten Franz Rosenbach in den Nachkriegsjahren ist kein Ruhmesblatt für die bundesdeutschen Behörden. Um die deutsche Staatsangehörigkeit musste er jahrzehntelang kämpfen, weil er nach dem Krieg keine Dokumente mehr besaß, um die deutsche Staatsbürgerschaft seiner Mutter nachzuweisen. Erst 1991 wurden der staatenlose Franz Rosenbach und seine Kinder eingebürgert.

Quelle: Vortrag von Franz Rosenbach im Triangelis-Forum der evangelischen Kirchengemeinde in Eltville-Erbach am 3. Februar 2011.

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

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