
- Das ist Frau Schächtele, die oben bleiben will - Silberburg Verlag
König Moppel will die Häuser der Bürger unter die Erde verlegen, Frau Schächtele aber will oben bleiben. Diese, laut Klappentext „märchenhafte Geschichte, ganz ohne Parallelen zur Realität“, erzählt Monika Spang in ihrem, im Tübinger Silberburg Verlag erschienenen, von Kostas Koufogiorgos illustrierten Büchlein „Frau Schächtele will oben bleiben“.
Fast wie im richtigen Leben
Fast wie im richtigen Leben geht es in dem kleinen Büchlein über Frau Schächtele, es ist kaum größer als ein Pixi-Büchlein, zu. Die Autorin, die als freie Schriftstellerin in Stuttgart lebt, hat auf 27 Seiten, auf die auch noch die farbenprächtigen Illustrationen des Karikaturisten Kostas Koufogiorgos passen, gar Märchenhaftes zu erzählen. Das ist nicht erstaunlich, denn Spang schreibt bereits seit einigen Jahren Kinderbücher, von ihr stammen etwa „Zottelbock“ oder „Das große Gähnen“. Letzteres spielt im Zoo, Frau Schächteles Geschichte dagegen spielt in einem Land, das nur das Ländle genannt wird, weil es so klein ist. In diesem Ländle, genau genommen in der Hauptstadt, die nur das Städtle genannt wird, lebt Frau Schächtele als Mieterin der Bürgersiedlung, die die Bürger einst von der Königin geschenkt bekommen haben.
Die alte Dame war bislang wohl eine unauffällige Bürgerin, ganz so, wie man es von einer Frau mit Dutt erwartet, doch das ändert sich, als sie eines Tages einen Brief erhält, in dem sie aufgefordert wird, ihr Häuschen bis zum nächsten Tag zu räumen. Frau Schächtele versteht erst einmal nur Bahnhof, denn das Schreiben ist in Amtsdeutsch abgefasst. Weil der König, zu dem sie marschiert, gerade mit zwei Herren Champagner trinken muss, erklärt ihr ein Schlossbeamter, dass das alles schon seine Richtigkeit habe. König Moppel wolle nämlich einen neuen Palast bauen und deshalb müssten die Häuser unter die Erde, und damit die Bürger ihre Wohnungen erreichen, würden auch wunderschöne Tunnel gegraben. Das gefällt der noch rüstigen Dame gar nicht. Gemeinsam mit ihren Nachbarn geht sie noch am Abend demonstrieren.
Frau Schächtele holt sich ein blaues Auge
Die Obrigkeit jedoch, glaubt den Protest ignorieren zu können und während Frau Schächtele Plakate hochhält, räumen Arbeiter ihr Häuschen aus, an der Mauer knabbert gar schon ein Bagger, als sie heimkommt. Daraufhin beschweren sich Frau Schächtele und ihre Mitstreiter erst recht, denn es ist ihre Siedlung, die Bürger haben sie schließlich von der Königin geschenkt bekommen. Doch Bürger, die ihre Rechte geltend machen, wollen der Obrigkeit gar nicht gefallen. Die Herren finden ihre Untertanen aggressiv, böswillig und gewalttätig. Sie lassen die demonstrierenden Leute von mehreren hundert Soldaten von den Bäumen schütteln, wobei Frau Schächtele ein blaues Auge verpasst bekommt. Über die Bilder der blauäugigen alten Frau, die doch so gar nicht aggressiv, böswillig und gewalttätig aussieht, ärgern sich nun auch die restlichen Bürger des Ländles und König Moppel merkt, dass er sich etwas einfallen lassen muss.
Wie die Geschichte von Frau Schächtele und der Obrigkeit endet, kann natürlich nicht verraten werden. Den lieben Kinderchen dürfte das Ende jedenfalls gefallen – oder sollte das etwa gar kein Kinderbuch sein? Es soll Leute geben, die sich da nicht so sicher sind!
Monika Spang, Kostas Koufogiorgos: Frau Schächtele will oben bleiben. Silberburg 2011. Gebundene Ausgabe, 32 Seiten. 6,95 Euro.
