
- Zu wenig Frauen arbeiten in Führungspositionen - copyright martinroell
Liegt es an den Genen, dass Frauen sich leichter zufriedengeben oder ist es der ewige Spagat zwischen Familie und Job, der weibliche Berufstätige sagen lässt: Mir gefällt es so, wie es ist – an einem beruflichen Aufstieg habe ich weder Interesse, noch wäre ich hierzu fachlich in der Lage? Man kann nur über die Gründe spekulieren, doch für viele Arbeitnehmerinnen liegt die Antwort auf der Hand.
Gläserne Decke wird klaglos von vielen Frauen in Deutschland akzeptiert
Anlässlich des 100. Internationalen Frauentages hat der Beratungsdienstleister Accentur 3.400 Berufstätige in 29 Ländern weltweit zu ihrem Befinden hinsichtlich ihrer Job-Wünsche befragt. Das Ergebnis sei alarmierend, resümiert Catrin Hinkel, Geschäftsführerin bei Accenture. Frauen haben sich augenscheinlich damit arrangiert, dass es für sie in der Arbeitswelt häufig einfach nicht weiter geht. Dabei nehmen sie die sogenannte gläserne Decke nicht nur klaglos hin. Sie behaupten sogar, dass sie damit zufrieden sind, wenn nach wie vor die obersten Führungsetagen in großen Teilen von männlichen Arbeitskräften besetzt sind. Lediglich jede vierte im Berufsleben stehende Frau möchte ihre Karriere im Jahr 2011 vorantreiben – bei den Männern ist es jeder zweite. Ähnlich sieht die Gewichtung bei der Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz aus. 70 Prozent der weiblichen Befragten mögen ihren Job und unglaubliche 80 Prozent wollen nicht aufsteigen. Männer schätzen zu 60 Prozent ihre Ist-Situation und lediglich 65 Prozent wünschen sich keinen beruflichen Aufstieg.
Im internationalen Vergleich verhält es sich in der Schweiz und in Österreich ähnlich wie in Deutschland. Doch bei der weltweiten Befragung fällt auf, dass die durchschnittliche Zufriedenheit sowohl bei Frauen als auch bei Männern deutlich niedriger liegt, nämlich bei 55 Prozent der weiblichen und 57 Prozent der männlichen Arbeitnehmer.
Frauen trauen sich im Beruf deutlich weniger als Männer zu
Die Führungsetage scheint Angst zu machen. Während 41 Prozent der Männer erklären, dass sie in die Führungsebene vorstoßen möchten, wünschen sich dies nur 30 Prozent der Frauen. Woran sollen Unternehmen erkennen, dass Führungspositionen durchaus mit weiblichen Mitarbeitern besetzt werden können, wenn diese behaupten, alles sei derzeit bestens? Außerdem trauen sich Frauen ohnehin deutlich weniger zu. So glauben 28 Prozent , ihnen fehle die Fertigkeit und das Wissen für den nächsten Karriereschritt. Männer sind da selbstbewusster. Nur sieben Prozent denken, dass man hierfür fachlich nicht geeignet sei.
Schlechte Karriereperspektiven wegen fehlender Work-Life-Balance
Nach Meinung der Experten ist die schlechte Vereinbarkeit von Job und Familie der Hauptgrund für die geringe Motivation und den fehlenden Mut beim nötigen Sprung ins kalte Wasser. Wie soll eine Mutter auch das ohnehin schon wackelige Betreuungskonzept noch weiter strapazieren, wenn sie deutliche Mehrarbeit und Überstunden befürchtet? Doch statt sich weiterhin den Kopf darüber zu zerbrechen, wie das Zeitmanagement auf dem Weg vom Arbeitsplatz zur Kindertagesstätte optimiert werden kann oder was im Krankheitsfall zu tun ist, sind flexiblere Arbeitszeitmodelle seitens der Arbeitgeber angebrachter. Davon profitieren beide Seiten und auch Männer schätzen eine gesunde Work-Life-Balance. Hier sind sich dann Männer und Frauen bei der Umfrage auch fast einig. 35 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen halten Privates für ebenso wichtig wie Berufliches. Ganz so zufrieden, wie die Frauen es im Hinblick auf ihre Aufstiegschancen zu Protokoll gaben, können sie dann allerdings insgesamt doch nicht sein. Immerhin 44 Prozent der Arbeitnehmerinnen sind für eine gesetzliche Frauenquote; bei den Männern stimmen nur 22 Prozent dafür.
Quelle: Pressemitteilung Accenture
