Frauen und Karriere – das Ehebett als Sprungbrett?

Der richtige Ehepartner entscheidet? - Dieter Schütz / pixelio.de
Der richtige Ehepartner entscheidet? - Dieter Schütz / pixelio.de
Nach wie vor sind Frauen unter den Bossen eine Ausnahme. Die Gesellschaft ist patriarchalisch organisiert. Trotz einer Frau als Kanzlerin.

Wie macht eine Frau Karriere in Deutschland? Eigentlich gar nicht. Trotz einer weiblichen Kraft als Regierungschefin hat sich für ihre Leidensgenossinnen wenig verändert. Was man mit bloßem Auge sieht, dass nämlich die Bossen fast ausschließlich dem männlichen Geschlecht angehören, bestätigte auch Anfang des Jahres 2011 eine Studie der Hans Böckler Stiftung. Sie untersuchte die Geschlechterverteilung in den 160 börsennotierten Unternehmen: Der Frauenanteil beträgt demnach 3,1 Prozent - „21 Frauen stehen 647 Männern gegenüber“. In diesem antik anmutenden Bild hat sich also auch im 21. Jahrhundert nicht viel verändert. Die Karriere und die Macht bleiben nur grammatikalisch weiblich. Die Gesellschaft ist nach wie vor patriarchalisch organisiert. Dennoch unter den Erfolgreichen und Reichsten finden sich auch Frauen. Wie haben sie dies geschafft?

Das Ehebett als Sprungbrett

Die Lebensläufe von den Einflussreichsten Frauen weisen oft folgende Übereinstimmung: Entweder kommen sie aus einer vermögenden Familie und erben sozusagen den Erfolg oder heiraten sie einen erfolgreichen Mann. Liz Mohn, die mächtigste Medienfrau nicht nur in Deutschland, begann ganz schlicht als Telefonistin im Bertelsmann-Konzern, den sie heute leitet. Ohne die Ehe mit dem Unternehmensbesitzer Reinhard Mohn hätte sie jedoch kaum Chancen gehabt, so hoch aufzusteigen. Ähnlich bescheiden startete die andere mächtige Medienfrau – Friede Springer. Auch in diesem Falle verdankt das Aschenputtel seine Karriere dem Prinzen. Entsprechend märchenhaft skizzierte einst „Stern“ das Portrait der mächtigen Frau: „Es war einmal ein mächtiger Großverleger, der sich in sein Kindermädchen verliebte und es heiratete. Als er starb, erbte die Witwe sein Imperium und baute es in harten Machtkämpfen aus“. Ebenso ehelichte einst Maria-Elisabeth Schaeffler einen erfolgreichen Mann und erst nach seinem Tod setzt sie `das Lebenswerk ihres 1996 verstorbenes Mannes´ fort, in dem sie sein großes Industrieunternehmen führt.

Gescheiterte Emanzipation?

Einerseits gibt es also eine männlich dominierte Arbeitswelt, anderseits einige einflussreiche Frauen, die den Erfolg erst `heiraten´ mussten. Welche Schlussfolgerungen dürfen aus diesen Vorbildern junge Frauen ziehen? Dass viel wichtiger als eine eigene Anstrengung der richtige Ehepartner sei? Wie dies die Großmütter und Ur-Ur-Großmütter schon gelernt haben? Als ob es der Kampf um die Emanzipation nie stattgefunden hätte? Der Begriff „Patriarchat“, der derartige gesellschaftliche Verhältnisse beschreibt, suggeriert ausschließliche männliche Herrschaft und führt in die Irre. Das System kann nicht ohne weibliche Unterstützung funktionieren. Frauen, die von ihm auf verschiedene Art profitieren, verteidigen es genauso leidenschaftlich wie die Männer. Frauen verteidigen ihre Positionen und Profite, die sie aus diesem System ziehen und bekämpfen die möglichen Konkurrentinnen.

Die Frauenquote – bitter nötig oder überflüssig?

Wie verändert man eine hartnäckige Tradition, die der im Grundgesetz vorgeschriebenen Gleichstellung widerspricht? Durch die Selbstverpflichtung der Wirtschaft, meinen die einen und warten seit Jahren auf die entsprechende Reaktion ohne Ergebnis. Über eine gesetzlich vorgegebene Quote für die Wirtschaft, meinen die anderen und weisen auf die guten Beispiele in vielen Ländern hin. Befürworter und Gegner finden sich unter beiden Geschlechtern. Die Quote hätte das gesamte gesellschaftliche Bild verändert, was natürlich bedeutet, dass die Interessen angegriffen und die Profiteure des bisherigen Systems auf den Plan gerufen werden.

Bildnachweis: Dieter Schütz / pixelio.de

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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