
- Fleißige Arbeiter – Fruchtfliege in der virtuellen - Rudolf-Virchow-Zentrum
Viele Fans und Fußballexperten wollen vorzeitig wissen, wer die Frauenfußball-WM gewinnen wird. Sagte bei der Fußballweltmeisterschaft der Herren die Krake Paul die Ergebnisse voraus, hoffen Wissenschaftler am Rudolf-Virchow-Zentrum in Würzburg, mithilfe eines Fruchtfliegenorakels den Ausgang der Fußball-WM der Frauen richtig vorherzusagen. Bisher sagten die Fruchtfliegen fünf Spiele erfolgreich voraus.
Warum eigentlich Fruchtfliegen?
Die Idee, Fruchtfliegen als Orakel zu nehmen, hatte und entwickelte die Arbeitsgruppe um Professor Martin Heisenberg. Die Impulsgeber Sebastian König und Till Andlauer setzen auf Fruchtfliegen, weil diese der Forschung in Würzburg schon jetzt Antworten auf die Fragen, wie Verhaltensweisen entstehen und welche Rolle Gehirn und Gene dabei spielen, liefern. Die Vorhersageergebnisse der Frauenfußball-WM wurden durch ein tatsächliches, nur 120 Sekunden dauerndes Fußballspiel der Fruchtfliegen, ermittelt.
So spielt die Fruchtfliegen-Liga Fußball
Die Experten erklären, wo und unter welchen Bedingungen die Fruchtfliegen spielen. Das Spielfeld der Fruchtfliegen ist eine künstlich erstellte Arena. Der Ball ist ein Buchner-Ball. Die Tore werden von den Landesflaggen der Mannschaften gekennzeichnet. Das Spiel beginnt, wenn der Ball von einer Fliege gedreht wird. Aus dieser Bewegung wird die beabsichtigte nächsten Bewegungen der Fliege errechnet. Die Umgebung der virtuellen Arena ändert sich entsprechend dieser neuen Daten. Das Tor gilt, wenn die Fliege eines der beiden Tore erreichte.
Marketingexperten erwarten keinen Frauen-WM-Sieg Deutschlands
Der Marketingexperte der Universität Hohenheim, Professor Markus Voeth, untersucht längjährig, die Vermarktungsstrategie der Fußballweltmeisterschaften. Er dämpft die Erwartung auf einen Sieg der deutschen Fußballfrauen und ist überzeugt, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Frauenfußball-WM mit der Fußballweltmeisterschaft der Männer ebenso wenig zu vergleichen sei, wie Äpfel mit Birnen. Er warnt Unternehmer davor, ähnliche positive wirtschaftliche Erfolge an den Umsatz und die Werbewirksamkeit zu legen, wie bei der Männer-WM 2006. Er begründet seine Erkenntnisse damit, dass Fußballweltmeisterschaften für Männer ein Ereignis sind, dass in seiner globalen Werbewirksamkeit nur noch von den Olympischen Spielen übertroffen werde. Diese Aufmerksamkeit, auch der Presse, dem Fernsehen und der Sponsoren, fehlt, seiner Erkenntnis nach, dem Frauenfußball noch. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Geschichte des Deutschen Frauenfußballs.
Jeanette Loos und Sabine Schwarz arbeiten für die Hohenheimer Wissenschaftler. Sie geben bekannt, dass nur ein Viertel der Befragten ein Interesse an der Frauenfußball-WM 2011 haben. In einer Studie zur Männer-WM 2010 stellten sie ein Interesse der Männer von 80 Prozent fest. Es waren etwa zwei Drittel der Frauen, die sich für die Fußball-WM der Männer begeisterten.
Es konnten nur wenige Sponsoren gewonnen werden
Bei der Befragung wurde auch ergründet, welchen Bekanntheitsgrad die Sponsoren der Frauenfußball-WM 2011 haben, beziehungsweise ob ihre Aktivität von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Nur ein Viertel der Befragten wussten, welche Firmen mit ihrem Namen für die Fußball-WM der Frauen werben. Die Werbeexperten schlussfolgern, dass die Werbung für die Weltmeisterschaften bisher zu wenig auf Frauen zugeschnitten ist. Die Spielerinnen sind zum Beispiel zu wenig bekannt. Darum können sich Frauen, selbst wenn sie wollen, nur ungenügend mit ihnen oder mit den von ihnen empfohlenen Produkten identifizieren, erläutert Sabine Schwarz.
Weibliche Reize führen im Fußball nicht zwangsläufig zum Erfolg
Wenn von einer erfolgreichen Werbestrategie mit nur mäßigem sportlichen Erfolg die Rede ist, kommt die Tennisspielerin Anna Kournikova ins Spiel. Nach ihr wurde der Kournikova-Effekt benannt, der, so sehen es viele Männer, auch dem Frauenfußball ins Geschäft helfen könnte. Jeanette Loos sieht diesen Effekt nicht als nachhaltige Werbestrategie für den Frauenfußball. Sie ist der Überzeugung, dass es beim Sport letztendlich auf das Können ankomme.
Fußballweltmeisterschaften von Frauen und Männern jeweils einzigartig
Voeth betont, dass die Fußballweltmeisterschaften von Frauen und Männern jeweils nicht miteinander zu vergleichen seien. Um den Erfolg der WM 2011 zu messen, könnten die Ergebnisse der beiden Frauenweltmeisterschaften in China und den USA zurate gezogen werden.
2009 wurde der Sportentwicklungsbericht des Deutschen Olympischen Sportbundes erstellt. Für ihn nahmen etwa 3.000 von 7.900 Fußballvereine in Deutschland an Befragung teil. Es trat dabei klar zutage, dass mehr als 30 Prozent der Vereine eine Frauenfußballmannschaft für Juniorinnen und Mädchen aufstellen. 2011 zeigt es sich, dass über zehn Prozent noch 2011 Frauenfußballmannschaften gründen wollen. Somit scheint das Vorhaben von DFB-Präsident Theo Zwanziger, die Anzahl Fußball spielender Mädchen und Frauen deutlich zu erhöhen, in greifbare Nähe gerückt zu sein.
Die ermittelten Zahlen bestätigen, dass der Frauenfußball innerhalb der Vereine, aber auch in der Wirkung nach außen, an Bedeutung gewinnt. Auch die Werbebranche scheint, im Vorfeld der Fifa-Frauen-WM in Deutschland, die Werbewirksamkeit von Fußballerinnen entdeckt zu haben und damit die positiven Tendenzen den Frauenfußball als eigene Sportart der Frauen, zu unterstützen.
Nach Ansicht der Marketingexperten haben viele Vereine beim Aufbau und der Weiterentwicklung des Frauenfußballs Probleme. Es gelingt ihnen zum Beispiel nur schlecht, Schiedsrichter zu gewinnen oder diese dauerhaft zu binden. Die Nachfrage nach Trainern oder Übungsleitern ist, aus den unterschiedlichsten Gründen heraus, nur gering. Oft scheitert die Gründung einer eigenen Frauenfußballmannschaft aber an viel einfacheren Dingen. Es fehlen vielfach separate Umkleidekabinen und Duschen für Frauen und Mädchen, weil die Vereine Umbauten nicht finanzieren können und geeignete Sponsoren für den Frauenfußball nur mäßig begeistert werden können.
Hoffnung auf weitere aktive Fußballerinnen
Von der WM erhoffen sich die Verantwortlichen der Landesportbünde, des Deutschen Olympischen Sportbundes und dem Bundesinstitut für Sport, einen Anstieg an aktiven Fußballerinnen: Die Befragten sind unterschiedlicher Meinung darüber, wie stark der Anstieg sein wird.
