Ellen Johnson-Sirleaf ist seit 2006 die erste Frau überhaupt in Afrika, die zum Staatsoberhaupt gewählt wurde. Auch in ihrer Regierung bekleiden Frauen wichtige Positionen, es gibt eine Gender-Ministerin und auch eine Finanz- und eine Justizministerin. Sogar der oberste Polizeichef des Landes ist eine Frau.
Eliten im Vorteil
Von der Frauenpower im Lande profitieren aber in erster Linie die Eliten. Besonders Frauen, die während der Kriegsjahre im Ausland waren und dort mit ansehen konnten, was andere Frauen leisten können, setzen diese Eindrücke in ihrem eigenen Land um. Sie sind Unternehmerinnen, gehen zur Schule, besetzen verschiedene Positionen in klassischen Männerberufen und setzen sich für die Gleichberechtigung ihrer Mitgenossinnen ein. Im Nachteil sind dabei ganz klar, die Frauen, die in ländlichen Gegenden leben. In Regionen, die kaum erreichbar und die von Armut gekennzeichnet sind.
Gewalt und Vergewaltigungen
Für Frauen, die in abgelegenen Dörfern leben und in ihrer traditionellen Rolle gefangen sind, ist es schwer sich aus dieser zu befreien. Sie haben kaum Zukunftschancen, da sie nur schlecht ausgebildet sind und von ihren Männer nicht als gleichwertige Partner angesehen werden. Sie sind Opfer von häuslicher Gewalt und die Vergewaltigungsrate ist erschreckend hoch. Doch immer mehr Fraueninitiativen, -gruppen und –grüppchen entstehen im Land und immer häufiger sieht man sie mit Musik und Plakaten für ihre Rechte demonstrieren.
Die Präsidentin
Ellen Johnson-Sirleaf wurde 1939 geboren und besitzt, im Gegensatz zu den meisten Angehörigen der liberianischen Oberschicht, keine afroamerikanischen Vorfahren. Dafür hat sie einen Großvater, der aus Deutschland stammte. Sie studierte an der Harvard-Universität und war von 1980 bis 1985 Finanzministerin in Liberia. Ihre berufliche Laufbahn führte sie in verschiedene hochrangigen Positionen, unter anderem war sie Vizepräsidentin der Citibank für Afrika in Nairobi, Direktor des UN Development Programm Regional Bureau for Africa, Vize-Präsidentin und Vorstandsmitglied der Equator Bank in Washington, D.C. sowie Senior Loan Officer der Weltbank. Sie weckt die Hoffnung der Liberianer Demokratie und Frieden in das verwüstete Land zu bringen.
Das Land Liberia
Die Republik Liberia war zunächst ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger afroamerikanischer Sklaven aus den Vereinigten Staaten. Es ist der zweitälteste unabhängige Staat auf dem afrikanischen Kontinent, doch die Konflikte zwischen den ehemaligen afroamerikanischen Sklaven und den einheimischen Ethnien prägen das Land bis heute. Eine Besonderheit bietet dieser Staat: Als einziges Land auf der Erde, erteilt es Visas abhängig von der Hautfarbe und nicht von der Nationalität. Es ist eine Reaktion auf den Sklavenhandel des 19. Jahrhunderts.
Im November 2005 wurde ein mehr als zehnjähriger Bürgerkrieg mit den demokratischen Wahlen der neuen Staatspräsidentin Johnson-Sirleaf beendet. Etwa 3,3 Millionen Menschen leben in Liberia, davon etwa 550.000 in der Hauptstadt Monrovia.
