Er habe einen Instinkt besessen für Stil, Geschmack und Klasse, hat der Schriftsteller John O'Hara über Fred Astaire gesagt. Er bewegte sich in Frack und mit Zylinder so nonchalant und lässig, als hätte er nie etwas anderes getragen. Er verband den Habitus des britischen Gentleman mit der Lässigkeit des amerikanischen Lebensstils. Er veredelte Filme mit Tanzeinlagen zu Tanzfilmen und schuf mit Hilfe seiner Kunst eine Ästhetik der Bewegung, deren harmonische Einheit von Körper, Mimik und Bewegung neue Maßstäbe für den Musicalfilm setzte.

Begonnen hatte alles in der New Yorker Tanzschule eines gewissen Ned Wayburn, die Fred Austerlitz zusammen mit seiner Schwester Adele besuchte. Mr. Wayburn – man mag das glauben oder nicht – soll den Steptanz erfunden haben, und in dem jungen Fred, der damals, 1907, gerade ein Jahr älter war als das neue Jahrhundert, glaubte er, ein besonderes Talent gefunden zu haben für diese kuriose Mischung aus irischem Holzschuhtanz und der Musik der schwarzen Sklaven.

Quer über den Kontinent gesteppt

Nun, Mr. Wayburn hatte sich nicht getäuscht: Fred wurde tatsächlich zum Steptalent der frühen Showbusiness-Jahre. Er änderte den Namen Austerlitz (der Vater war aus Österreich eingewandert) um in das amerikanischen Zungen gefälligere Astaire und steppte quer über den Kontinent nach Hollywood. Dort kreierte er in den Filmen der dreißiger Jahre erstmals etwas, das den Namen Tanzchoreografie verdiente.

Vor Astaire hatte es etwas Derartiges auf der Leinwand nicht gegeben, denn niemand hatte den Tanz als eine dem Film angemessene Ausdrucksweises ernst genommen. Man war froh, dass die bislang stummen Streifen gerade das Sprechen gelernt hatten, und da man beim Tanzen nicht redet, war das für die neu erfundenen "talkies" nicht weiter interessant.

Das sollte sich mit Fred Astaire grundlegend ändern. Die wichtigsten und schönsten Augenblicke in den Filmen, die er im Laufe des nächsten Vierteljahrhunderts drehte, waren die Tanzeinlagen.

Tanzen - eine Art Heimsuchung

"Immer wieder erwische ich mich plötzlich dabei, dass ich tanze." – "Das muss wohl irgendeine Art von Heimsuchung sein." "Top Hat" heißt der Film, in dem Fred Astaire und Ginger Rogers diese selbstironischen Sätze austauschen, und sie sind symptomatisch für alle seine Filme. Denn ehe sich's der Zuschauer versieht, ist aus der gespielten Szene ein Tanz, aus dem Dialog Musik geworden, ohne dass man diesen Übergang als Bruch in der Handlung empfindet.

Die große Zeit von Fred Astaire, der am 10. Mai 1899 in Omaha, Nebraska, geboren wurde, begann, als er zu Beginn der dreißiger Jahre nach Kalifornien kam und dort Filme drehte, mit denen Hollywoods neuer Traumtänzer sein Publikum in schönere, Lichtjahre entfernte Welten entführte. Wer dachte schon an Wirtschaftskrisen, wenn Astaire in den Salons der Schönen und Reichen steppte? Seine Filme sind Märchen aus 1001 Tänzen, in denen er gleichermaßen Prinz und Derwisch verkörperte.

Aber er tanzte nicht nur über blankes Parkett. Er schwebte über Spiegeln dahin, drehte sich durch verwunschene Parks und verschneite Landschaften, steppte über Schiffsdecks und durch Maschinenräume, er ging die Wände hoch und tanzte an der Decke. Fred Astaire und die Schwerkraft – das war genauso unvereinbar wie Feuer und Wasser.

Fred Astaire und die Frauen – kein Kapitel für sich. Er war der absolute Kavalier, ein Mann für alle Tageszeiten, der mit ein paar Tanzschritten ein knisterndes Netz der Erotik spann. Welche Frau hätte diesem Werben auf Dauer schon widerstehen können? Dabei sah er nicht einmal gut aus, hatte keine tolle Figur, dafür einen Hang zur Kahlköpfigkeit – doch was zählte das alles, wenn er mit Ginger Rogers "Cheek to Cheek" tanzte, mit Eleanor Powell "Begin the Beguine" oder - als knapp Sechzigjähriger - in "Silk Stockings" eine fetzige Rock'n'Roll-Nummer bot?

Astaire hatte Klasse, Rogers hatte Sex

Seine ideale Partnerin war Ginger Rogers (seine Schwester Adele, mit der er seine Bühnenlaufbahn begonnen hatte, hatte 1929 einen britischen Adligen geheiratet und ihre Karriere aufgegeben). Mit Rogers stahl er Dolores del Rio die Show in "Flying down to Rio", ihrem ersten gemeinsamen Film. Wenn sie tanzten – sie standen zehn Mal gemeinsam vor der Kamera –, gab es regelmäßig Applaus vom Kinopublikum. Astaire und Rogers erreichten eine Synchronität der Schritte, eine Harmonie der Bewegung, die kein Tanzpaar der Welt jemals wieder erreicht hat. "He gave her class, she gave him sex": Mae West oder Katharine Hepburn sollen diesen Satz gesagt haben. Wer auch immer es war – sie hatten recht.

Und keine der nachfolgenden Partnerinnen konnte Rogers, mit der er 1939 zum letzten Mal drehte, ersetzen: nicht die glutvolle Rita Hayworth, die schmollmundige Judy Garland, Vera-Ellen, das Mädchen von nebenan, schon gar nicht die Kindfrau Leslie Caron. Die atemberaubende Perfektion von Astaire und Rogers war das Ergebnis eines geradezu militärischen Drills. Die Tanzsequenzen wurden zumeist in einem "take", also ohne Unterbrechung, gedreht, und dauerten bis zu zehn Minuten. Ein Patzer in der neunten Minute bedeutete also: das Ganze noch mal von vorn. Nicht selten verließ Ginger Rogers das Studio nach Drehschluss mit blutenden Füßen, wie sie sich erinnerte.

Alterslos wie seine Filme

Die Jahre gingen an Fred Astaire nahezu spurlos vorbei. Er konnte es sich leisten, als Endfünfziger Partner der blutjungen Audrey Hepburn zu sein, ohne sich dem Vorwurf der Lächerlichkeit auszusetzen. Das hatte Astraire mit seinen frühen Filmen gemein: Auf wundersame Weise wirkten beide alterslos allein durch seine Tanzkunst. Mag die Handlung in den meisten Streifen nicht viel mehr als eine ausgewalzte Anekdote sein – sie werden dank Astaire immer zu Hollywoods Glanzstücken gehören.

Vor 25 Jahre, am 22. Juni 1987, ist Fred Astaire in Los Angeles gestorben. Nach seinem Tod hat ihn das American Film Institute auf Platz fünf der Liste der größten 25 männlichen Filmlegenden aller Zeiten gewählt.